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Philipp Otto Runge
Der Morgen (Vorlage fĂŒr die Druckgraphik), 1803
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Philipp Otto Runge

Der Morgen (Vorlage fĂŒr die Druckgraphik), 1803

Philipp Otto Runge

Der Morgen (Vorlage fĂŒr die Druckgraphik), 1803

Am 15. Mai 1803 kĂŒndigte Runge Daniel fĂŒr den nĂ€chsten Tag die Fertigstellung der Kupferstichvorlage fĂŒr den „Morgen“ an, an dem er „gestern ĂŒber hundert Gesichter gemacht“ hatte (Anm. 1). Die Gesichter beziehen sich auf die Cherubsköpfe in der oberen Rahmenzone, die Runge als letzte gezeichnet hat. Entgegen seiner AnkĂŒndigung dĂŒrfte das Blatt nicht am 16. Mai vollendet gewesen sein, denn am 16. Mai schrieb er an seinen Bruder Karl, dass er es erst morgen „wol fertig kriege.“ (Anm. 2)
Daniel hat die Rahmenkomposition genau beschrieben: „In dem zum Morgen sieht man in der Mitte unten zwey umgekehrte brennende Fackeln kreuzweise ĂŒber einander (umringt von der Schlange, die sich in den Schwanz beißt), von deren Flammen aus sich Rauchwolken verbreiten. Nach der einen Seite ein Knabe, und nach der andern ein MĂ€dchen, mit Psycheschwingen, fliegen von diesem Erdenfeuer weg ĂŒber dem schwimmenden Blatt eines Lotos nach den untern Ecken des Rahmens hin, wo diese (gelbe) Blume selbst wie ein Schiff treibt mit einem Knaben darin, der umgeben, wie von Schiffsstricken, von den Wurzeln der rothen Lilie (Amaryllis) sitzt, deren Stengel und BlĂ€tter bis gegen die Mitte des Rahmens (an jeder Seite) hinaufsteigen, wo diese Blume selbst sich entfaltet hat, und aus ihr ein Kind sich heraus zu winden strebt. Von da erhebt sich, im anmuthigen Gewinde seiner BlĂ€tter, ein Lilienstengel bis in die oberen Ecken, wo auf der weißen Lilie selbst ein Engel anbetend sich beugt und knieet vor dem Namen Jehovah (hebrĂ€isch), der in der Mitte oben in einer reichen Glorie von Engelsköpfen wahrscheinlich blau in blau strahlt.“ (Anm. 3)
Als Karton diente Runge die zugehörige Konstruktionszeichnung (Inv. Nr. 34173), die er 1:1 auf die Kupferstichvorlage ĂŒbertrug, die der Kupferstecher Johann Gottlieb Seyfert seit Herbst 1803 gestochen hat, wobei er ein kombiniertes Verfahren aus Radierung und Kupferstich anwendete (Anm. 4).


Peter Prange

1 Brief vom 15. Mai 1803 an Daniel, vgl. HS II, S. 215.
2 Brief vom 16. Mai 1803 an Karl, vgl. Philipp Otto Runge. Briefe in der Urfassung, hrsg. von Karl Friedrich Degner, Berlin 1940, S. 123.
3 Vgl. HS I, S. 227-228.
4 Zu den beiden Auflagen der Kupferstiche vgl. Traeger 1975, S. 359-361, Nr. 280a-283b.

Details zu diesem Werk

Provenienz

Nachlass des KĂŒnstlers; ab 1810 im Besitz des Bruders Johann Daniel Runge (1767-1856), Hamburg; nach dessen Tod am 12. 3. 1856 im Besitz der Witwe Philipp Otto Runges, Pauline Runge (1785-1881), geb. Bassenge; als deren Geschenk an den Kunstverein in Hamburg, 30. 4. 1856 (Hamburger Kunsthalle, Archiv des Kupferstichkabinetts, Archiv Nr. 307, Catalog der Sammlung des Kunst-Vereins in Hamburg, S. 108, Nr. 495 p1/4.: "4 Bt. der Morgen, erste AusfĂŒhrung. Dresden 1802/3. ... 1, Federumriß der vollendeten Zeichnung- nach welcher, sowie nach denen der anderen Tageszeiten (r [?], s u t) die Kupferstecher KrĂŒger, Darnstedt und Seiffert die bekannten von Runge im Jahre 1807 [!] herausgegeben BlĂ€tter radierten. – Royfol."); Geschenk des Kunstvereins in Hamburg an das Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, 1891

Bibliographie

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Peter Betthausen: Philipp Otto Runge, Leipzig 1980, S.30, 132, Abb.34 auf S. 38

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