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Francis Bacon

Die Portraits

Der moderne Mensch in seiner existenziellen Zerrissenheit, seiner sozialen Vereinsamung und seiner kreatĂŒrlichen Rohheit steht im Mittelpunkt des malerischen Schaffens von Francis Bacon. Zwischen Abbild und Verfremdung entstand so eine einzigartige Galerie des Menschen im 20. Jahrhundert.

Von zentraler Bedeutung in Bacons Gesamtwerk sind die Bildnisse, die der KĂŒnstler zunĂ€chst vor dem lebenden Modell, dann aber immer hĂ€ufiger unter Zuhilfenahme von Photographien und Reproduktionen schuf. So entstanden schonungslose Selbstbildnisse und die von geradezu brutaler Leidenschaftlichkeit getriebenen Portraits seiner Freunde und KĂŒnstlerkollegen. Erstmals gilt diesem Aspekt im Werk des KĂŒnstlers eine eigene Ausstellung, die sich mit Bacons malerischer Haltung und seinen Verfremdungsverfahren ebenso beschĂ€ftigt wie mit der Geschichte seiner Modelle und der Beziehung des Malers zu ihnen.

Die Bildnisse aus der Zeit zwischen 1949 und 1991 zeigen, wie der KĂŒnstler sich in seinen Werken den Personen seines nĂ€chsten Umkreises nĂ€herte. In den frĂŒhesten Bildern der Ausstellung scheint es, als schĂ€le sich der Mensch schrittweise aus dem Dunkeln des Malgrundes heraus und nĂ€hme erst langsam und vorsichtig Gestalt an, um dann, kaum dass er in den ersten Papstbildnissen von 1951 Körper und Volumen erreicht hat, unter milchigen Schleiern wieder zu verschwinden - als werde er vom Maler zurĂŒckgedrĂ€ngt in die Tiefe einer undurchdringbaren Nacht.

Zu Beginn der sechziger Jahre entwickelte Bacon dann mit den kleinen Triptychen eine Formel, die ihn ĂŒber rund zwanzig Jahre immer wieder beschĂ€ftigte. Gerade bei den kleinen Triptychen und Einzelbildnissen, die in ihren Ă€ußeren Bedingungen zunĂ€chst so gleichförmig erscheinen, lĂ€sst sich eine ganz unterschiedliche Behandlung der malerischen Verpuppung und Verzerrung beobachten, die fĂŒr Bacons Bildnisse so typisch sind.

In den gleichen Jahren entstand aber auch eine Reihe herausragender Bildnisse, die Bacon der ganzen Figur widmete. Hier setzte er seine Modelle auf BĂŒhnen und Postamente, konstruierte rĂ€umliche GefĂŒge von grĂ¶ĂŸter Spannung und IntensitĂ€t und arbeitete so kontinuierlich an einer großen Metapher fĂŒr die menschliche Existenz – geworfen, getrieben, sich vorantastend und scheiternd, eingespannt zwischen Werden und Vergehen, zwischen Leben und Tod.

FĂŒr diese Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem British Council und der National Gallery of Scottland, Edinburgh, konzipiert wurde, werden ĂŒber 50 Bildnisse aus internationalen Sammlungen zusammengetragen, etwa aus dem Museum of Modern Art und dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Centre Georges Pompidou in Paris, der Tate Gallery in London sowie von zahlreichen weiteren öffentlichen und privaten Leihgebern. Photographien und Arbeitsmaterial des KĂŒnstlers machen darĂŒber hinaus Bacons Vorgehensweise anschaulich.