Lucas Cranach d. Ä., Zeichner, Werkstatt
Hirschjagd, 1540 - 1550
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Lucas Cranach d. Ä., Zeichner, Werkstatt

Hirschjagd, 1540 - 1550

Lucas Cranach d. Ä., Zeichner, Werkstatt

Hirschjagd, 1540 - 1550

Das Blatt war in der Sammlung Lanna Hans Baldung Grien (1484-1545) zugeordnet, wurde nach dem Ankauf aber zunächst als Arbeit des Augustin Hirschvogel (1503–1553) inventarisiert, bis es 1949 von Stubbe nachträglich im Inventar der Cranach-Schule zugewiesen wurde. Rosenberg hat 1960 einem Hinweis von Edmund Schilling folgend das Blatt einer Gruppe von ähnlichen Jagddarstellungen im Louvre zugeordnet (Anm. 1), die er für Werkstattarbeiten hielt. Zwei der Blätter in Paris sind oben in der Mitte nummeriert (9 und 14), bei einem anderen ist die Nummer – wahrscheinlich 10 – angeschnitten. Auch das Hamburger Blatt könnte oben rechts von der Mitte nummeriert gewesen sein – möglicherweise als Nummer 11 –, weshalb es ebenfalls zu der aus mindestens 14 Blättern bestehenden Jagdfolge gehört.
Dargestellt ist in der Folge die fürstliche Jagd von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen und Kaiser Karl V. zusammen mit ihrem Gefolge, zu dem auch Karls Bruder Ferdinand und Friedrichs Frau Sibylle von Kleve gehörten. Wie einer Beschriftung auf dem Verso eines Blattes in Paris zu entnehmen ist, stammen drei der vier Blätter aus einem Buch mit 27 Federzeichnungen von Cranach, das sich ehemals im Besitz des Lord von Arundel befand.(Anm. 2) Ob auch das Hamburger Blatt zu diesem Buch gehörte oder ob die Folge bereits zu einem früheren Zeitpunkt auf verschiedene Besitzer verteilt war, lässt sich allerdings nicht mehr feststellen.
Schoch hat auf Grund der weitgehenden Ähnlichkeit in der Auffassung von Vegetation – vor allem bei den Rasenstücken und dem Baumschlag – und Figuren dem unbekannten Meister der Cranach-Schule noch ein weiteres Blatt in Nürnberg zugeschrieben (Anm. 3), das ihn als „unverwechselbare Individualität“ aus der späteren Cranach-Werkstatt hervortreten lasse.

Peter Prange

1 Paris, Louvre, Cabinet des dessins, Inv.-Nrn. 18.717–18.720, vgl. Loius Demonts: Musée du Louvre. Inventaire Général des dessins des Écoles du nord. Écoles allemande et suisse, Paris 1937, S. 19, Nrn. 94–97, Taf. XXXI und XXXII.
2 Vgl. ebd., S. 19, Nr. 96.
3 Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. Hz 4780, Kapsel 564 a.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Auf dem Verso in der Mitte nummeriert: "1603" (Bleistift); unten links Stempel der Sammlung Lanna (L. 2773)

Wasserzeichen / Kettenlinien

Adler ohne Beizeichen, ähnlich Briquet 113 (Kempten 1545)

Provenienz

Adalbert von Lanna (1836-1909), Prag (L. 2773); dessen Nachlaß-Auktion 1910 bei Gutekunst, Stuttgart; erworben 1918 von der Kunsthandlung Jacques Rosenthal, München

Bibliographie

Peter Prange: Deutsche Zeichnungen 1450-1800. Katalog, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 1, Köln u.a. 2007, S.110-111, Nr.117

Rainer Schoch: Meister der Zeichnung. Zeichnungen und Aquarelle aus der Graphischen Sammlung des Germanischen Nationalmuseums, hrsg. von Gerhard Bott, Nürnberg 1992, S.98, Nr.bei Nr. 35, Abb.

Heinrich Geissler: Zeichnung in Deutschland. Deutsche Zeichner 1540-1640, Bd. 1, Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart 1979, S.15-18, Nr.A 16, Abb.16

Jakob Rosenberg: Die Zeichnungen Lucas Cranach d. Ä., Berlin 1960, S.39, Nr.bei Nr. A 25

Albrecht Dürer. Sonderausstellung der Freunde der Kunsthalle e. V. Hamburg, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle 1936, Nr.28

Ausstellung von Zeichnungen Alter Meister aus den Sammlungen der Kunsthalle zu Hamburg, Ausst.-Kat. Kunstverein in Hamburg 1920, S.15, Nr.80

Jahresbericht der Kunsthalle zu Hamburg für 1918, Hamburg 1919, S.11, Abb.7

Katalog der berühmten Sammlung des Herrn Barons Adalbert von Lanna in Prag. 2. Teil. Handzeichnungen alter Meister und Kupferstiche, 6.-11.5.1910, H. G. Gutekunst, Stuttgart 1910, S.8, Nr.67