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Taddeo Zuccari, Kopie nach
Seeschlacht im Golf von Morbihan, nach 1560
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Taddeo Zuccari, Kopie nach

Seeschlacht im Golf von Morbihan, nach 1560

Taddeo Zuccari, Kopie nach

Seeschlacht im Golf von Morbihan, nach 1560

Das Blatt gelangte 1957 als Werk Pomarancios in die Sammlung. Dank der Forschungen von John Gere und Konrad Oberhuber konnte aber der Bezug zu dem von Taddeo Zuccari um 1560 entworfenen sogenannten Spanischen Service hergestellt werden (vgl. zu diesem Service Inv.-Nr. 21102).(Anm. 1) Die Komposition, die sich in weiteren Fassungen in Windsor (Anm. 2), Oxford (Anm. 3) und in Privatbesitz (Anm. 4) nachweisen lĂ€sst, wurde von Oberhuber ĂŒberzeugend als Episode aus Caesars Eroberung von Gallien gedeutet. Dargestellt ist demnach der ĂŒberwĂ€ltigende Sieg der Römer im Jahr 56 v. Chr. ĂŒber die Truppen der Veneter, einem seefahrenden keltischen Stamm in der Bretagne.(Anm. 5) Der Erfolg der von Decius Brutus gefĂŒhrten Truppen Caesars beruhte vor allem auf einer neuartigen Entertechnik, bei der – wie auf der Zeichnung zu sehen – scharfe, sichelförmige Haken verwendet wurden. Oberhuber nahm bei seiner Analyse Bezug auf die Version der Sammlung Steiner, die er aufgrund der verwendeten rötlichen Lavierung auf 1560–62 datierte. Die Windsor-Zeichnung erscheint dagegen etwas schwĂ€cher und dĂŒrfte von einem Mitarbeiter in Taddeo Zuccaris Werkstatt stammen.
Die Hamburger Zeichnung Ă€hnelt sehr stark der Windsor-Zeichnung, ist allerdings (aufgund der Montierung ?) im unteren Bereich verkĂŒrzt. Sie wirkt gegenĂŒber der kontrastreicheren Windsor-Zeichnung insgesamt weicher; die Details sind weniger prĂ€zise und weniger stark konturiert. Die kĂŒnstlerische QualitĂ€t ist insgesamt weit entfernt von Originalzeichnungen Taddeos. Eine Entstehung in dessen Werkstatt zu Studienzwecken ist denkbar, aber keineswegs zwingend anzunehmen. Von Interesse ist in diesem Zusammenhang die alte Zuschreibung an Pomarancio, wobei nicht Antonio Circignani, wie auf der Montierung vermerkt, sondern NiccolĂł Circignani, genannt Pomarancio, in Frage kĂ€me. Von diesem KĂŒnstler sind zahlreiche Zeichnungen fĂŒr Schlachtenszenen nachweisbar, die der Hamburger Zeichnung in der allgemeinen Figurenbehandlung, vor allem in der Konturbetonung, Ă€hneln.(Anm. 6)
Gere hatte Zweifel, die Schlachtszene dem Spanischen Service zuzuordnen. Er erkannte Ă€hnliche Motive in Taddeos Wandfresko „Die Belagerung von Tunis“, die der KĂŒnstler allerdings erst um 1564 fĂŒr die Sala Regia im Vatikan begonnen hat.(Anm. 7) Aus diesem zeitlichen Grund sah er in dem Schlachtentwurf eine typische pasticcioartige Werkstattarbeit, die möglicherweise nach Taddeos frĂŒhem Tod entstanden ist. Gegen diese Annahme spricht die Überlegung, dass sich Taddeo sehr wohl bereits fĂŒr den Caesar-Zyklus in vielfĂ€ltiger Weise mit Kampfszenen beschĂ€ftigt haben dĂŒrfte. Es ist durchaus vorstellbar, dass er dann nur wenige Jahre spĂ€ter auf die eine oder andere Formfindung zurĂŒckgegriffen hat. UnabhĂ€ngig davon ist die Darstellung der „Schlacht von Morbihan“ vor allem aufgrund der inhaltlichen BezĂŒge eng mit dem Spanischen Service verbunden.

David Klemm

1 John A. Gere: Taddeo Zuccaro as a designer for Maiolica, in: The Burlington Magazine 105, 1963, Nr. 724, S. 306-315 und John A. Gere: Taddeo Zuccaro. His Development Studied in his Drawings, Chicago 1969. Zum Zyklus vgl. auch Cristina Acidini Luchinat: Due modelli opposti per il „Giudizio“ nella cupola, in: Winner/Heikamp 1999, S. 117-124, I, S. 79–102.
2 Windsor Castle, Royal Library, Inv.-Nr. 5471; vgl. Arthur E. Popham, Johannes Wilde: The Italian Drawings of the XV and XVI Centuries in the Collection of His Majesty the King at Windsor Castle, London 1949, S. 344, Nr. 987.
3 Oxford, Christ Church, Inv.-Nr. 1574; James Byam Shaw: Drawings by Old Masters at Christ Church Oxford, 2 Bde., Oxford 1976, I, S. 153, Nr. 537 „after Taddeo Zuccari“.
4 Sammlung Steiner, USA; vgl. Renaissance and Baroque Drawings from the Collections of John and Alice Steiner, hrsg. v. Konrad Oberhuber, Ausst.-Kat. Cambridge (Mass.), Fogg Art Museum, Williamstown (Mass.), Sterling and Francine Clark Institute, Malibu (Calif.), J. Paul Getty Museum, Cambridge (Mass.) 1977, S. 101–103 (Beitrag Konrad Oberhuber).
5 Ebd., S. 102.
6 Vgl. z. B. Oxford Christ Church, Inv.-Nr. 1972; vgl. James Byam Shaw: Drawings by Old Masters at Christ Church Oxford, 2 Bde., Oxford 1976, I, S. 136–137, Nr. 460. Die ehemals Bernardo Castello zugeschriebenen Zeichnungen sind inzwischen als EntwĂŒrfe von Pomarancio fĂŒr den Zyklus in Castiglione del Lago erkannt worden.
7 Vgl. Cristina Acidini Luchinat: Due modelli opposti per il „Giudizio“ nella cupola, in: Winner/Heikamp 1999, S. 117-124, I, S. 94.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Innerhalb des Rahmensystems auf grĂŒnem Fond bezeichnet: "Antonio Circignano, detto della Pommerance/1570-1630 +" (Feder in Schwarz, das Wort "Circignano" mit Bleistift unterstrichen); unten links nummeriert: "2618" (Bleistift); unten links der Mitte nummeriert: "154" (Bleistift); rechts davon bezeichnet: "Salamis" (Bleistift); rechts davon bezeichnet: "1570-1630 Antonio Circignano d'Pomerancie/figlio di NiccolĂł (Feder in Braun); unten rechts nummeriert: "852-/300- (Feder in Braun); unten rechts nummeriert: 500 (Bleistift); oben links nummeriert: "278/21" (Bleistift); auf dem Verso oben links Aufkleber mit dem roten Aufdruck: "168"; in der Mitte: Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1233)

Provenienz

Erworben 1957 bei Gerd Rosen Auktionen, Berlin

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.380-381, Nr.578

3. Teil: Alte und Neue Kunst, Auktion XXVIII, 24. 5. 1957, Gerd Rosen Auktionen, Berlin 1957, S.27, Nr.2618