Nachtwache, 27. Oktober 2016

Soirée & Salon Sonderveranstaltung
Chorwerke und Lyrik der Romantik in der Hamburger Kunsthalle 

AuffĂŒhrung am Donnerstag, dem 27. Oktober 2016, um 21.00 Uhr im Werner-Otto-Saal. 

Wie in kaum einer anderen Kunstgattung manifestiert sich das Wesen der deutschen Romantik im Lied. In ihrem Nachtwache-Programm fĂŒhren Thomas Hengelbrock, der Balthasar-Neumann-Chor und Johanna Wokalek Musik und Poesie der Romantik zusammen. Tief lassen sie die Zuhörer eintauchen in das LebensgefĂŒhl dieser Epoche.

Nicht allein die Verbindung von Rezitation und Lied macht das Programm einzigartig. Die Vielschichtigkeit, der Ausdruck und die Perfektion des a capella singenden Chores im Wechselspiel mit der Stimme von Schauspielerin Johanna Wokalek gibt den Gedichten von Eichendorff, Novalis und Heine eine besondere Eindringlichkeit und Tiefe. Die Dramaturgie und die interpretatorische Arbeit von Thomas Hengelbrock offenbaren neue Nuancen in Werken von Brahms, Schumann und Mendelssohn, die viele schon auswendig zu kennen glaubten.

Das Programm »Nachtwache« war bereits auf einer Europatournee unter anderem bei den Salzburger Festspielen zu hören, wird in der Kunsthalle im Rahmen der spartenĂŒbergreifenden Reihe Soiree & Salon aber erstmals der breiteren Hamburger Öffentlichkeit vorgestellt. Von der Wirkung des Programmes zeugen zahlreiche begeisterte Publikums- und Pressestimmen. So berichtete NDR Kultur: »Gerade das stille Sehnen und die ruhigen Momente sind es, die besonders berĂŒhren. Hengelbrock formt da mit seinem Balthasar-Neumann-Chor einen Klang, der so schlicht und ungeschminkt ist, als wĂŒrde die Seele des romantischen Ichs offen und nackt vor uns stehen.«

In der Hamburger Kunsthalle bildet die Romantik mit Meisterwerken von Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge einen Sammlungsschwerpunkt, der direkte BezĂŒge zu den Werken des Nachwache-Programms aufweist. Runge, der unter anderem mit dem Dichter Matthias Claudius und mit mehreren Komponisten befreundet war, beschĂ€ftigte sich intensiv mit der Frage, wie die Bildende Kunst, die Dichtung und die Musik zu einer gedanklichen Einheit zusammengefĂŒhrt werden könnten. Nach einer AuffĂŒhrung von Joseph Haydns Oratorium Die Jahreszeiten schrieb er 1803: »Wie ich neulich die Jahreszeiten von Haydn auffĂŒhren hörte, ist mir es doch recht deutlich geworden, wie nothwendig zu Erhaltung der reinen Natur und zugleich in sich selbst still verstehenden und begreifenden Unschuld des GemĂŒthes die Symbolik oder die eigentliche Poesie, d.[as] i.[st] die innere Musik der drey KĂŒnste, durch Worte, Linien und Farben, sey.«

Die Besucher_innen des Nachtwache-Programms haben die Möglichkeit, nach dem Konzert in FĂŒhrungen ausgewĂ€hlte Meisterwerke der Romantik in der Kunsthalle kennenzulernen. Bis nach Mitternacht wird der Sammlungsbereich des 19. Jahrhunderts fĂŒr die Konzertbesucher_innen geöffnet sein, die damit ihre eigene »Nachtwache« vor den Kunstwerken erleben können. Ein PublikumsgesprĂ€ch mit Thomas Hengelbrock, Johanna Wokalek und Dr. Markus Bertsch, Kurator der Sammlung 19. Jahrhundert der Kunsthalle, rundet den Abend ab.

Ablauf: 

  • 21:00 Uhr bis 21:20 Uhr: BegrĂŒĂŸung und EinfĂŒhrung durch Prof. Dr. Christoph Vogtherr, Direktor der Kunsthalle, und Dr. Stefan Brandt, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Kunsthalle, im Werner-Otto-Saal 

  • 21:20 Uhr bis ca. 22:45 Uhr: Chorwerke und Lyrik der Romantik mit Thomas Hengelbrock, Johanna Wokalek und dem Balthasar-Neumann-Chor 

  • Ca. 23:00 bis 23:30 Uhr: PublikumsgesprĂ€ch mit Thomas Hengelbrock, Johanna Wokalek und Dr. Markus Bertsch (Kurator der Sammlung 19. Jahrhundert); Moderation: Dr. Stefan Brandt

  • 23:30 Uhr bis 0:30 Uhr: FĂŒhrungen oder individueller Besuch der Sammlung 19. Jahrhundert 

Programm:

Joseph von Eichendorff (1788–1857) Mondnacht 
Johannes Brahms (1833–1897) Waldesnacht, op. 62,3 (Heyse) 
Joseph von Eichendorff Die Nacht 
Johannes Brahms Nachtwache I, op. 104,1 (RĂŒckert) 
Johannes Brahms Nachtwache II, op. 104,2 (RĂŒckert) 
Eduard Mörike (1804–1875) An einem Wintermorgen 
Edvard Grieg (1843–1907) Pfingstlied aus „Peer Gynt“ (Ibsen) 
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) Morgengebet, op. 48,5 (Eichendorff) 
Joseph von Eichendorff Im FrĂŒhling 
Felix Mendelssohn Bartholdy Abschied vom Walde, op. 59,3 (Eichendorff) 
Felix Mendelssohn Bartholdy Jagdlied, op. 59,6 (Eichendorff) 
Joseph von Eichendorff Klage 
Fanny Hensel (1805–1847) O Herbst (Eichendorff) 
Johannes Brahms AbendstÀndchen, op. 42,1 (Brentano) 
Heinrich Heine (1797–1856) Ein JĂŒngling liebt ein MĂ€dchen 
Johannes Brahms All meine Herzgedanken, op. 62,5 (Heyse) 
Clemens Brentano (1778–1842) Zu Bacharach am Rheine 
Robert Schumann (1810–1856) Meerfey, op. 69,5 (Eichendorff) 
Heinrich Heine Ein Weib 
Friedrich Silcher (1789–1860) Lore Ley (Heine) 
Clara Schumann (1819–1896) Gondoliera (Geibel) 
Heinrich Heine Sturm 
Robert Schumann Ungewisses Licht, op. 141, 2 (Zedlitz) 
Heinrich Heine Sonnenuntergang 
Robert Schumann An die Sterne, op. 141,1 (RĂŒckert) 
Max Reger (1873–1916) Nachtlied, op. 138,3 (Hubert) 
Novalis (1772–1801) Aus „Hymnen an die Nacht I“ 
Josef Rheinberger (1839–1901) Abendlied, op. 69,3 (Lukas 24,29) 
Schulz/Seifert Der Mond ist aufgegangen (Claudius) 

Dauer ca. 80 Minuten, Änderungen vorbehalten