Vorschau

Femme Fatale

Von der MĂ€nnerfantasie zur weiblichen Emanzipation
MAX LIEBERMANN (1847–1935), Simson und Delila, 1902, Frankfurt am Main, StĂ€del Museum

Presseinformation

Mit einer herausfordernden Schau beleuchtet die Hamburger Kunsthalle die Transformationen des gleichermaßen schillernden wie brisanten Mythos der »Femme fatale« vom 19. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Ausstellung geht den Erscheinungsformen eines auf sein unheilbringendes Potenzial hin verdichteten Frauentypus in der bildenden Kunst und in der Literatur ebenso nach, wie sie den Mythos der »Femme fatale« kritisch hinterfragt. EpochenĂŒbergreifend sind rund 140 GemĂ€lde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Skulpturen, Installationen, Videoarbeiten und Filme zu erleben. Zu den Exponaten zĂ€hlen Hauptwerke der Hamburger Kunsthalle ebenso wie Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen. Die Werke reichen von den englischen PrĂ€raffaeliten (u. a. Dante Gabriel Rossetti, John William Waterhouse) ĂŒber Positionen des Symbolismus (u. a. Gustave Moreau, Fernand Khnopff, Franz von Stuck, Edvard Munch), des Impressionismus (u. a. Édouard Manet, Max Liebermann, Lovis Corinth), des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit (u. a. Jeanne Mammen, Gerda Wegener) bis hin zu Arbeiten der Pop Art, der feministischen Avantgarde (u. a. Maria Lassnig, Dorothy Iannone, Kiki Kogelnik, VALIE EXPORT) und zu aktuellen außereuropĂ€ischen Positionen (Zandile Tshabalala, Johannesburg/SĂŒdafrika). In der bildenden Kunst und der Literatur betritt die »Femme fatale« (ĂŒbersetzt aus dem Französischen: verhĂ€ngnisvolle Frau) im frĂŒhen 19. Jahrhundert die BildflĂ€che und avanciert zwischen 1860 und 1920 zu einem der bestimmenden Epochenthemen: Ein fest codierter Frauentypus, der als sinnlich-erotisch wie begehrenswert gilt und dessen vermeintlich dĂ€monisches Wesen sich darin offenbart, MĂ€nner so in seinen Bann zu ziehen, dass diese ihm mit oftmals tödlichem Ausgang verfallen. Neben realen historischen Personen verdanken viele Protagonistinnen ihre Existenz antiken Mythen sowie dem Alten Testament. Die Ausstellung beleuchtet aber auch Phasen, in denen das klassische Bild der »Femme fatale« erodiert. Eine entscheidende ZĂ€sur wird ab den 1960er-Jahren von feministischen KĂŒnstlerinnen gesetzt, die derartige Frauentypen – und damit ihren Mythos – dekonstruieren. Heute lĂ€sst sich das Thema nicht mehr ohne seine schillernde, aber auch problematische Geschichte betrachten. Vor dem Hintergrund der MeToo-Debatte, aktueller Genderdiskurse und durchlĂ€ssig gewordener Geschlechtergrenzen bieten sich vielfĂ€ltige
AnknĂŒpfungspunkte fĂŒr KĂŒnsterler*innen, um zeitgemĂ€ĂŸe Perspektiven zu eröffnen.

Gefördert durch: Freunde der Kunsthalle e.V., Behörde fĂŒr Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg