Anonym (flämisch?) Jacob Jordaens, ehemals zugeschrieben
Fünf Pfauen,
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Anonym (flämisch?) Jacob Jordaens, ehemals zugeschrieben

Fünf Pfauen,

Anonym (flämisch?) Jacob Jordaens, ehemals zugeschrieben

Fünf Pfauen

Diese Darstellung von drei Pfauen, die einen verendeten Artgenossen geradezu trauernd betrachten, wurde mit dem Griffel überarbeitet, diente also vermutlich einer gestochenen Darstellung als Vorlage. Ein entsprechender Druck wurde bislang nicht identifiziert.
Die Beischrift „Jacques Jordaens del.“ stammt wohl von der Hand eines Sammlers. Ein konkreter Bezug zu Jordaens besteht nicht – allenfalls ist von flämischem Kontext auszugehen.(Anm.1) Das zentrale Motiv des sich herabneigenden Pfaus und der beiden dahinter stehenden Tiere greift direkt zurück auf einen Stich aus dem „Tekenboek“ des Frederik Bloemaert (1614/17–1690) nach Vorlage Abraham Bloemaerts.(Anm.2)
Eine in Motiv und Format verwandte, insgesamt aber flüssiger ausgeführte Zeichnung befindet sich in Kharkov.(Anm.3) Daneben gibt es kompositorische Anklänge an holländische Tierstücke, z. B. Zeichnungen des Jean de la Chambre (1648–1685) oder des Melchior d’Hondecoeter.(Anm.4)

Annemarie Stefes

1 Eine Zuordnung zur flämischen Schule wurde auch von Martin Royalton-Kisch erwogen, mündlich, 1. 10. 2008, auf Grundlage einer Digitalphotographie.
2 Marcel George Roethlisberger: Abraham Bloemaert and his Sons, 2 Bde., Doornspijk 1993, Nr. T165; die gegenseitige Vorzeichnung befindet sich in Kopenhagen, Statens Museum for Kunst, Kongelige Kobberstiksamling, Inv.-Nr. Tu 51,3, Jaap Bolten: Abraham Bloemaert. The Drawings. Catalogue, 2 Bde, Leiden 2007, Nr. 1139.
3 Kharkov (Ukraine), Kunstmuseum, Dutch Drawings and Watercolors from the Kharkov Art Museum, Ausst.-Kat. Cincinnati (Ohio), The Taft Museum, 1997/98, Nr. 17, dort versuchsweise mit dem Trompe l’œil-Maler Johannes Leemans (um 1633–1688) in Verbindung gebracht.
4 Vgl. Jean de la Chambres Zeichnungen in den Staatlichen Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. KdZ 12382 und Inv.-Nr. KdZ 12383, vgl. Martin Royalton-Kisch: Fowl play? From van Borssom to Quina and La Chambre, in: Master Drawings 1998, S. 45-52, S. 52, Anm. 20 und Abb. 8. Die Zeichnung D’Hondecoeters befindet sich in Leiden, Prentenkabinet der Universiteit, Inv.-Nr. PK-P-AW 328, Corpus Gernsheim 44435.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Bezeichnet unten links: "Jacques Jordaens del." (Pinsel in Grau)

Verso in der Mitte L.123; unten Mitte bezeichnet: "j. c." (Feder in Braun)

Wasserzeichen / Kettenlinien

Name, schwer zu entziffern: "[H?]CA....I" (?) oder: "I ... AGH" (?)
19-20 mm (h)

Provenienz

Ludwig Hermann Philippi (1848-1908), Hamburg (L. 1335); Legat Philippi 1908

Bibliographie

Stefes, Annemarie: Niederländische Zeichnungen 1450-1850. Katalog II van Musscher - Zegelaar, hrsg. von Gaßner, Hubertus und Stolzenburg, Andreas, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 3, Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2011, S.676, Nr.1294