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Johann Christoph Erhard
Der Ponte Salara, 1820
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Johann Christoph Erhard

Der Ponte Salara, 1820

Johann Christoph Erhard

Der Ponte Salara, 1820

Der Ponte Salario, mit dem der Aniene auf der Via Salaria ĂŒberquert wird, gehört Ă€hnlich wie der Ponte Nomentana zu den bevorzugten Motiven der in Rom tĂ€tigen nordischen KĂŒnstler. Erhard hat die BrĂŒcke wiederholt dargestellt, insgesamt sind neben der Hamburger Ansicht vier weitere BlĂ€tter mit der Darstellung der Ponte Salario bekannt (vgl. Inv.-Nr. 23208). In der Bildanlage gleicht das Hamburger Blatt vor allem einer Ansicht grĂ¶ĂŸeren Formats in Oxford (Anm. 1), die die BrĂŒcke von der anderen Seite zeigt.
Eine Kopie von Johann Adam Klein nach Erhards Blatt befindet sich in NĂŒrnberg.(Anm. 2) Zu den UmstĂ€nden ihrer Entstehung vgl. Inv.-Nr. 23244.

Peter Prange

1 Ponte Salario, Bleistift, 224 x 341 mm, Oxford, Askmolean Museum, vgl. Bailey 1987, S. 23-24, Nr. 22, Abb.
2 Johann Adam Klein, Ponte Salario, Bleistift auf Transparentpapier, 134 x 271 mm, NĂŒrnberg, Museen der Stadt, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 9963 (beschnitten).

Die BlĂ€tter mit Landschaftsstudien aus Rom und der Campagna zĂ€hlen zu einer Gruppe von 24 Zeichnungen, die laut Harzen aus einem 1820 gefĂŒhrten Skizzenbuch stammen.(Anm. 1) Es weist zwar dieselben Maße von ca. 121/126 x 175/181 mm und dasselbe Papier wie das Skizzenbuch mit den Figurenstudien auf, doch lĂ€sst sich daraus nicht der Schluss ziehen, es handle sich um ein gemeinsames Skizzenbuch fĂŒr Figuren- und Landschaftsstudien. Zwar befinden sich auf einigen Versoseiten des Figurenskizzenbuches Pflanzenstudien und topographische Ansichten (Inv.-Nr. 23085 v, 23100 v, und 23114 v sowie Inv.-Nr. 23086 v-23088 v, 23096 v, 23109 v und 23121 v), von denen Inv.-Nr. 23109 v sogar eine Vorstudie zu Inv.-Nr. 23218 v darstellt, doch dĂŒrfte es sich wahrscheinlich um ein anderes, parallel gefĂŒhrtes, mit Landschafts- und topographischen Studien aus Rom und der Umgebung gefĂŒlltes Skizzenbuch gehandelt haben. Diese Annahme bestĂ€tigt auch der Befund der wenigen sichtbaren Wasserzeichen: Nur einmal ist ein Wasserzeichen auf den BlĂ€tter des Figurenskizzenbuches nachzuweisen (Inv.-Nr. 23095), das allerdings nicht erkennbar ist, doch möglicherweise eine Lilie darstellt, wĂ€hrend sich fĂŒr das Landschaftsskizzenbuch auf zwei BlĂ€tter als Wasserzeichen wohl ein Schild mit einem einbeschriebenen Posthorn nachweisen lĂ€sst (Inv.-Nr. 23218 und 23224).
Von den insgesamt 24 von Harzen aufgelisteten BlĂ€ttern lassen sich 14 sicher im Bestand der Hamburger Kunsthalle nachweisen, zwei weitere aus diesem Konvolut stammende BlĂ€tter befinden sich in Berlin (Anm. 2) und in Leipzig.(Anm. 3) Den Maßen, der Technik und den Darstellungen nach dĂŒrften auch Inv.-Nr. 23219 und Inv.-Nr. 23221 ehemals zu dem Skizzenbuch gehört haben, die möglicherweise mit einer von Harzen aufgefĂŒhrten Tiberlandschaft sowie einer Campagnalandschaft mit dem Teverone (Aniene) und der Via Nomentana identisch sind. Inv.-Nr. 23224 weist ebenfalls dieselben Maße auf und trĂ€gt dasselbe Wasserzeichen wie Inv.-Nr. 23218, gehörte also ebenfalls zu dem Skizzenbuch, doch wird das Blatt von Harzen nicht aufgelistet. Nicht zugeordnet werden können folgende fĂŒnf in Harzens Inventar aufgefĂŒhrte BlĂ€tter: „St. Peter und der Vatika von Arco Scuro aus gesehen Ÿ; Parthie am Aventiner Berge Kehrseite zwey Capaunen in freiem Felde. 3/2; dergleichen [Campagnalandschaft] mit einer Tenuta 4/2; Ruine Rom bey S. Maria Maggiore; StĂ€mme von Cypressen. Ebenso [ĂŒberhöht] 7/1“
Auch Inv.-Nr. 1915-60, 23231 und 23243 könnten aufgrund der Maße, Technik und dargestelltem Gegenstand zu dem Skizzenbuch gehört haben, doch werden die drei BlĂ€tter von Harzen gesondert aufgefĂŒhrt (vgl. dort die Angaben in der Provenienz). Dem dargestellten Gegenstand, den Maßen und der Technik dĂŒrfte auch Inv.-Nr. 35709 zu diesem Skizzenbuch gehört haben, doch wird das aus dem Besitz des Hamburger Kunstvereins stammende Blatt nicht in Harzens Inventar erwĂ€hnt. Aufgrund der Maße könnten auch Inv.-Nr. 43935 und 43950 ehemals Bestandteil dieses Skizzenbuchs gewesen sein, doch lĂ€sst das als Aquarell ausgefĂŒhrte Blatt Inv.-Nr. 43935 eher ein Einzelblatt vermuten, wĂ€hrend bei Inv.-Nr. 43950 Erhards Autorschaft nicht als gesichert gelten kann. Weitere bei GĂ€rtner aufgefĂŒhrte BlĂ€tter könnten ebenfalls zu diesem Landschaftsskizzenbuch gehört haben: Eine Ansicht von SS. Giovanni e Paolo in Dresden (Anm. 4) und eine Campagnalandschaft mit GebĂ€uden in Berlin (Anm. 5), der allerdings die zeichnerische PrĂ€gnanz der anderen BlĂ€tter fehlt. Hingegen gehört Inv.-Nr. 1915-56 trotz ĂŒbereinstimmender Maße aufgrund des braunen Papiers nicht zum Skizzenbuch.
Die Zuordnung der letztgenannten BlĂ€tter muss auch aufgrund von leichten Formatabweichungen hypothetisch bleiben, auch erscheint es wahrscheinlicher, dass Erhard mehrere SkizzenbĂŒcher gleichen Formats fĂŒhrte, doch ist auffallend, dass Erhard in Rom zunĂ€chst kleinere Formate bevorzugte, die nur selten das Maß von 300 Millimeter in Breite ĂŒberschreiten, wĂ€hrend er 1821 in Olevano zu grĂ¶ĂŸeren Formaten greift. Ob sich fĂŒr die grĂ¶ĂŸeren Formate mit römischen Motiven deshalb eine Ă€hnliche, spĂ€te Datierung erst 1821 ergibt, wĂ€re noch zu untersuchen.
1 Archiv der Hamburger Kunsthalle, Nachlass Harzen, Inventar Ad: 01: 20, Fol. 696-697.
2 Der Tiberstrom, Bleistift, 123 x 178 mm, Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. SZ 69, vgl. Marleen GĂ€rtner: Johann Christoph Erhard (1795-1822). Sein Leben und seine Zeichnungen, Marburg 2013, S. 298, Nr. 432. Vgl. Harzens Eintrag, fol. 697: „der Tiberstrom mit Ponte quattro capi in Perspektive della longara 3/3“.
3 Landschaft mit römischer Wasserleitung von der Porta San Giovanni, Bleistift, 120 x 172 mm, Leipzig, Museum der bildenden KĂŒnste, Inv.-Nr. NI 601, vgl. GĂ€rtner 2012, S. 307, Nr. 477.
4 SS. Giovanni e Paolo, Bleistift, 120 x 178 mm, Dresden, Staatliche Kunstsammlungen, Kupferstich-Kabinett, Inv.-Nr. C 1908-101, vgl. GĂ€rtner 2012, S. 296, Nr. 424.
5 Campagnalandschaft mit GebÀuden, Bleistift, 118 x 183 mm, Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. SZ 33, vgl. GÀrtner 2012, S. 301, Nr. 450, Abb. 45.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Oben rechts bezeichnet: "Ponte Salara." (Bleistift)

Verso

Titel verso: Baumstudie

Technik verso: Bleistift

Provenienz

Nachlass des KĂŒnstlers, Rom, 1822; Johann Benjamin Erhard d. J., NĂŒrnberg (Bruder des KĂŒnstlers); von dort erworben durch Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (Lugt 1244); dessen Legat 1863 an die Stadt Hamburg fĂŒr ein zukĂŒnftiges Museum, 1869 der neu eröffneten Kunsthalle ĂŒbergeben (Archiv der Hamburger Kunsthalle, Nachlass Harzen, Inventar Ad: 01: 20, Fol. 696: "die Salarische BrĂŒcke Ponte Salara. Auf der RĂŒckseite ein Baum.")

Bibliographie

Marleen GĂ€rtner: Johann Christoph Erhard (1795-1822). Sein Leben und seine Zeichnungen, Marburg 2013 (sic; 2012), S.305, Nr.467

Colin J. Bailey: German nineteenth-century drawings. Catalogue of the collection of drawings in the Ashmolean Museum Oxfod, Bd. 5, Oxford 1987, S.24, Nr.bei Nr. 22

Wolf Stubbe: Italienreise um 1800. Aquarelle und Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle 1958, S.17, Nr.72b