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Anonym (niederlÀndisch), (?)
Amor und Psyche,
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Anonym (niederlÀndisch), (?)

Amor und Psyche,

Anonym (niederlÀndisch), (?)

Amor und Psyche

Auf einer Wolke inmitten palastartiger Architektur sitzen Amor und Psyche. Ihr vertrautes Beieinander setzt das glĂŒckliche Ende der Liebesgeschichte voraus, denn zuvor durften die Liebenden einander lediglich bei Nacht begegnen.(Anm.1) Bei dem in nachdenklicher Pose dargestellten MĂ€dchen im rechten Hintergrund könnte es sich im erzĂ€hlerischen RĂŒckgriff um die einsame, in ihrem Palast auf Amor wartende Psyche handeln. Die Szene im linken Hintergrund, durch Psyches Gestus in besonderer Weise hervorgehoben, variiert die Botschaft der ErzĂ€hlung: Die beiden MĂ€nner bei einer Rinderherde sind wohl gleichzusetzen mit Merkur und Battus, und damit als weitere Anspielung auf die fatalen Folgen menschlichen Ungehorsams zu verstehen.(Anm.2)
Stilistisch lĂ€sst sich die Zeichnung in die Zeit um 1700 einordnen. Rahmenarchitektur und Figurenwiedergabe folgen klassizistischen Prinzipien, wie sie in dieser Zeit von Gerard de Lairesse, Arnold Houbraken und Adriaen van der Werff formuliert worden sind. Die zeichnerischen Besonderheiten – vorsichtige, bisweilen etwas unsicher anmutende Umrisslinien, getupfte Binnenkonturen und flĂ€chige Modellierung – weisen hingegen auf die Hand eines unausgereiften oder zweitklassigen KĂŒnstlers. Möglicherweise handelt es sich nicht um eine eigene Invention, sondern um die Kopie nach bislang nicht identifizierter Vorlage.

Annemarie Stefes

1 FĂŒr die Legende von Amor und Psyche vgl. Apuleius, Asinus Aureus, um 170 n. Chr., IV 28-VI 25. Vielleicht bezieht sich die rĂŒckseitige Beischrift „Spranger“ als thematischer Verweis auf dessen von Goltzius gestochene „Hochzeit von Amor und Psyche“, vgl. H. 322.
2 Psyche betrachtete ihren schlafenden Geliebten entgegen der Anweisung bei Lampenschein und wurde daraufhin von ihm verlassen und von den Göttern bestraft. Der Greis Battus brach bei Aussicht auf grĂ¶ĂŸere Belohnung ein Schweigegelöbnis und verriet dem verkleideten Merkur das Versteck einer gestohlenen Rinderherde, woraufhin er von Merkur in einen Schieferstein verwandelt wurde, vgl. Ovid, Metamorphosen 2, 676–707

Details zu diesem Werk

Beschriftung

verso unten links L. 577, daneben bezeichnet: "Spranger / bf [oder 6f]" (Bleistift); unten Mitte L. 1233

Wasserzeichen / Kettenlinien

-
ca. 32 mm (v)

Provenienz

Josef Carl von Klinkosch (1822-1888), Wien (L. 577); alter Bestand (Inventar Bd. VIII, 1928-31, S. 29, Herkunft "nicht feststellbar")

Bibliographie

Stefes, Annemarie: NiederlĂ€ndische Zeichnungen 1450-1850. Katalog II van Musscher - Zegelaar, hrsg. von Gaßner, Hubertus und Stolzenburg, Andreas, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 3, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2011, S.678-679, Nr.1300