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Johann Ludwig Aberli, Umkreis
Gebirgslandschaft mit Gletscher und See, 1760 - 1770
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Johann Ludwig Aberli, Umkreis

Gebirgslandschaft mit Gletscher und See, 1760 - 1770

Johann Ludwig Aberli, Umkreis

Gebirgslandschaft mit Gletscher und See, 1760 - 1770

Das Blatt ist im Inventar Christian Georg SchĂŒtz zugewiesen worden, allerdings ohne die Festlegung, ob der Ältere oder der JĂŒngere gemeint ist. Wolf Stubbe hat spĂ€ter auf dem alten Untersatz eine Zuschreibung an den jĂŒngeren SchĂŒtz (1758–1823) vorgenommen. Zwar hat sich SchĂŒtz 1789 mit einem Stipendium der Freiin von Vrints-Berberich und auch noch 1790 in der Schweiz aufgehalten, doch schloss sich SchĂŒtz zunĂ€chst an das Vorbild seines Onkels Christian Georg SchĂŒtz d. Ä. (1718–1791) im Sinne der stimmungsvollen Vedute an, bis er zu einer nĂŒchtereren und sachlicheren, dabei moderneren Naturbeobachtung gelangte.
Die vorliegende, noch nicht identifizierte Gletscherlandschaft dĂŒrfte allerdings frĂŒher entstanden sein, denn sie steht den nur wenigen bekannten Darstellungen der hochalpinen Bergwelt Johann Ludwig Aberlis nahe. GrĂ¶ĂŸte NĂ€he in der Komposition besteht zu einem Aquarell mit einem Gletscher bei Grindelwald, das Aberli als Vorlage fĂŒr eine 1768 bei Matthias Pfenninger erschienene Umrissradierung diente.(Anm. 1) Vergleichbar ist auf beiden BlĂ€ttern, wie verdunkelte FelsvorsprĂŒnge links im Vordergrund ins Bild einfĂŒhren, wĂ€hrend dahinter die aufsteigende Bergwand die gesamte linke BildhĂ€lfte beherrscht. Die auf beiden BlĂ€ttern winzigen Staffagefiguren stehen im Kontrast zu den sich mĂ€chtig auftĂŒrmenden Bergmassiven, deren Erhabenheit und Ungewöhnlichkeit angesichts der kleinen Figuren noch stĂ€rker herausgestellt wird. Auch im Zeichnerischen sind Ähnlichkeiten greifbar – ĂŒber eine Ă€hnliche Farbgebung und eine nur mit kurzen Strichen angegebene Binnenzeichnung bis zur stimmungsvollen Lavierung im Himmel –, weshalb das Blatt hier Aberli bzw. seinem Umkreis zugeschrieben werden soll. Eine Entstehung zumindest in seinem unmittelbaren Umfeld ist wahrscheinlich. Damit gehört das Hamburger Aquarell wie das Blatt in Bern zu den frĂŒhen, wahrscheinlich noch vor den Alpenbildern Caspar Wolfs (1735–1783) entstandenen Darstellungen der hochalpinen Bergwelt.

Peter Prange

1 Bern, Kunstmuseum, Inv.-Nr. A 6092, vgl. Alte Meister. Zeichnungen und Aquarelle aus der Graphischen Sammlung, Ausst.-Kat. Bern 2000, S. 100, Abb.

Details zu diesem Werk

Wasserzeichen / Kettenlinien

Straßburger Lilie ĂŒber Bindenwappen, daneben "C BLAW", nicht identifizierbar

Provenienz

Wahrscheinlich zwischen 1869 und 1886 durch Schenkung oder Erwerb aus unbekannter Quelle in den Besitz der Kunsthalle gelangt

Bibliographie

Peter Prange: Deutsche Zeichnungen 1450-1800. Katalog, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 1, Köln u.a. 2007, S.79, Nr.3