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Anonym (italienisch?, 16. Jh.)
Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen,
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Anonym (italienisch?, 16. Jh.)

Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen,

Anonym (italienisch?, 16. Jh.)

Das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen

Die Darstellung zeigt die bei Matthäus 25, 1–13 geschilderte Parabel von den klugen und törichten Jungfrauen. Erkennbar sind links fünf kluge Jungfrauen, die mit brennenden Lampen die Ankunft des Bräutigams erwarten.(Anm.1) Zwei von ihnen steigen bereits die Treppe zum Paradies hinauf, in dem sie von Christus erwartet werden. Rechts reagieren die törichten Jungfrauen mit Trauer und Verzweiflung darauf, dass sie ihre Lampen nicht mit dem rechten Öl gefüllt hatten. Die in der Szene enthaltene Mahnung stets wachsam auf das Jüngste Gericht vorbereitet zu sein, fand vor allem im Mittelalter eine reiche bildnerische Umsetzung. In der nachreformatorischen Zeit erfreute sich das Thema in Frankreich und den Niederlanden als Sittenbild einiger Beachtung, in Italien scheint es jedoch selten gewesen zu sein. Vor diesem Hintergrund ist die Zuordnung des bislang unter den anonymen italienischen Zeichnungen eingeordneten Blattes problematisch; am ehesten wäre ein Künstler aus dem östlichen Oberitalien denkbar. Hugo Chapman hält eine Herkunft aus Italien generell für unwahrscheinlich.(Anm.2) In der ganzen Ausprägung weist das Blatt viel stärker nach Süddeutschland. Dieter Graf schlug 2000 unter Vorbehalt Matthias Kager (1575–1634) vor,(Anm.3) eine Ansicht, die Peter Prange mit dem Hinweis auf den recht knittrigen Zeichenstil und die wenig voluminöse Körperlichkeit der Figuren bezweifelt.(Anm.4) Dennoch hält auch er eine Entstehung im süddeutschen Raum für denkbar. Mangels einer überzeugenden, konkreten Zuordnung zu diesem Kunstkreis bleibt die bisherige Einordnung bei den anonymen Italienern – allerdings mit großem Vorbehalt – bestehen.

David Klemm

1 Lexikon der Christlichen Ikonographie, hrsg. v. Engelbert Kirschbaum u. a., 8 Bde., Rom, Wien, Freiburg, Basel 1968-1976, II, Sp. 458–463.
2 Mündliche Mitteilung auf der Grundlage einer Digitalphotographie, 18. 1. 2007.
3 Kartonnotiz.
4 Mündliche Mitteilung, Januar 2007.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Auf dem Verso oben: Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1233); unten in der Mitte Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1328); unten links nummeriert: "29" (Feder in Schwarz, durchgestrichen); unten links bezeichnet: "6 7 1/2" (Bleistift); unterhalb davon nummeriert: "a 94" (Feder in Schwarz)

Wasserzeichen / Kettenlinien

WZ: Mehrteiliges Wappen, oben dreigeteilter Schild, unten Profilbildnis eines Mannes mit Krone in Schild; sehr ähnlich Heawood 547 (Holland 1607).

Provenienz

Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (L. 1244); NH Ad : 02 : 01, S. 224 (als anonym): "Die klugen und thörichten Jungfr. Fol. Feder, C.[?]"; NH Ad : 01 : 03, fol. 122 (als anonym): "Die Parabel von den klugen und den thörichten Jungfrauen, von denen erstere vom Heiland empfangen werden der im Himmel thront von Engelscharen umgeben. Feder u Tusche. 6.2 7.8"; wohl 1820 in Rom erworben, siehe vergleichbare Notationen auf Blättern, die dokumentarisch nachweisbar in Rom 1820 erworben wurden; Legat Harzen 1863 an die "Städtische Gallerie" Hamburg; 1868 der Stadt übereignet für die 1869 eröffnete Kunsthalle

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.423, Nr.659