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KP Brehmer

Korrektur der Nationalfarben
KP Brehmer; Korrektur der Nationalfarben, gemessen an der Vermögensverteilung (Version I), 1970, © Privatsammlung in der Hamburger Kunsthalle, Foto: Christoph Irrgang

Presseinformation

AnlĂ€sslich seines 80. Geburtstags zeigt die Hamburger Kunsthalle eine umfassende Ausstellung des deutschen Malers, Graphikers und Filmemachers KP Brehmer (1938–1997), der sich in seinem Schaffen in komplexer Weise mit den Bildmedien der Bundesrepublik Deutschland und den Bedingungen der kapitalistischen Bild-produktion und -rezeption auseinandergesetzt hat. Dabei hat er ein vielfĂ€ltiges, experimentelles, analytisches und zugleich humorvolles ƒuvre hinterlassen, das in seinen Fragestellungen wieder an Relevanz und AktualitĂ€t gewinnt.

Die Kunsthalle hat als erstes Museum schon frĂŒh Werke des KĂŒnstlers erworben. Die Ausstellung zeigt mit ĂŒber 200 Arbeiten einen Überblick ĂŒber sein gesamtes Werk. Zu sehen sind Zeichnungen, Collagen, Druckgraphiken, GemĂ€lde und Filme – mit Leihgaben aus dem Nachlass des KĂŒnstlers sowie aus internationalen Museen.

KP Brehmer, eigentlich Klaus Peter Brehmer, gehört zur Generation der KĂŒnstler, die in Deutschland mit den Mitteln der amerikanischen Pop Art einen kritischen »kapitalistischen Realismus« entwickelten – so der Titel einer von RenĂ© Block 1968 herausgegebenen Mappe mit Werken von KP Brehmer und seinen Zeitge-nossen Sigmar Polke, Gerhard Richter, Wolf Vostell und Konrad Lueg. Zugleich nahm Brehmer in diesem Umfeld eine Sonderrolle ein: KB Brehmer, der jahrzehntelang Professor an der Hochschule fĂŒr bildende KĂŒnste in Hamburg war, begann seine Ausbildung als Reproduktionstechniker. Das Prinzip der maximalen Verviel-fĂ€ltigung und Verbreitung von Bildvorlagen prĂ€gten sein theoretisches Denken und kĂŒnstlerisches Agieren maßgeblich. Die Bilder der Werbung, des öffentlich-rechtlichen Fernsehens und der illustrierten Presse sowie die Motive der Plakate aus der politischen Propaganda prĂ€sentierte er in einem verĂ€nderten Kontext und setzte dabei die Graphik als Werkzeug so radikal und konsequent zur politischen Bildagitation ein wie kein anderer KĂŒnstler.

Graphik war fĂŒr KB Brehmer nicht nur eine Technik, sondern Instrument und Metapher zur Visualisierung sozialer und politischer Darstellungskonventionen. Indem er sich die Ästhetik von Werbeaufstellern in KaufhĂ€usern, von Briefmarken als staatliche Symbolwerte und von Informationsmedien wie Diagrammen und Statistiken aneignete und diese durch leichte Bedeutungsverschiebungen neu codierte, machte er deren Wirkmechanismen kenntlich. Auf diese Weise stellte er in seinem Werk nicht nur die Strategien etablierter Medien an den Pranger sondern reflektierte deren Mittel und Effekte der TĂ€uschung und Beeinflussung.

Die Ausstellung ist eine Gemeinschaftsproduktion und wird an allen vier Stationen der Kooperationspartner gezeigt: Neben der Hamburger Kunsthalle ist das Neue Museum NĂŒrnberg (26. Oktober 2018 bis 17. Fe-bruar 2019), das Gemeentemuseum in Den Haag (7. Juli bis 27. Oktober 2019) und ARTER, Istanbul (27. MĂ€rz bis 30. August 2020) beteiligt. Die in einem engen, intensiven Dialog gemeinsam entwickelte Ausstellung wurde mit dem Anliegen konzeptioniert, die AktualitĂ€t KP Brehmers nicht nur in Deutschland, sondern auch darĂŒber hinaus unter Beweis zu stellen.

Gefördert von:  Deutsche Bank, Kulturstiftung des Bundes, Behörde von Kultur und Medien