Forschung

Die Hamburger Kunsthalle ist ein Museum mit einer langen und sehr lebendigen Forschungstradition. Wir wollen Ihnen an dieser Stelle kĂŒnftig Einblicke in unsere Arbeit geben und Ergebnisse der Forschung prĂ€sentieren.

 

Nolde in Hamburg

Der umfangreichen Ausstellung Nolde in Hamburg mit rund 200 Kunstwerken und 80 Dokumenten gingen verschiedene Forschungsschritte voraus: Über bislang unpublizierte Quellen und im Austausch mit anderen Fachleuten und Wissenschaftler_innen konnte der mehrwöchige Arbeitsaufenthalt von Emil Nolde in Hamburg 1910 erstmals genau beschrieben werden. Im virtuellen Zusammenlegen der Archive der Hamburger Kunsthalle und der Nolde Stiftung SeebĂŒll (Cloud) und dank einer engen Kooperation der beiden Institutionen ließ sich das VerhĂ€ltnis Noldes zur Stadt Hamburg, zum Kunsthandel, zu MĂ€zenen, zu privaten und öffentlichen Sammlungen neu erforschen. In diesem Zug wurde auch der 170 Werke umfassende Nolde-Bestand der Hamburger Kunsthalle in allen Objekten und deren Provenienzen geprĂŒft und erstmals vollstĂ€ndig im Katalog zur Ausstellung publiziert.

 

Kunsttechnologische Forschungen an GemÀlden von Philipp Otto Runge an der Hamburger Kunsthalle

Obgleich Runge neben Caspar David Friedrich als zweite SchlĂŒsselfigur der Bildkunst der deutschen Romantik zu betrachten ist, fand sein Schaffen in letzter Zeit weitaus weniger Beachtung als dasjenige seines prominenten Zeitgenossen. Nachdem die Kunst der Romantik auch international in den letzten Jahren eine stĂ€ndig zunehmende WertschĂ€tzung erfahren hat, galt es, eine LĂŒcke zu schließen und Runge in seiner herausragenden Rolle fĂŒr die Kunstentwicklung der Jahre um 1800 ins allgemeine Bewusstsein zu rĂŒcken. 36 GemĂ€lde Philipp Otto Runges sind erhalten, von denen sich 30 in der Hamburger Kunsthalle befinden.

In Vorbereitung der Retrospektive Kosmos Runge. Der Morgen der Romantik wurden in Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftlern und Kunsthistorikern die Hamburger Bilder umfangreich kunsttechnologisch untersucht. Ziel des Projektes war es den maltechnischen Aufbau systematisch zu erfassen und zu vergleichen. Ein Augenmerk galt dem Werkprozess, besonders den Unterzeichnungen im direkten Vergleich zu den Vorzeichnungen, die in großer Zahl im Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle vorliegen. Des Weiteren standen FarbverĂ€nderungen wie sie die HĂŒlsenbeckschen Kinder aufweisen im Fokus der Untersuchungen. Die Philipp Otto Runge-Stiftung ermöglichte die kunsttechnologischen Forschungen.

 

Max Beckmann–Die Stillleben

Max Beckmanns GemĂ€lde Landschaft im SĂŒden mit frutti di mare (Stillleben mit Fischen) in der Hamburger Kunsthalle ist in authentischem, gut erhaltenem Zustand; es musste bislang weder konservatorisch noch restauratorisch behandelt werden. Eine kĂŒrzlich durchgefĂŒhrte Untersuchung mittels Infrarotrelektograie zeigte, dass das im Beckmann–Saal der Kunsthalle ausgestellte, eher zurĂŒckhaltende Bild eine mit bloßem Auge nicht sichtbare Besonderheit aufweist. Diese ist Anlass, Beckmanns kĂŒnstlerisches Vorgehen und seine Arbeitsweise in den Blick zu nehmen.

Katalog

 

Die Altmeisterzeichnungen des Kupferstichkabinetts

Im Jahre 2002 startete das von der ZEIT Stiftung Gerd und Ebelin Bucerius ermöglichte Projekt der Bestandskataloge der Altmeisterzeichnungen im Kupferstichkabinett. 2007 erschien der von Dr. Peter Prange bearbeitete Band »Deutsche Zeichnungen 1450-1800«, 2009 folgte der von Dr. David Klemm bearbeitete Band »Italienische Zeichnungen 1450 1800« und die Reihe wurde 2012 durch den von Dr. Annemarie Stefes bearbeiteten Band »NiederlÀndische Zeichnungen 1450-1850« beschlossen. Seit Januar 2016 sind alle diese Forschungsergebnisse in der »Sammlung online« des Kupferstichkabinetts zugÀnglich.

Im Jahre 2014 konnte mit UnterstĂŒtzung  des Meadows Museums in Dallas (USA), dem Museo Nacional del Prado in Madrid und dem Centro de Estudios Europa HispĂĄnica (CEEH) der von Dr. Jens Hoffmann-Samland u. a. bearbeitete Bestandskatalog der »Spanischen Zeichnungen« in spanischer und englischer Sprache veröffentlicht werden. Auch diese Forschungsergebnisse werden in absehbarer Zeit online zugĂ€nglich sein.

Projektleitung
Dr. Andreas Stolzenburg

 

Das Digitalisierungsprojekt  des Kupferstichkabinett »Sammlung online«

Mit UnterstĂŒtzung der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg startete das Kupferstichkabinett im Juli 2012 die komplette wissenschaftliche Erfassung und Digitalisierung des ca. 130.000 Werke umfassenden Bestandes. Seit Januar 2016 sind 4.000 Altmeisterzeichnungen und 11.000 italienische Druckgraphiken online zugĂ€nglich. Dieses digitale Angebot soll in den kommenden Jahren kontinuierlich ausgebaut werden.

Kupferstichkabinett Online

Projektleitung
Dr. Andreas Stolzenburg

 

Weitere Forschungsprojekte des Kupferstichkabinetts

Dr. David Klemm bearbeitete 2008-2011 ca. 11.0000 italienische Druckgraphiken des Kupferstichkabinett mit UnterstĂŒtzung der Hermann Reemtsma Stiftung. Diese Forschungen sind seit Januar 2016 im Rahmen des Digitalisierungsprojekts »Sammlung online« zugĂ€nglich.

In den Jahren 2009 bis 2012 bearbeitete Dr. Peter Prange mit der UnterstĂŒtzung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die »Deutschen Zeichnungen 1800-1850«. Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit sollen im Online-Katalog des Kupferstichkabinetts veröffentlicht werden.

Im Jahre 2013 bearbeitete Dr. Peter Prange mit der UnterstĂŒtzung der Wolfgang Ratjen Stiftung den Bestand der Zeichnungen Philipp Otto Runges (1777-1810) im Kupferstichkabinett. Auch diese Ergebnisse werden im Online-Katalog zugĂ€nglich gemacht.

Dr. David Klemm widmete sich mit Hilfe der Hermann Reemtsma Stiftung auch den Zeichnungen Stefano della Bellas (1610-1664) im Kupferstichkabinett. Diese Forschungen wurden 2013/14 mit Hilfe einer Ausstellung und dem begleitenden Katalog der Öffentlichkeit vorgestellt.

Projektleitung
Dr. Andreas Stolzenburg