☰
Johann Christoph Erhard
Die kleine Andachtskapelle neben der Kirche San Rocco in Olevano mit Blick auf die Burg, 1821
ZurĂŒck Bildinfos ➕ ➖ ➕ 🗖 ❭

Johann Christoph Erhard

Die kleine Andachtskapelle neben der Kirche San Rocco in Olevano mit Blick auf die Burg, 1821

Johann Christoph Erhard

Die kleine Andachtskapelle neben der Kirche San Rocco in Olevano mit Blick auf die Burg, 1821

Die figurenreiche Szene auf Inv.-Nr. 23268 und 23269 stellt den Blick auf die kleine Kapelle und die Kirche San Rocco in Olevano dar, im Hintergrund ist die Burg sichtbar. Eine Àhnliche Ansicht mit der Kapelle und San Rocco, aber gÀnzlich ohne Staffage, existiert von Arthur Blaschnik in Berlin.(Anm. 1)
Die beiden BlĂ€tter sind fĂŒr Erhard ungewöhnlich, stellen sie doch abgesehen von den Figurenstudien der Villa Malta die einzigen wirklichen Genredarstellungen dar, die in Rom entstanden. In ihnen schildert Erhard lebhaft das volkstĂŒmliche Treiben am Rand von Olevano: links sind Flachsbrecherinnen bei der Arbeit zu erkennen, vor ihnen reitet eine Frau auf einem Esel, die von einem Bauern begrĂŒĂŸt wird, rechts daneben steht an einem Felsen ein Greis, der sich auf seinen Stock stĂŒtzt, vor ihm balgen sich einige kleine Kinder. Auf beiden Ansichten variiert die Figurenstaffage etwas; gegenĂŒber Inv.-Nr. 23268 trĂ€gt auf Inv.-Nr. 23269 die auf dem Esel reitende Frau ein Kind auf dem Schoß, der Bauer wird links von einem MĂ€dchen begleitet, vor dem Greis balgen sich nur zwei Kinder, wĂ€hrend das dritte, am Felsen angelehnte Kind ursprĂŒnglich eine eigene Gruppe mit einem MĂ€dchen bildete. Auch ist die allerdings nicht in Aquarell ausgefĂŒhrte LastentrĂ€gerin, die auf Inv.-Nr. 23268 zu San Rocco hinaufsteigt, durch einen kleinen Knaben ersetzt, der zwischen den Felsen auftaucht.
Inv.-Nr. 23269 trĂ€gt unten rechts auf dem Untersatzpapier von fremder Hand die Bezeichnung „letzte Arbeit“, doch muss fraglich bleiben, ob das Blatt wirklich von Erhard stammt. Marleen GĂ€rtner hĂ€lt es fĂŒr eine freie, in der Figurenstaffage verĂ€nderte Kopie von der Hand eines seiner KĂŒnstlerfreunde. TatsĂ€chlich ist Inv.-Nr. 23269 in der Aquarellierung gegenĂŒber Inv.-Nr. 23268 wesentlich undifferenzierter mit einer Tendenz zur FlĂ€chigkeit, wirkt in den Figuren insgesamt steifer und hölzern, die mit den lebendigen Figuren Erhards nichts gemein haben.
Einen Hinweis auf die Autorschaft von Inv.-Nr. 23269 könnte Inv.-Nr. 43927 geben, das auf Transparentpapier als Kopie nach Inv.-Nr. 23268 entstand. Es ist identisch mit einem Blatt aus der Sammlung des Gothaer Erhard- und Kleinsammlers Conrad Jahn, das 1883 zusammen mit anderen Pausen nach Werken Erhards aus dessen Nachlass versteigert wurde: „Am Ausgang der Strasse einer italienischen Stadt mit reicher Staffage. Erhard’s letzte Arbeit. Pause seines Bruders.“ (Anm. 2) Es ist gut vorstellbar, dass die etwas unbedarfte Kopie von Erhards Bruder Benjamin stammt, was auch fĂŒr Inv.-Nr. 23269 gelten könnte.
In unmittelbaren Zusammenhang mit der Ansicht von Olevano steht ein weiteres Blatt in Privatbesitz3, das ebenfalls von fremder Hand die Notiz „letzte Arbeit des Meisters“ trĂ€gt. Auf ihm erscheint die Kirche San Rocco zwar nur angeschnitten am rechten Rand und die Staffage ist gegenĂŒber Inv.-Nr. 23268 verĂ€ndert, doch handelt es sich um eine Vorarbeit zu dem Aquarell.

Peter Prange

1 Arthur Blaschnik, Die kleine Kapelle und die Kirche San Rocco in Olevano, 1853, Bleistift, Aquarell, 288 x 356 mm, Berlin, Staatliche Museen, Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. SZ 1, vgl. Domenico Riccardi: Gli artisti romantici tedeschi del primo Ottocento a Olevano Romano, Mailand 1997, S. 230, Nr. 68, Abb.
2 Vgl. Jahn 1883, S. 71, bei Nr. 1260.
3 Ansicht von Olevano mit Blick auf die Burg, Bleistift, 194 x 276 mm, Privatbesitz, vgl. GĂ€rtner 2012, S. 321, Nr. 551, vgl. auch C. G. Boerner, Leipzig, Lagerliste 41, Leipzig 1928, Nr. 104, Abb. S. 20.

Details zu diesem Werk

Wasserzeichen / Kettenlinien

J WHATMAN

Provenienz

Nachlass des KĂŒnstlers, Rom, 1822; Johann Benjamin Erhard d. J., NĂŒrnberg (Bruder des KĂŒnstlers); von dort erworben durch Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (Lugt 1244); dessen Legat 1863 an die Stadt Hamburg fĂŒr ein zukĂŒnftiges Museum, 1869 der neu eröffneten Kunsthalle ĂŒbergeben (Archiv der Hamburger Kunsthalle, Nachlass Harzen, Inventar Ad: 01: 28, Fol. 779: “Ein feiner Platz in einem GebirgsstĂ€dtchen m Character von Olevano. im Vorgrund eine Frau auf einem Esel mit einem Hunde, balgende Kinder und ein gestandener Greis, im Mittelgrunde eine kleine Capelle vor der ein Landmann mit einem Spaten den Hut zieht und andere Figuren, im Hintergrund die Ruinen eines Castells auf ein Felsengipfel und Gebirgsform. {Bl (durchgestrichen)} Composition; Bleistift u Aquarell angelegt, unvollendet. Br 8.4 H 5.9.“

Bibliographie

Marleen GĂ€rtner: Johann Christoph Erhard (1795-1822). Sein Leben und seine Zeichnungen, Marburg 2013 (sic; 2012), S.135, 163, 320, Nr.550

Domenico Riccardi: Olevano e i suoi pittori. Gli artisti di lingua tedesca (Germania, Austria, Svizzeria) dalla fine del settecento al 1850 nei luoghi dei monti degli equi, Rom 2004, S.211, Abb.Taf. 31 auf S. 210

Deutsche Romantik. Handzeichnungen. Band 1: Carl Blechen (1798-1840) bis Friedrich Olivier (1791-1859), hrsg. von Marianne Bernhard, MĂŒnchen 1973., S.1989, Abb.S. 273

Das Aquarell 1400-1950, Ausst.-Kat. Haus der Kunst, MĂŒnchen u.a. 1972-1973, S.134, Nr.167

Wolf Stubbe: Italienreise um 1800. Aquarelle und Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle 1958, S.31, Nr.157, Abb.S. 29