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Johann Christoph Erhard
Die englische Batterie bei Triest, Oktober 1819
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Johann Christoph Erhard

Die englische Batterie bei Triest, Oktober 1819

Johann Christoph Erhard

Die englische Batterie bei Triest, Oktober 1819

Auf der Überfahrt von Triest nach Ancona benutzte Erhard ein kleinformatiges Skizzenbuch aus hellbraunem Velin, in dem er die EindrĂŒcke der Schiffsreise festhielt. Insgesamt elf BlĂ€tter aus diesem Skizzenbuch befinden sich im Besitz der Hamburger Kunsthalle. Die Reise ging entlang der KĂŒste zunĂ€chst nach Pirano, das er neben einem benachbarten KĂŒstenabschnitt auf dem Verso von Inv.-Nr. 23330 festhielt, und von dort nach Ancona.
Erhard zeichnete auf der Überfahrt aber vor allem Mitglieder der Schiffsmannschaft, die er bei verschiedenen TĂ€tigkeiten beobachtete. Diese detailreichen, genau beobachteten Studien reichen von einem auf einem Anker sitzenden, dabei ein Huhn rupfenden Schiffsjungen (Inv.-Nr. 23072) bis zur Studie eines sich nachdenklich aufstĂŒtzenden Passagiers (Inv.-Nr. 23070), die Erhard fĂŒr eine Radierung verwandte, auf der er sich selbst darstellte.(Anm. 1) Die als Neujahrsgruß zum Jahr 1820 verwandte Radierung zeigt den KĂŒnstler, den Kopf aufgestĂŒtzt, in einer sinnend-nachdenklichen Pose im Typus des Melancholikers.
Neben der Besatzung widmete Erhard der SchiffsausrĂŒstung besondere Aufmerksamkeit, die er teilweise sehr detailliert registrierte. Marleen GĂ€rtner hat darauf hingewiesen, dass eine Anregung zu diesen Studien von Ă€hnlichen Zeichnungen Thomas Enders ausgegangen sein kann, der 1817 auf seiner Überfahrt nach Brasilien auf der Fregatte Austria eine Vielzahl von Matrosengruppen gezeichnet hatte, und die nach Enders RĂŒckkehr 1818 Erhards Bewunderung erregt hatten.(Anm. 2)
Erhard hat das Skizzenbuch auch noch auf dem Weg nach Rom benutzt, wie zwei Studien aus Foligno (Inv.-Nr. 23210) und Otricoli (Inv.-Nr. 23209) erweisen und danach auch noch in Rom, wo er den Ponte Salara (Inv.-Nr. 23208) und das Grabmal Neros (Inv.-Nr. 23207) aufnahm und spĂ€ter ebenfalls fĂŒr Radierungen verwandte. Erhard benutzte das Skizzenbuch von der Abfahrt in Triest bis in die erste Zeit nach seiner Ankunft in Rom im November 1819. WĂ€hrend es sich zeitlich relativ genau bestimmen lĂ€sst, bleibt der Umfang des Skizzenbuchs unklar. Es lassen sich bisher nur elf Seiten diesem Skizzenbuch zuordnen, die bis auf ein um 1909 aus unbekannter Quelle erworbenes Blatt (Inv.-Nr. 43932) alle aus dem Besitz Harzens stammen. Harzen fĂŒhrt in seinem handschriftlichen Inventar, das sich im Archiv des Kupferstichkabinetts befindet, auf fol. 693-694 insgesamt 14 Zeichnungen auf (Anm. 3), doch lassen sich nur zehn identifizieren. Neben den aufgelisteten BlĂ€ttern fĂŒhrt Harzen vier weitere BlĂ€tter auf, von denen sich eines identifizieren lĂ€sst: „Vier MĂ€nner in einem Boot unter einem Molo. Auf der RĂŒckseite die Ansicht einer Kirche zwischen Capo d`Istria und Pirano“; "der Monte [Auslassung Harzen] bey Foligno an dessen Fuße der Fluß in [
] Lauf erscheint“; "Gebirgslandschaft aus derselben Gegend Bey Belfonte“ (Anm. 4) und eine „Wald- und Felsengegend, Gebirge im Hintergrund Bey Otricoli“. Sie lassen sich momentan nicht nachweisen; es ist darĂŒber hinaus anzunehmen, dass sie nicht mehr in Harzens Bestand waren, als dieser 1863 sein Legat an die Stadt Hamburg machte kam.
Ein weiteres Blatt (Inv.-Nr. 43392) mit einer Darstellung von der Überfahrt nach Ancona konnte 1909 aus unbekannter Quelle erworben werden.

Peter Prange

1 Johann Christoph Erhard, Radierung, vgl. Alois Apell: Das Werk von Johann Christoph Erhard, Maler und Radirer, Dresden 1866, S. 99, Nr. 178.
2 GĂ€rtner 2012, S. 116.
3 „14 Bl. sorgfĂ€ltiger Bleistiftstudie auf gelblichem Papier ausgefĂŒhrt, wĂ€hrend der Reise ĂŒber Triest und Ancona nach Rom. Br. 5.10 H. 4.0“, Archiv der Hamburger Kunsthalle, Nachlass Harzen, Inventar Ad: 01: 20, fol. 693-694.
4 Landschaft bei Belfonte, Bleistift, 105 x 156 mm, Hamburg, Hauswedell & Nolte, Auktion 281, 7.6.1990, Nr. 213, Taf. 31, vgl. GĂ€rtner 2012, S. 354, Nr. N 55.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Oben rechts bezeichnet: "Auf der engl. Batterie / bey Triest" (Bleistift); auf dem Verso oben rechts bezeichnet: "Pirano." (Bleistift)

Wasserzeichen / Kettenlinien

[...] LF

Verso

Titel verso: KĂŒstenansicht bei Triest mit der Ortschaft Piarno (in zwei Registern ĂŒbereinander)

Technik verso: Bleistift

Provenienz

Nachlass des KĂŒnstlers, Rom, 1822; Johann Benjamin Erhard d. J., NĂŒrnberg (Bruder des KĂŒnstlers); von dort erworben durch Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (Lugt 1244); dessen Legat 1863 an die Stadt Hamburg fĂŒr ein zukĂŒnftiges Museum, 1869 der neu eröffneten Kunsthalle ĂŒbergeben (Archiv der Hamburger Kunsthalle, Nachlass Harzen, Inventar Ad: 01: 20, Fol. 693: "Dritte Periode wĂ€hrend des Aufenthaltes in Italien. 14 Bl. sorgfĂ€ltiger Bleistiftstudien auf gelblichem papier, wĂ€hrend der Reise ĂŒber Triest und Ancona nach Rom. Br 5.10 H. 4.0 (...) HĂŒgelige Landschaft mit Aussicht auf das Meer. Auf der engl. Batterie bey Trieste")

Bibliographie

Marleen GĂ€rtner: Johann Christoph Erhard (1795-1822). Sein Leben und seine Zeichnungen, Marburg 2013 (sic; 2012), S.291, Nr.400

Johann Christoph Erhard (1795-1822). Der Zeichner, Ausst.-Kat. Germanisches Nationalmuseum NĂŒrnberg 1996., S.198-199, Nr.62, Abb.