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Feministische Avantgarde der 1970er Jahre

Werke aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien

Mit Werken von mehr als 30 K├╝nstlerinnen zeigt die Hamburger Kunsthalle in einer umfassenden Ausstellung einen ├ťberblick ├╝ber die Anf├Ąnge der internationalen feministischen Kunstbewegung. Anhand von ├╝ber 150 Arbeiten aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien zeigt die Ausstellung, wie K├╝nstlerinnen in den 1970er Jahren zum ersten Mal in der Kunstgeschichte kollektiv ein eigenes ┬╗Bild der Frau┬ź┬ákreieren.

Erstmals ist es den in den Kriegs- und Nachkriegsjahren geborenen K├╝nstlerinnen m├Âglich in nennenswerter Zahl an den Akademien zu studieren und sich damit von der Rolle der Muse und des Modells zu emanzipieren. In ihren Werken stellen sie radikal neue Fragen an die Gesellschaft und den Kunstbetrieb, brechen mit einer m├Ąnnlichen Wirklichkeit. Vor dem Hintergrund von B├╝rgerrechts- und Frauenbewegung werden Anliegen von Frauen erstmals ├Âffentlich diskutiert; das Private wird politisch. Innerhalb k├╝rzester Zeit beginnen Frauen sich in der ├ľffentlichkeit Geh├Âr zu verschaffen, versammeln sich zu Aktionen, halten Demonstrationen ab und organisieren eigene Ausstellungen. In ihren Werken gehen die K├╝nstlerinnen der ┬╗Feministischen Avantgarde┬ź┬áder Frage nach, wie das traditionelle ┬╗Bild der Frau┬ź┬ádie Wahrnehmung der Frau sowie die Konstituierung der eigenen Identit├Ąt in unserer Gesellschaft bestimmt. Dabei stehen Themen wie eindimensionale Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau, weibliche Sexualit├Ąt, der eigene K├Ârper, Sch├Ânheit und Gewalt gegen Frauen im Fokus.

Viele K├╝nstlerinnen eint die Ablehnung stereotyper Rollenbilder. Martha Rosler etwa ├╝berzeichnet die Rolle der f├╝r Heim und Herd verantwortlichen Frau. Birgit J├╝rgenssen h├Ąngte sich f├╝r ihre Arbeit ┬╗Hausfrauen-K├╝chensch├╝rze┬ź┬áeinen Herd wie eine K├╝chensch├╝rze um, bildete mit dieser eine Symbiose. Es ist das Spiel mit der Kamera, die Maskerade und das Kost├╝m als Mittel der Selbstdarstellung, mit denen die K├╝nstlerinnen Vorstellungen von Identit├Ąt und Weiblichkeit als gesellschaftliches Konstrukt hinterfragen. Cindy Sherman, Suzy Lake, Hannah Wilke und Martha Wilson nahmen f├╝r ihre Photographien verschiedenste Rollen ein, untersuchen allt├Ągliche und historische Klischees. ├ähnlich Lynn Hershman-Leeson, die ┬╗Roberta Breitmore┬ź┬áeine fiktive Person kreierte, als welche sie mehre Jahre lebte. Auch Ideale von Sch├Ânheit und Makellosigkeit spielen in den Werken der zuvor Genannten eine wichtige Rolle, ganz gezielt befragt werden sie jedoch in den Werken von Rita Myers und Ewa Partum.

Zahlreiche K├╝nstlerinnen wenden sich ganz bewusst neuen, historisch unbelasteten Medien wie der Photographie, dem Film und dem Video zu, nutzen die Performance und die Aktion als k├╝nstlerisches Ausdrucksmittel. VALIE EXPORT etwa lud auf dem M├╝nchner Stachus Passanten ein, ihr ┬╗Tapp- und Tastkino┬ź┬ázu besuchen, was bedeutete, dass diese ihre H├Ąnde in einen Kasten stecken konnten, den die K├╝nstlerin vor ihrem nackten Oberk├Ârper trug. Oftmals ist es der eigene K├Ârper, der zum Material der Kunst wird. Dabei gingen K├╝nstlerinnen wie Ana Mendieta oder Gina Pane bis an die Grenzen ihrer k├Ârperlicher Belastbarkeit. Humorvoll und ironisch, subtil und provozierend dekonstruieren die K├╝nstlerinnen der ÔÇ×Feministischen AvantgardeÔÇť die traditionelle Ikonographie des Weiblichen.

W├Ąhrend VALIE EXPORT, Cindy Sherman oder Martha Rosler einem breiten Publikum bekannt sind, liegt das Besondere der Ausstellung in der M├Âglichkeit weitere bedeutende, jedoch bislang weniger bekannte Vertreterinnen der ┬╗Feministischen Avantgarde┬ź┬ákennenzulernen und f├╝r sich zu entdecken.

Die SAMMLUNG VERBUND wurde 2004 in Wien von der VERBUND AG gegr├╝ndet, ├ľsterreichs f├╝hrendem Stromerzeuger aus Wasserkraft. Die Ausrichtung der Sammlung liegt auf internationaler zeitgen├Âssischer Kunst von 1970 bis heute. Einen einzigartigen thematischen Sammlungsschwerpunkt bildet die ┬╗Feministische Avantgarde der 1970er Jahre┬ź. Um die Pionierleistung der K├╝nstlerinnen hervorzuheben, hat Gabriele Schor, Direktorin der SAMMLUNG VERBUND, den Begriff der ┬╗Feministischen Avantgarde┬ź┬ágepr├Ągt.

K├╝nstlerinnen: Helena Almeida (*1934, Portugal), Eleanor Antin (*1935, USA), Lynda Benglis (*1941, USA), Renate Bertlmann (*1943, ├ľsterreich), Teresa Burga (*1935, Peru), Lili Dujourie (*1941, Belgien), Mary Beth Edelson (*1933, USA), Renate Eisenegger (*1949, Deutschland), VALIE EXPORT (*1940, ├ľsterreich), Esther Ferrer (*1937, Spanien), Lynn Hershman-Leeson (*1941, USA), Alexis Hunter (1948ÔÇô2014, Neuseeland, England), Sanja Ivekovi─ç (*1949, Kroatien), Birgit J├╝rgenssen (1949ÔÇô2003, ├ľsterreich), Ketty La Rocca (1938ÔÇô1976, Italien), Leslie Labowitz (*1946, USA), Suzanne Lacy (*1945, USA), Suzy Lake (*1947, USA), Karin Mack (*1940, ├ľsterreich), Ana Mendieta (1948ÔÇô1985, Kuba/USA), Rita Myers (*1947, USA), ORLAN (*1947, Frankreich), Gina Pane (1939ÔÇô1990, Frankreich), Ewa Partum (*1945, Polen), Ulrike Rosenbach (*1943, Deutschland), Martha Rosler (*1943, USA), Carolee Schneemann (*1939, USA), Cindy Sherman (*1954, USA), Penny Slinger (*1947, England), Annegret Soltau (*1946, Deutschland), Hannah Wilke (1940ÔÇô1993, USA), Martha Wilson (*1947, USA), Francesca Woodman (1958ÔÇô1981, USA), Nil Yalter (*1938, ├ägypten/Frankreich).

Cindy Sherman (*1954), Untitled (Bus Riders I), 1976/2000

Feministische Avantgarde
Cindy Sherman (*1954), Untitled (Bus Riders I), 1976/2000, S/W-Photographie (aus einer 15-teiligen Serie), ┬ę Cindy Sherman, New York, Courtesy: Metro Pictures, New York / SAMMLUNG VERBUND, Wien