Provenienzforschung

Seit 2000 wird an der Hamburger Kunsthalle Provenienzforschung betrieben. DafĂŒr wurde unmittelbar nach der Verabschiedung der 11 Prinzipien der Holocaust-Konferenz in Washington 1998 und der Verabschiedung der Gemeinsamen ErklĂ€rung 1999  zunĂ€chst eine befristete und seit 2005 eine unbefristete Stelle – die erste in Deutschland – eingerichtet.

Die Provenienzforschung an der Hamburger Kunsthalle erstreckt sich ĂŒber alle SammlungsgegenstĂ€nde, die bis 1945 entstanden und seit 1933 in den Bestand der Hamburger Kunsthalle ĂŒbergegangen sind bzw. sich als langfristige Dauerleihgabe im Hause befinden. Zudem beschĂ€ftigt sich diese Abteilung intensiv mit der allgemeinen Sammlungs- und Museumsgeschichte der Hamburger Kunsthalle.

Forschungsprokjekte

Publikationen

Ute Haug: Der KĂŒnstler Friedrich Overbeck, der Stifter Georg Friedrich Vorwerk. Briefe, zwei Zeichnungen, Lithographien und ein Kirchenfenster. Archivfunde und ihre Folgen, in: IDEA 2015 (in Vorbereitung).

Ute Haug und David Klemm, unter Mitarbeit von Sophia Colditz, Dorothee Glawe und Daniel Becker: Der Bestand an Werken von Emil Nolde in der Hamburger Kunsthalle, in: Nolde in Hamburg. Hrsg. von Karin Schick, Christian Ring und Hubertus Gaßner. MĂŒnchen, London, New York 2015, S. 157–183.

Ute Haug und Dorothee Glawe: Der ehemalige Bestand an Werken von Emil Nolde in der Hamburger Kunsthalle, in: Nolde in Hamburg. Hrsg. von Karin Schick, Christian Ring und Hubertus Gaßner. MĂŒnchen, London, New York 2015, S. 184–188.

Ute Haug: »Getreuer Statthalter in schwerer Übergangszeit«: Carl Georg Heise und die Hamburger Kunsthalle von 1845 bis 1955, in: »So fing man einfach an, ohne viele Worte«. Berlin 2013, S. 72–81.

Ute Haug: Therese Halle und Carl Heine : zwei Kinder Betty und Salomon Heines und die Hamburger Kunsthalle, in: Salomon Heine in Hamburg. Göttingen 2013, S. 73–100.

Ute Haug: »Das kunstsinnige Ehepaar« : die Sammlung Oscar und Gertrud Troplowitz, in: Ausst.-Kat. Oscar Troplowitz. Ein Leben fĂŒr Hamburg. Ostfildern 2013, S. 142–161.

Ute Haug: Zehn Jahre Provenienzforschung an der Hamburger Kunsthalle: Rahmenbedingungen und EinzelfĂ€lle, in: Die Verantwortung dauert an. Magdeburg 2010, S. 151–172.

Werke und Werte. Über das Handeln und Sammeln von Kunst im Nationalsozialismus. Hrsg. von Maike Steinkamp und Ute Haug. Schriften der Forschungsstelle »Entartete Kunst«. Berlin 2010.

Ute Haug: »Private Schlupfwinkel« in der Öffentlichkeit. Die Provenienz des GemĂ€ldes »Improvisation Nr. 10« von Wassily Kandinsky. In: Das verfemte Meisterwerk. Schicksalswege moderner Kunst im »Dritten Reich“. Hrsg. von Uwe Fleckner. Berlin 2009, S. 509–542.

Ute Haug: »sucht stĂ€ndig zu kaufen« – Karl Haberstock und die deutschen Kunstmuseen. In: Horst Kessler. Karl Haberstock. Umstrittener KunsthĂ€ndler und MĂ€zen. MĂŒnchen. Hrsg. von Christof Trepesch. Mit BeitrĂ€gen von Ute Haug, Anja Heuß und Christof Trepesch. Berlin 2008, S. 41–55.

Therese Halle, geb. Heine, eine Hamburger Sammlerin und Stifterin. Ausst.-Kat. »Therese Halle, geb. Heine. Eine Hamburger Sammlerin und Stifterin«, vom 24. Februar bis 1. Juni 2008, Hamburger Kunsthalle, hrsg. von Hubertus Gaßner, Ute Haug und Jenns Howoldt. Mit einem Beitr. von Sylvia Steckmest. Gedr. im Auftr. der Freunde der Kunsthalle. Hamburg 2008.

Ute Haug: Bedeutung der 11 GrundsĂ€tze der Washingtoner Holocaust-Konferenz, Dezember 1998 – Anspruch und Wirklichkeit. In: Ausgeraubt!: Aktuelle Fragen zum nationalsozialistischen Kulturgutraub in Europa. Le grand pillage: Ausstellung und Konferenz des MusĂ©e d’Histoire de la Ville de Luxembourg Band 13. Hrsg. von Marie-Paule Jungblut. Luxemburg 2007, S. 103.

Ute Haug: Provenienzforschung heute – Museen. Provenienzforschung an Museen. In: Ausgeraubt!: Aktuelle Fragen zum nationalsozialistischen Kulturgutraub in Europa. Le grand pillage: Ausstellung und Konferenz des MusĂ©e d’Histoire de la Ville de Luxembourg Band 13. Hrsg. von Marie-Paule Jungblut. Luxemburg 2007, S. 133–135. 

Ute Haug: Warum sollte ein Museum Provenienzforschung betreiben? In: Ausgeraubt!: Aktuelle Fragen zum nationalsozialistischen Kulturgutraub in Europa. Le grand pillage: Ausstellung und Konferenz des MusĂ©e d’Histoire de la Ville de Luxembourg Band 13. Hrsg. von Marie-Paule Jungblut. Luxemburg 2007, S. 137–139. 

Ute Haug: Akzession und Deakzession – ein Aspekt der musealen Provenienzforschung. In: Eine Debatte ohne Ende? Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum. Eine Publikation des Moses Mendelssohn Zentrums fĂŒr europĂ€isch-jĂŒdische Studien. Hrsg. von Julius H. Schoeps, Anna-Dorothea Ludewig. Potsdam 2007, S. 83–100.

Ute Haug: The future of provenance research at German Art Museum and opportunities for international collaboration. In: The Future of Lost Cultural Heritage. The documentation, identification and restitution of the cultural assets of WW II victims. Proceedings of the international academic conference in Cesky Krumlov (22.–24.11.2005). Edited by Meĉislav Borák. Tilia Publishers. Prag 2006.

Ute Haug: Provenienzforschung – die Hamburger Kunsthalle und der KunsthĂ€ndler Karl Haberstock in Berlin. In: Anzeiger des Germanischen Nationalmuseums. NĂŒrnberg 2005, S. 57–76. 

Tagungsband Museen im Zwielicht und »die eigene GESCHICHTE«, Veröffentlichung der Koordinierungsstelle fĂŒr Kulturgutverluste, Bd. 2, 2002, 2007 (2. Auflage).

Fundmeldungen

Sehen Sie hierzu die Fundmeldungen der Hamburger Kunsthalle auf den Seiten der Datenbank lostart.de.

Restitutionen seit 2000

RĂŒckgabe und RĂŒckkauf an die Erben Prof. Dr. Curt Glaser, September 2015
Presseinformation, 10. September 2015 PDF

Vernetzung

Dr. Ute Haug ist Vorstandsvorsitzende des international aufgestellten Arbeitskreises Provenienzforschung e. V.. Der Verein grĂŒndete sich Ende 2014 und ging aus dem 2000 gebildeten informellen Arbeitskreis Provenienzforschung hervor, den Ute Haug im Rahmen ihrer TĂ€tigkeit mitbegrĂŒndet hatte.

Laufendes Forschungsprojekt: Bestand Skulpturen und Plastiken

Das Projekt untersucht die im Vorfeld als bedenklich eingestuften Kunstwerke des Skulpturenbestandes der Hamburger Kunsthalle. ÜberprĂŒft werden alle Erwerbungen nach 1933 sowie diejenigen, die nach aktuellem Forschungsstand zu einem unbekannten Zeitpunkt ins Haus gekommen sind. Ziel ist es, die Provenienzen aller als bedenklich eingestuften Objekte zu klĂ€ren. Die FĂ€lle, bei denen sich der Verdacht auf eine verfolgungsbedingte Entziehung bestĂ€tigt, sowie jene, deren Provenienzen nur lĂŒckenhaft ermittelt werden können, werden bei lostart.de eingestellt.

Die GrĂŒndung der Skulpturensammlung der Hamburger Kunsthalle und ihr systematischer Ausbau gehen auf den ersten Direktor der Hamburger Kunsthalle Alfred Lichtwark (1852–1914) zurĂŒck. Heute erfolgt die wissenschaftliche Betreuung durch die fĂŒr die jeweilige Epoche zustĂ€ndigen Sammlungskurator_innen. Der Gesamtbestand an Statuen, Statuetten, BĂŒsten und Reliefs umfasst rund 490 Objekte, davon sind 443 Eigentum des Museums. Nicht im laufenden Projekt aufgenommen sind Medaillen, Plaketten und MĂŒnzen sowie GipsabgĂŒsse.

Von den 443 Skulpturen und Plastiken weisen heute bereits 336 unbedenkliche Provenienzen auf. 107 Objekte, von denen 102 vor 1945 entstanden sind, haben hingegen ungeklÀrte Provenienzen.

Neben AnkĂ€ufen aus dem Kunsthandel, auf Versteigerungen sowie Schenkungen von Privatpersonen oder Unternehmen umfassen die ZugĂ€nge von Skulpturen in die Hamburger Kunsthalle auch Überweisungen von der Kultur- und Baubehörde wĂ€hrend des Nationalsozialismus und nach 1945. Die sehr unterschiedlichen EingĂ€nge der Objekte lassen auf viele verschiedene, individuelle Provenienzen schließen, die es zu untersuchen gilt. Einen besonderen Rechercheaufwand erfordern die Skulpturen, die in Auflage geschaffen oder von denen mehrere, teils spĂ€tere, Kopien angefertigt wurden. In einigen FĂ€llen wird die Erforschung aller Exemplare eines Werkes vonnöten sein, um die Provenienz der Version klĂ€ren zu können, die zum Bestand der Hamburger Kunsthalle zĂ€hlt. In diesem Zusammenhang ist ein Austausch mit Institutionen im In- und Ausland, die im Besitz der weiteren Varianten und Repliken sind, vorgesehen.

ABGESCHLOSSENES FORSCHUNGSPROJEKT

Provenienzforschung im Rahmen des Projekts »Erarbeitung eines Bestandskatalogs der Deutschen Zeichnungen 1800-1850 im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle«

Im Rahmen eines Projekts zur Erarbeitung eines Bestandskatalogs wurde zwischen 2010 und 2013 die Herkunftsgeschichte der ab 1933 erworbenen deutschen Zeichnungen der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts im Bestand des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle wissenschaftlich untersucht. Dieser Bestand, zu dem die Werke der berĂŒhmten Romantiker zĂ€hlen, spielt in der Sammlungsgeschichte der Hamburger Kunsthalle eine herausragende Rolle und ist daher von hoher Relevanz fĂŒr die kulturgeschichtliche IdentitĂ€t des Museums. Das Projekt diente zwei Zielen: Zum einen war auf Grundlage der Washingtoner ErklĂ€rung die RechtmĂ€ĂŸigkeit der Erwerbungen zu prĂŒfen, zum anderen in einem erweiterten Sinn die Herkunftsgeschichte der BlĂ€tter fĂŒr den im Entstehen begriffenen Bestandskatalog dieses Sammlungsteils darzustellen.

AusgewÀhlte Ausstellungen

Alfred Flechtheim.com KunsthÀndler der Avantgarde

Eine WerkprĂ€sentation in 15 Museen und eine Dokumentation im Internet, 13. Okt. 2013–19. Jan. 2014, Saal der Meisterzeichnung
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Der Jesus-Skandal

Ein Liebermann-Bild im Kreuzfeuer der Kritik, 18. Apr. –18. Juni 2010, Saal der Meisterzeichnung
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Parcours: Die RĂŒcken der Bilder

15. Okt. 2004–17. Apr. 2005
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