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Neuland: Haegue Yang

Quasi-Pagan Serial

Die in Berlin und Seoul lebende K√ľnstlerin Haegue Yang (*1971) pr√§sentiert in ihrer Einzelausstellung in der Galerie der Gegenwart eine umfangreiche Installation aus 17 Einzelwerken, die gleicherma√üen auf industrielle Entwicklungen wie kunsthandwerkliche, volkst√ľmliche Ph√§nomene verweisen. Moderne und Tradition, industrielle Entwicklung und volkst√ľmliche Herkunft werden in Yangs Werken kommentarlos gegen√ľbergestellt, w√§hrend zugleich vielf√§ltige Arbeitsmethoden, etwa Installationen aus industriell hergestellten Produkten wie Jalousien oder handwerklich gefertigte Skulpturen, zu betrachten sind und eine visuelle Sprache formaler Abstraktion oder erz√§hlerischer Fig√ľrlichkeit in unkonventionellen Arrangements entfaltet wird.

Galerie

Unter dem Titel Quasi-Pagan Serial hat Yang eine dynamische Austellungsinszenierung geschaffen, die auf die von Oskar Mathias Ungers gestaltete Architektur anspielt. Die strenge, an geometrischen Rastern ausgerichtete Struktur des von Unger gestalteten Raumes findet sich in verschiedenster Form in dem seriellen Charakter der ausgestellten Werke wieder. In den beiden raumgreifenden Jalousieinstallationen Sol LeWitt Upside Down, die sich auf das Werk Cube Structure Based on Five Modules (1971-1974) des amerikanischen Konzeptk√ľnstlers Sol LeWitt beziehen, werden Kubus, Quadrat und Serialit√§t als beherrschende Architekturelemente paraphrasiert. Das pr√§gende Motiv des Grids steht mit der unmittelbar am Eingang positionierten Arbeit Sol LeWitt Upside Down in Beziehung, jedoch nicht konform zum Raum, sondern querstehend platziert. Die angeblich neutralen wei√üen Jalousien werden bewusst in einen starken Kontrast zu den durch Folien buntgerasterten Fensterfl√§chen gestellt, deren farbige Lichtreflexe sich je nach Tageslicht in den Skulpturen brechen.

Im Gegensatz zum lichtgefluteten transparenten mittleren Bereich der Ausstellung ist der Raum mit der Serie der Sonic Half Moons (2014/15) √ľberwiegend mit opaken Folien abgedunkelt. Der strengen Geometrie des Raumes werden sechs von der Decke h√§ngende, kugelf√∂rmige Skulpturen beigestellt. Die mit metallischen Schellen √ľbers√§ten Skulpturen k√∂nnen durch manuelle Einwirkung in Bewegung gesetzt werden, sodass die mit Schellen beh√§ngten Ketten hypnotisierende Choreographien aus synchronisierten fangarmartigen Linienformationen bilden, die sich in Licht aufl√∂sen.

Die vier anthropomorphen Strohskulpturen The Intermediates zitieren volkst√ľmliche Motive sowie Rituale oder Tanzformationen aus verschiedenen Regionen wie Afrika, S√ľdamerika, S√ľd- und Ostasien, dennoch wirken sie wie hybride Charaktere. Ironischerweise sind die Skulpturen aus Kunststroh, einem Surrogat f√ľr Natur, gefertigt. Abstrakt und assoziationsgewaltig, wirken sie wie mysteri√∂se Figuren einer fremden Welt ‚Äď unserer Zivilisation.

Spice Moon Cycle (2015) ist eine Serie von Drucken auf Schleifpapier, die aus einer linearen Abfolge von teilweise abgegeschnittenen Kreisen besteht. Ausgangspunkt ist der Mond als zyklisches Naturph√§nomen, das mit 20 verschiedenen Gew√ľrzen visualisiert wurde. Erworben auf lokalen M√§rkten w√§hrend eines artist's residency in Singapur (2012), k√∂nnen die Gew√ľrze als Abbild oder ‚ÄěAbdruck‚Äú des Alltags sowie auch der Kolonialgeschichte Asiens, der konfliktreichen Vergangenheit des Gew√ľrzhandels und dessen globalen Auswirkungen verstanden werden. Quasi MB ‚Äď In the Middle of its Story (2006-2007) bezieht sich auf die legend√§re Arbeit von Marcel Broodthaers La Pluie (1969) und kann als Auseinandersetzung der K√ľnstlerin mit der westlichen Avantgarde gelesen werden. Samples ‚Äď Wai Hung Weaving Factory Limited, Hong Kong (2015) erscheint auf den ersten Blick als eine blo√üe physische Darstellung eines Firmenprodukts. Bestehend aus einer kompletten Sammlung von Musterb√∂gen des Herstellers, wird eine unscheinbare Historie eines lokalen Webfabrikanten in neun Farbkontrastreiche Rahmungen pr√§sentiert, die stark an die √Ąsthetik des italienischen Architekten und Designers Ettore Sottsass (1917-2007) erinnern. Non-Foldings ‚Äď Geometric Tipping #58 (2015) und Rainy Dirty (2012) stammen jeweils aus seriellen Werkgruppen, den Spraypaitings und den Lackbildern. Letztere sind mit schlichtem Holzlack √ľberzogene Wandarbeiten, die die Spuren des Wetters sowie von Staub und Schmutz dokumentieren oder, mit Yangs Worten, als ‚ÄěFliegenf√§nger‚Äú der Umgebung fungieren sollen. Die Non-Foldings sind Schattenbilder von geometrisch gefalteten Papierobjekten, deren vage Schatten die verloren gegangene Gestalt der Objekte lediglich nur erahnen lassen.

Haegue Yang (*1971 in Seoul, S√ľdkorea) nahm 2012 an der documenta 13 in Kassel teil, 2009 vertrat sie S√ľdkorea auf der Biennale in Venedig. Zahlreiche Einzelausstellungen u. a. zuletzt Ullens Center for Contemporary Art, Beijing, China, 2015; Leeum, Samsung Museum of Art, Seoul, S√ľdkorea, 2015; Bergen Kunsthall, Norwegen 2013; Aubette 1928 und Museum f√ľr Moderne und Zeitgen√∂ssische Kunst, Strasbourg, Frankreich, 2013; Haus der Kunst, M√ľnchen, 2012; Kunsthaus Bregenz, √Ėsterreich, 2011; Modern Art Oxford, Oxford, 2011; Aspen Art Museum, USA, 2011; Walker Art Center, Minneapolis, USA, 2009. Weitere Ausstellungen der K√ľnstlerin werden in diesem Jahr im Serralves Museum, Porto und im Centre Pompidou, Paris er√∂ffnet.

Die Pr√§sentation bildet den Auftakt f√ľr das neue Ausstellungsformat Neuland. Im j√§hrlich wechselnden Rhythmus l√§dt das Museum internationale K√ľnstler_innen ein, den neuen Projektraum mit eigens hierf√ľr geschaffenen Werken zu bespielen und sich mit globalen Ver√§nderungsprozessen, mit Fragen von Migration, Identit√§t und Verortung, Verlust und Zugeh√∂rigkeit zu besch√§ftigen. Neuland und ein damit verbundener Ankauf f√ľr die Sammlung der Hamburger Kunsthalle werden erm√∂glicht durch die Stiftung f√ľr die Hamburger Kunstsammlungen.

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