Überfluss

Wer prahlt, der bleibt – kann einem angesichts von gern gezeigten Statussymbolen oder der Darstellung von ĂŒberbordendem Reichtum in den Sinn kommen. Menschen, die sich Luxus vermeintlich leisten können, zeigen dies hĂ€ufig auch gerne: schnelle Autos, schicke Klamotten, ausgedehnte Urlaube oder – wie im hier abgebildeten „Prunkstillleben“ aus dem 17. Jahrhundert – teures Geschirr und ĂŒppiges Essen. Was fĂŒr die einen Luxus ist, ist fĂŒr die anderen Überfluss. Wer beim Anblick exponierten Wohlstands an Verschwendung denkt, der hat vermutlich die zum jeweiligen Entstehungszeitpunkt vorherrschende RealitĂ€t im Kopf: in der Viele wenig haben und nur Wenige viel. Aber kann dieses Motiv angesichts der ausschweifenden Darstellung der Speisen, GetrĂ€nke und Geschirre vielleicht auch als Mahnung fĂŒr die Betrachtenden verstanden werden? Zumal vor dem Hintergrund der kunsthistorischen Bedeutung der Silber-/ Zinnbecher als Verweis auf die VergĂ€nglichkeit des Lebens, also einer Aufnahme von Vanitas-Symbolen?

Fest steht jedenfalls: Auch wenn es hier um Reichtum gehen mag, nicht jedes Stillleben ist zur Schau gestellter Überfluss oder Prahlerei. Wie die Vanitas-Symbolik in diesem Werk zeigt, steckt in der Kunst hinter dem Scheinbaren oft mehr als das, was sich auf den ersten Blick offenbart.

 

Jasper Warzecha