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Horst Janssen

Kunst der Freundschaft Gute und böse BlÀtter

Am 14. November 2009 wĂ€re Horst Janssen 80 Jahre alt geworden. Gemeinsam mit dem Museum fĂŒr Kunst und Gewerbe Hamburg ehrt die Hamburger Kunsthalle den großen Zeichner. Die Ausstellung Kunst der Freundschaft. Gute und böse BlĂ€tter in der Hamburger Kunsthalle thematisiert Janssens jahrelange, enge, herzliche und mitunter stĂŒrmische Freundschaft zu zwei seiner Sammler. Über 80 ausgewĂ€hlte Werke aus den Sammlungen von Klaus Hegewisch, der in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert, und Gerhard Schack, der 80 Jahre alt geworden wĂ€re, spiegeln das Auf und Ab dieser Freundschaften wider. Zu sehen sind Meisterzeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Collagen und Radierungen, aber auch intimere PortrĂ€ts, witzig illustrierte Briefe sowie Skizzen, die wĂ€hrend des Beisammenseins und bei Telefonaten entstanden sind und zum Teil erstmals ausgestellt werden.

Die gezeigten Werke stammen aus der frĂŒhen Zeit von 1947 bis Ende der siebziger Jahre. Die Ausstellung deckt den Zeitraum ab, in dem Janssen 1968 mit dem Graphikpreis der Biennale in Venedig ausgezeichnet wurde und zu einem der wichtigsten Zeichner des 20. Jahrhunderts avancierte. Die Sammlerfreunde Hegewisch und Schack inspirierten ihn, regten ihn zu neuen Themen und Sichtweisen an und beflĂŒgelten ihn in streitbarer Diskussion. Die Ausstellung zeigt die jeweiligen Sammlungsschwerpunkte, dokumentiert Horst Janssens stilistische Wandlungen und beleuchtet das VerhĂ€ltnis, das Horst Janssen zu den Freunden hatte.

Der Hamburger Kaufmann Klaus Hegewisch, der den kĂŒnftigen großen Zeichner und Graphiker bereits in den 1950er Jahren an der Akademie entdeckte und ĂŒber fast zwei Jahrzehnte förderte und begleitete, war einer der ersten von Janssens guten Sammlerfreunden. Die Werke aus seiner umfangreichen Sammlung werden im Hegewisch-Kabinett gezeigt. Sie umfassen neben den Farbholzschnitten der fĂŒnfziger und den Meisterzeichnungen und Radierungen der sechziger Jahre auch fast unbekannte frĂŒhe Arbeiten. Erstmals gezeigt werden Janssens EntwĂŒrfe fĂŒr eine Erdnuss-Reklame (50er Jahre), ein Auftrag, mit dem der Kunstsammler und SĂŒdfrucht-Importeur Hegewisch dem jungen KĂŒnstler aushalf. Eine weitere Besonderheit: der Farbholzschnitt Eulen von 1957 ist mitsamt dem beidseitig bearbeiteten Holzstock zu bewundern, von dem Janssen sie druckte. Privates Material rundet das Bild ab.

Im Janssen-Kabinett werden BlĂ€tter aus Gerhard Schacks großem Nachlass gezeigt, den er 2007 der Hamburger Kunsthalle vermachte. Der Kunsthistoriker und Privatgelehrte begegnete Janssen Ende der 1960er Jahre und hatte großen Einfluss auf die Entwicklung seiner Kunst. Im Dialog mit Schack fand Janssen zu Themen wie der „Kopie“ oder der Landschaftsdarstellung und zu Techniken wie der lavierten Rohrfederzeichung, die den Graphiker nicht mehr loslassen sollten. Unter den zum Teil noch nie gezeigten BlĂ€ttern finden sich Überraschungen und Neuentdeckungen. Dazu gehört eine Reihe von Bildnissen Gerhard Schacks und Selbstportraits des KĂŒnstlers, die er Schack widmete und deren unterschiedliche AusfĂŒhrung und Beschriftungen die IntensitĂ€t dokumentieren, mit der sich die beiden Freunde austauschten. DarĂŒber hinaus wird erstmals eine Auswahl von experimentellen Druckvarianten zur Radierfolge Froschland (1970-1973) ausgestellt – Höhepunkte Janssen’scher Radierkunst und der Kunst seines Druckers Hartmut Frielinghaus.

Die Hamburger Kunsthalle verfĂŒgt ĂŒber den bedeutendsten Bestand graphischer Arbeiten von Horst Janssen. Sie umfasst unter anderem die Sammlung Gerhard Schacks mit Zeichnungen und Radierungen sowie die Sammlung aus dem Nachlass von Hartmut Frielinghaus. 1997 wurde in der Galerie der Gegenwart das Janssen-Kabinett eingerichtet. In wechselnden Ausstellungen wird hier das zeichnerische und druckgraphische Werk von Horst Janssen gezeigt. Der „Förderkreis Horst Janssen in der Hamburger Kunsthalle" unterstĂŒtzt die Bearbeitung der umfangreichen BestĂ€nde und ermöglicht den Aufbau des Horst Janssen-Archivs, in dem neben den ĂŒber 9000 Werken von Horst Janssen umfangreiches Dokumentationsmaterial zur VerfĂŒgung steht.