Freiheit?

»LibertĂ©, Ă©galitĂ©, fraternité« lauten die Ideale der Französischen Revolution. Jean-Baptiste Regnaults 1795 im Pariser Salon prĂ€sentiertes GemĂ€lde verdeutlicht die Konsequenz dieser Forderung auf drastische Weise: Links sitzt die Personifikation der Französischen Republik, rechts der Tod mit seiner Sense, der Genius Frankreich schwebt in der Mitte, uns zugewandt. Seine Haltung gleicht der Aufforderung sich zu entscheiden. Doch was ist Freiheit? Welchen Stellenwert hat sie? Die Antwort aus dem Jahr 1793 ist unmissverstĂ€ndlich: Freiheit oder Tod. 227 Jahre spĂ€ter scheint die erkĂ€mpfte Freiheit – zumindest in Demokratien –  ein allgemeines Gut, welches in seiner Bedeutung fĂŒr jeden Einzelnen nicht mehr hinterfragt wird: Freiheit von Zwang, von Konventionen, aber auch die Freiheit der eigenen Persönlichkeitsentfaltung und das zu tun, was man möchte. Sie kann vieles beinhalten –persönlich und politisch. Sie bedeutet jedoch auch immer die Wahl – einerseits die Möglichkeit dazu, aber andererseits auch die Verpflichtung des Treffens einer Entscheidung fĂŒr oder gegen etwas. Freiheit gehört zu den komplexesten und folgereichsten Begriffen unserer Zeit. Sie ist zentral fĂŒr unser europĂ€isches SelbstverstĂ€ndnis und doch nicht selbstverstĂ€ndlich – sie muss vielleicht nicht mehr immer erkĂ€mpft werden. Doch muss sie ganz sicher immer wieder aufs Neue verteidigt werden, vor allem angesichts der aktuellen Entwicklungen und zunehmender Nationalismen. Was bedeutet Freiheit und wie weit sind wir bereit - jeder fĂŒr sich und als Gemeinschaft – fĂŒr sie zu gehen?

Ifee Tack (wissenschaftliche VolontÀrin)