Max Liebermann
Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879
Zurück Bildinfos ➕ 🗖

Max Liebermann

Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879

Max Liebermann

Der zwölfjährige Jesus im Tempel, 1879
Das Gemälde, das den Jesusknaben in einer dunklen Synagoge umringt von Schriftgelehrten in ärmlicher jüdischer Tracht zeigt, löste auf der Internationalen Kunstausstellung 1879 in München einen deutschlandweiten Skandal aus. Vor allem die naturalistische Schilderung von Jesus als barfüßigem Jungen mit schwarzen Locken wurde als Verunglimpfung der christlichen Religion durch einen jüdischen Maler empfunden. Kirchliche Kreise ebenso wie die etablierte Kunstkritik unterstellten Liebermann eine bewusste Provokation. Mit seiner Übertragung eines der beliebtesten Sujets der christlichen Kunst in die Gegenwart habe er aus dem Sohn Gottes einen schmutzigen „naseweisen Juden-Jungen“ gemacht (Friedrich Pecht) und „die Scene in eine echt polnisch kleinstädtische Synagoge“ verlegt (Ludwig Pietsch). Die von antijüdischen Ressentiments genährte öffentliche Empörung war so groß, dass sich sogar der Bayerische Landtag mit dem Bild beschäftigte und die weitere finanzielle Unterstützung von Kunstausstellungen in Frage stellte. Tief getroffen zog sich Liebermann von München nach Dachau zurück und reagierte auf die massive Kritik mit einer weitgehenden Überarbeitung des Jesusknaben. Jenns Howoldt

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Signiert unten rechts: M. Liebermañ

Provenienz

Max Liebermann (1847-1935), Berlin, 1879-1883 (1); Fritz von Uhde (####-####), München, 1883-1911 (2); Kunsthandlung Eduard Schulte, Berlin, 1911 (3); Ankauf dort durch die Hamburger Kunsthalle, 1911 - 1941 (4); Abgeben im Tausch der Gemälde Max Liebermanns "Christus im Tempel (E-1586, heute HK5424), "Wagen an den Dünen" (Inv. Nr. E-1588), "Beim Tischgebet" (Inv. Nr. E-1581) und "Polospieler" (Inv. Nr. E-1589) (Wert aller Werke zusammen 14.000,00 RM) sowie dem Gemälde "Florenz" von Oskar Kokoschka (Inv. Nr. 2387, Wert 4.000,00 RM) zum Ankauf von dem Gemälde "Landschaft mit Heuschober" von Leopold Kalckreuth (Inv. Nr. 2763, Wert: 4.000,00 RM) und dem Gemälde von Hans Thoma "Landschaft mit Regenbogen (Inv. Nr. E-2762, Wert 16.000,00 RM) an und von Kunstkabinett Dr. Hildebrand Gurlitt, Hamburg, 6.3.1941 (5); Slg. Georg Glaubitz, Hamburg, 1941 - 1979 (6); Erben der Slg. Georg Glaubitz, Hamburg, 1979-1983 (7); Slg. Eleonore Glaubitz, Trossingen/Freiburg i.Br., 1983-1989 (8); Leihgabe von dieser an die Hamburger Kunsthalle, 1979-1989 (9); dort erworben mit Mitteln der Campe'schen Historischen Kunststiftung und der Kulturstiftung der Länder, 1989 (10)

1)
2)
3)
4)
5) HAHK: Rechnungsbelege 1941, 601, 29.10.1941; Kartothek der ausgeschiedenen und getauschten Bilder
6)
7)
8)
9)
10)