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Meister der Augsburger Malerbildnisse Monogrammist BB, ehemals zugeschrieben
Bildnis eines jungen Mannes,
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Meister der Augsburger Malerbildnisse Monogrammist BB, ehemals zugeschrieben

Bildnis eines jungen Mannes,

Meister der Augsburger Malerbildnisse Monogrammist BB, ehemals zugeschrieben

Bildnis eines jungen Mannes

Beide BlĂ€tter mit nahezu lebensgroßen mĂ€nnlichen Brustbildern zĂ€hlen zu einer Gruppe von 20 zumeist mit „B B“ monogrammierten Zeichnungen in Berlin (12), Kopenhagen (1), Weimar (1) und Danzig (4), die ursprĂŒnglich alle in einer Sammlung vereinigt gewesen sein sollen.(Anm. 1) Die Zeichnungen sind in schwarzer Kreide ausgefĂŒhrt und teilweise mit Rötel, roter Wasserfarbe oder weißer Kreide gehöht, auf zwölf der Zeichnungen ist der Dargestellte unter dem Brustbild mit seinem Namen genannt. Auf den beiden Hamburger BlĂ€ttern fehlt diese Angabe, möglicherweise auch deshalb, weil sie unten beschnitten sind. Ein Teil der namentlich Bezeichneten lĂ€sst sich in den Jahren als Malergeselle oder -meister in Augsburg archivalisch nachweisen, in die auch die Datumsangaben auf ihren Bildnissen fallen. Deshalb besteht heute Einigkeit ĂŒber die Lokalisierung der BlĂ€tter nach Augsburg, wofĂŒr sowohl ihr Stilcharakter als auch die verwendeten Zeichenmaterialien sprechen.
Obwohl mit einer Ausnahme die dokumentarisch fassbaren Dargestellten Maler sind, die um 1500 zumeist als Gesellen in Augsburg tĂ€tig waren, ist die Bestimmung der Folge offen. Feurstein hatte die Portraits als Überreste eines Albums der Augsburger Malergehilfengilde bezeichnet.(Anm. 2) Auch Rott vertrat die Ansicht, dass es sich um ein ehemaliges Atelieralbum oder Bruderschaftsbuch wandernder Gesellen handelt.(Anm. 3) Diese Vermutung ist wegen des fortgeschrittenen Alters einiger der Dargestellten, vor allem aber wegen der MeisterwĂŒrde abzulehnen, die etwa Jörg Lutz 1513, als sein Bildnis entstand, bereits seit drei Jahren besaß.(Anm. 4) Winkler hat die Folge dagegen – und dies trifft die Bestimmung wohl eher – als „persönliches Anliegen eines augsburgischen KĂŒnstlers“ in der Nachfolge von Hans Holbeins d. Ä. Silberstiftzeichnungen mit Bildnissen seiner Augsburger Zeitgenossen bezeichnet.(Anm. 5)
Die beiden Hamburger BlĂ€tter wurden als Werke Barthel Behams inventarisiert, was das Monogramm „B B“ nahelegt, doch hatten bereits Harzen in seinem Inventar und danach von Seidlitz 1885 diese Autorschaft abgelehnt.(Anm. 6) Elfried Bock konnte zudem an einem Blatt in Berlin nachweisen, dass das Monogramm auf der Zeichnung des Jörg Lutz nachtrĂ€glich hinzugefĂŒgt wurde (Anm. 7) – wahrscheinlich in fĂ€lscherischer Absicht, um sie als Werke Barthel Behams ausgeben zu können. Das Monogramm „B B“ wird heute deshalb herangezogen, um dem Meister der BlĂ€tter einen Notnamen zu geben (Anm. 8), doch wĂ€re die hier verwendete Benennung als Meister der Augsburger Malerbildnisse sinnvoller.
Bei den beiden Hamburger Bildnissen fĂ€llt zunĂ€chst auf, dass sie in der zeitlichen Abfolge der BlĂ€tter das erste und das letzte Bildnis sind. Zumindest bei letzterem sind Zweifel erlaubt, ob es ursprĂŒnglich zur Folge gehörte: Das Monogramm „B B“ und die Nummerierung „3“ unten am rechten Rand machen zwar einen mit den anderen BlĂ€ttern gemeinsamen Sammlungszusammenhang wahrscheinlich, doch noch keine gemeinsame Entstehung. Es ist aber vor allem auch der Dargestellte, der mit seinem ĂŒbergroß dimensionierten Kopf in den anderen Bildnissen keine Entsprechung findet und sich auf Grund seiner Kopfbedeckung am ehesten als Gelehrter und nicht als Maler identifizieren lĂ€sst. Buchner hat aus dieser Identifizierung gefolgert, dass das Blatt nur zufĂ€llig in die Folge geriet.(Anm. 9) Dass dies allerdings zu einem relativ frĂŒhen Zeitpunkt geschehen sein muss, belegt die alte, nicht nĂ€her deutbare Beschriftung auf dem Verso, die ebenso auf Inv.-Nr. 22905 vorkommt wie auf verschiedenen BlĂ€ttern in Berlin.(Anm. 10) Auch das Wasserzeichen – eine hohe Krone (Anm. 11) – kommt so auf den anderen BlĂ€ttern nicht vor, die aus verschiedenen, aber zeitlich sich nahestehenden MĂŒhlen stammen. Es ist deshalb davon auszugehen, dass das Hamburger Blatt nicht von Beginn an fĂŒr die Gruppe der Malerbildnisse vorgesehen war, sondern erst durch die nachtrĂ€glichen Angleichungen in diese aufgenommen wurde. Die UnregelmĂ€ĂŸigkeiten in der Konzeption, wozu auch die die Hamburger BlĂ€tter nicht betreffende unterschiedliche Verfahrensweise bei den Beschriftungen auf den anderen BlĂ€ttern gehört, taugen allerdings auch nicht als Unterscheidungsmerkmal, um die Zeichnungen verschiedenen KĂŒnstlern zuweisen zu können.
Winklers Versuch, die Gruppe dem jungen Leonhard Beck zuzuschreiben, blieb nicht ohne Widerspruch – vor allem aus stilistischen GrĂŒnden, aber auch weil die Zuweisung aller Zeichnungen an eine KĂŒnstlerpersönlichkeit strittig war. Bereits Feurstein hatte die Urheberschaft eines einzigen KĂŒnstlers bestritten.(Anm. 12) Darin gefolgt sind ihm Karl Feuchtmayr, der mindestens zwei Meister unterschied (Anm. 13), und Ludwig Baldass, der schließlich sechs HĂ€nde unterschied. Als mögliche Meister nannte er Ulrich Apt d. Ä. und Ulrich Apt d. J., schließlich fĂŒr je zwei Bildnisse Leonhard Beck und Hans Burgkmair (Anm. 14), ohne jedoch die Hamburger Bildnisse zu berĂŒcksichtigen, obwohl Seydlitz bereits 1885 auf den Zusammenhang zwischen den Portraits in Hamburg und Berlin hingewiesen hatte. Buchner hat danach fĂŒr Inv.-Nr. 22905 unter Verweis auf das Portrait der Ursula Burgkmair von Hans Burgkmair im Louvre Burgkmair selbst als Autor vorgeschlagen (Anm. 15), wĂ€hrend er vom vorliegenden Blatt annimmt, dass es nur zufĂ€llig, wenn auch frĂŒh in die Folge geriet. Zuletzt hat Falk (Anm. 16) die grĂ¶ĂŸte Zahl der BlĂ€tter als „stilistically congruous“ bezeichnet und wie BĂžgh Rasmussen deren Entstehung in Augsburg durch einen jĂŒngeren Meister im Umfeld Holbeins bzw. Burgkmairs angenommen. JĂŒngst hat sich Guido Messling dieser Meinung angeschlossen und Winklers Zuschreibung an Beck zu Recht abgelehnt, dabei auf die stilistische Unvereinbarkeit mit seinen beiden zeitgleich anzusetzenden BlĂ€ttern im University College London hinweisend.(Anm. 17) Auch die beiden Hamburger BlĂ€tter lassen sich trotz Unterschiede in der Technik und der Bildauffassung diesem Augsburger Meister zuschreiben. Die intensive Verwendung der schwarzen Kreide auf dem frĂŒheren Bildnis hebt den Kopf vom Grund plastischer ab als auf dem spĂ€teren Bildnis, doch bleibt der ausgeprĂ€gte Kontur Bestandteil der kĂŒnstlerischen Handschrift. Auch in Details bestehen Übereinstimmungen, die auf eine Hand schließen lassen: Der Gebrauch des Rötels auf dem frĂŒheren Bildnis erfolgt nicht in einem formumschreibenden Sinne, sondern dient – worauf Messling hingewiesen hat (Anm. 18) – „der Hervorhebung mehr oder weniger flĂ€chiger Areale des Inkarnats.“ Den Lippen, dem NasenflĂŒgel und -rĂŒcken liegen Reihen kurzer, parallel gesetzter Striche auf, die allerdings kaum den Rundungen des Gesichts folgen. Diese Strichlagen sind auch auf dem spĂ€teren Bildnis noch in Ă€hnlicher Funktion erkennbar – vor allem an den Lippen, aber auch die HĂ€rchen der Augenlieder werden nach dem gleichen Schema gebildet.

Peter Prange

1 Nach einer Notiz des Sammlers Bernhard Hausmann, Hannover, der fĂŒnf der Berliner BlĂ€tter besaß, sollen alle zwanzig BlĂ€tter 1812 in Leipzig versteigert worden sein, doch lassen sich nach derzeitigem Stand nur fĂŒnf Zeichnungen nachweisen, die 1812 versteigert wurden, vgl. Kat. Kopenhagen 2000, S. 69, Anm. 5.
2 Heinrich Feurstein: Die Handzeichnungen des sog. Meisters B B im Berliner Kupferstichkabinett, in: Berliner Museen. Berichte aus den preussischen Kunstsammlungen XLI­II, Heft 7/8, 1922, S. 69, Anm. 2.
3 Vgl. Hans Rott: Quellen und Forschungen zur SĂŒdwestdeutschen und Schweizerischen Kunstgeschichte im XV. und XVI. Jahrhundert. I. Bodenseegebiet, Text, Stuttgart 1933, S. 149–150.
4 Darauf hat Messling 2006, S. 264 hingewiesen.
5 Winkler 1948, S. 14.
6 Seidlitz 1885, S. 313.
7 Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, KdZ 2020, vgl. Kat. Berlin 1921, S. 67.
8 So erst jĂŒngst wieder Till-Holger Borchert: DĂŒrer and his time. German prints and drawings c. 1420–1575 from the collection of Museum Boijmans Van Beuningen, Ausst.-Kat. Maastricht 2000, S. 254, Nr. 32, Abb. Die dort auf­ Grund des Monogramms „B B“ fĂŒr den Monogrammisten B B in Anspruch genommene Kopie nach DĂŒrers junger Venezianerin gehört zwar nicht zur Gruppe, scheint aber – auch auf Grund der Technik rote Kreide – in Augsburg entstanden zu sein.
9 Buchner 1950, S. 321.
10 Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, KdZ 331 (Ă€hnlich), 332, 333, 334 (Ă€hnlich), 335 (Ă€hnlich), 1035, 2016 (Ă€hnlich), 2017, 2019 (Ă€hnlich) und 2020 (Ă€hnlich), vgl. Kat. Berlin 1921, S. 67.
11 Die von Messling 2006, S. 272, Anm. 69 vertretene Annahme, das Wasserzeichen sei bei Briquet und Piccard nicht vorhanden, ist unzutreffend; es entspricht genau Briquet 4921 (Augsburg 1500).
12 Feurstein (Anm. 2), S. 69.
13 Karl Feuchtmayr: Apt-Studien, in: Hans Buchner, Karl Feuchtmayr (Hrsg.): BeitrÀge zur Geschichte der deutschen Kunst, Bd. II, Augsburg 1928, S. 132, Anm. 1.
14 Ludwig Baldass: Studien zur Augsburger PortrĂ€tmalerei des 16. Jahrhunderts. I. Bildnisse aus der KĂŒnstlerfamilie Apt, in: Pantheon. Monatsschrift fĂŒr Freunde und Sammler der Kunst IV, 1929, S. 400–401; ders.: Studien zur Augsburger PortrĂ€tmalerei des 16. Jahrhunderts. II. Bildnisse von Leonhard Beck, in: Ebd., VI, 1930, S. 402.
15 Paris, Louvre, Cabinet des dessins, Inv.-Nr. 18.536, vgl. Buchner 1950, S. 321. Vgl. auch Kat. Paris 1937, S. 15, Nr. 79, Taf. XXI.
16 Tilman Falk: Monogrammist BB, in: DA 20, 1996, S. 791.
17 Messling 2006, S. 280–281.
18 Ebd., S. 274.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Unten rechts monogrammiert: "BB" (schwarze Kreide), rechts daneben nummeriert: "3" (Feder in Braun); auf dem Verso oben alte Paraphe? (Feder in Braun), unten in der Mitte: "BB" (Feder in Braun), oberhalb davon bezeichnet: "Barthel Beham" (Bleistift)

Provenienz

Carl Heinrich von Heinecken (1706-1791), Dresden; Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (L. 1244) Ad: 01: 04, fol. 142: "Unbekannt bez. B.B. 1481 Desgleichen [bezieht sich auf Inv.22905] eines Mannes in mittleren Jahren, lebensgroß, in dreiviertel Ansicht mit lang herabwallendem reichen Haarwuchs, eine Calotte tragend {Dieselb} Bez B.B. Kreide Röthel und Pastellf. Trefflicher Kopf. Höchst sicher und lebendig mit holbeinscher Zartheit fein nĂŒanciert; [EinfĂŒgung Harzen mit F] im Colorit warm und kraftvoll; Haar und Bekleidung flĂŒchtig behandelt. 7.4, 11.0.
Beide BlĂ€tter aus von Heinekens Sammlung stammend, werden dem Barthel Behaim zugeschrieben, welches aber weder mit der strengen Manier {noch der} und Jahreszahl des ersteren, noch mit der Vollkommenheit des Letzteren im Vergleich zu Behaims Bildern {..} vertrĂ€glich ist."; und Ad: 02: 01, S. 239; Legat Harzen 1863 an die „StĂ€dtische Gallerie“ Hamburg; 1868 der Stadt ĂŒbereignet fĂŒr die 1869 eröffnete Kunsthalle

Bibliographie

Peter Prange: Deutsche Zeichnungen 1450-1800. Katalog, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 1, Köln u.a. 2007, S.237-239, Nr.576

Guido Messling: Der Augsburger Maler und Zeichner Leonhard Beck und sein Umkreis. Studien zur Augsburger Tafelmalerei und Zeichnung des frĂŒhen 16. Jahrhunderts, Dresden 2006, S.266-267, 356, Nr.C 30

Mikael BĂžgh Rasmussen: German Drawings before 1540, Kopenhagen 2000, S.69, Anm. 5, Nr.bei Nr. 24

Von DĂŒrer bis Baselitz. Deutsche Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle 1989, S.46-47, Abb., Nr.18

Ernst Buchner: Rezension von: Meister mit Notnamen und Monogrammisten. Allgemeines Lexikon der bildenden KĂŒnstler von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. v. Ulrich Thieme/Felix Becker, Bd. 50, Leipzig 1950, in: Zeitschrift fĂŒr Kunst IV, 1950, S. 308-322, S.321

N. N.: Monogrammist B B, in: Allgemeines Lexikon der bildenden KĂŒnstler von der Antike bis zur Gegenwart, hrsg. von Ulrich Thieme/Felix Becker, Bd. 50, Leipzig 1950, S. 378, S.378

Friedrich Winkler: Augsburger Malerbildnisse der DĂŒrerzeit, Berlin 1948, S.30, Nr.20, Abb.

Woldemar von Seidlitz: Barthel Beham, in: Allgemeines KĂŒnstlerlexikon, hrsg. von Julius Meyer, Bd. 3, Leipzig 1885, S. 313, S.313