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Franz Ludwig Catel
Feier zu Ehren der Siege Napoleon Bonapartes in Italien (FĂȘtes des Victoires) auf dem Marsfeld in Paris am 29. Mai 1796 (10 prairial an IV), 1798/1800
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Franz Ludwig Catel

Feier zu Ehren der Siege Napoleon Bonapartes in Italien (FĂȘtes des Victoires) auf dem Marsfeld in Paris am 29. Mai 1796 (10 prairial an IV), 1798/1800

Franz Ludwig Catel

Feier zu Ehren der Siege Napoleon Bonapartes in Italien (FĂȘtes des Victoires) auf dem Marsfeld in Paris am 29. Mai 1796 (10 prairial an IV), 1798/1800

Aus einem Brief Franz Ludwig Catels vom Januar 1800 an Friedrich Vieweg geht hervor, dass die Zeichnungen der Feste zum Taschenbuch fĂŒr 1802 bereits im Jahre 1800 entstanden, jedoch nicht mehr in Paris, sondern
bereits wieder in Berlin, wohin Catel vor dem 30. Januar, dem Datum des Briefes, zurĂŒckgekehrt sein muss. Da die Stiche nach seinen Vorlagen jedoch in Paris entstehen sollten, bat er den befreundeten Kupferstecher Joseph Ignaz Huber um seine Vermittlung: »Ich bin stark mit den Festen
beschĂ€ftigt. Leider haben noch meine hiesige Einrichtung und das Visiten machen so viel Zeit gestohlen, daß ich jetzt erst wieder recht an die Arbeit komme, ich habe in RĂŒcksicht der in Paris zu stechenden Kupfer beyliegenden Brief Herrn Graveur Huber einem geschickten Kupferstecher dort
geschrieben, der mein sehr guter Freund ist und der Mann ist der diese Commission am besten betreiben kann da er erstens das Fach selbst kennt und zweitens mit allen Pariser Kupferstechern in Verbindung steht. Sie wĂŒrden mich sehr verbinden wenn Sie die GefĂ€lligkeit hĂ€tten und mir hier in
Berlin 20 Carolin auf Abschlag meiner Rechnung anweisen, und zwar wenn es möglich wĂ€re bald weil ich deßen benöthigt bin. / PP. ich bitte den beyliegenden Brief an Herrn Huber zu lesen und an den Stellen wo die Rede vom Preise ist[,] den Sie denen Kupferstechern in Paris fĂŒr die Platte
geben wollten, denselben in meinen Brief an ihn einzurĂŒcken, ich habe Platz dazu gelassen. Ich glaube das ein gescheuter [sic] Kupferstecher nicht unter 10 Carolin eine große Platte stechen kann. Dieß bitte [ich] zu ĂŒberlegen.
[
].« (Anm.1) Die Umsetzung der Vorlagen in Stiche ĂŒbernahmen in der Folge dann Jean Baptist Louis Massard, Clemens Kohl, NoĂ«l Lemire, Philibert Boutrois, G. Texier, Wilhelm Jury und Hieronymus Hess. Welche hohe Bedeutung diesen kleinen Illustrationen innerhalb der Veröffentlichungen beigemessen wurde, zeigen die oft sehr ausfĂŒhrlichen Beschreibungen und ErlĂ€uterungen, die den Kupfern beigegeben wurden oder in ausfĂŒhrlichen
Rezensionen gedruckt wurden. Schon im November 1801 erschien in der Zeitung fĂŒr die elegante Welt eine Besprechung des Taschenbuchs, in der vor allem die Illustrationen Catels hervorgehoben wurden: »Das Taschenbuch fĂŒr
1802, das bei Friedrich Vieweg in Braunschweig erschienen ist, behauptet wegen seiner ausgezeichneten Eleganz einen so hohen Rang unter den ĂŒbrigen vielen TaschenbĂŒchern, womit Monate vorher schon das kommende Jahr begrĂŒĂŸt wird, daß die Z. f. d. eleg. W. darin ihre vollkommene Rechtfertigung findet, wenn sie mit grĂ¶ĂŸerer UmstĂ€ndlichkeit, als
gewöhnlich, ihre Stimme darĂŒber abgiebt. Möge der wĂŒrdige junge KĂŒnstler, der zu dieser seltenen Eleganz das Mehreste beigetragen und den gewiß keine Schmeichelei ehrt, darin Ausdruck ungeheuchelter Achtung erkennen. / Um von den Verzierungen dieses Taschenbuchs zuerst zu sprechen, so
hat die Hand der Kunst so viel dafĂŒr gethan, daß ohne Zweifel das vorzĂŒgliche Interesse auf diesen Theil hinfĂ€llt. Eilf von Franz Catel gezeichnete und von Kohl, Jury und einigen französischen KĂŒnstlern gestochene BlĂ€tter geben eine interessante Reihe von Darstellungen einiger Feste aus verschiedenen
Zeitaltern und von verschiedenen Nazionen, wozu die Idee aus dem bekannten Picart [Anm.: CĂ©rĂ©monies et costumes religieuses de tous le Peuples du Monde. 1745. (8 Tomes in Fol.)], genommen zu seyn scheint. Man muß gestehen, daß fĂŒr die Begrenzung des Raums fast das Unmögliche geschehen, und von dem talentvollen KĂŒnstler in RĂŒcksicht auf schöne Zeichnung, Anordnung und Komposizion Alles und mehr geleistet worden ist, als man unter diesen UmstĂ€nden erwarten sollte.« (Anm.2) Die gesamte Folge der elf dargestellten Feste ist mit solchen teilweise minutiösen Begleittexten ausgestattet, die hier nicht alle abgedruckt werden können.
Das zehnte Blatt der Folge zeigt beispielsweise eine Feier auf dem Marsfeld zu Ehren Napoleons, der Begleittext lautet: »Das zehnte Blatt zeigt das letzte, auf dem MÀrzfelde [sic] zu Paris, unter der Regierung des neufrÀnkischen Direktoriums angestellte Nationalfest. Die BildsÀule
der Freiheit erhebt sich auf einem HĂŒgel in der Mitte des Platzes. An ihr Fußgestell lehnen sich die fĂŒnf Sessel der Direktoren. Von hier aus hĂ€lt der Vorsitzer unter ihnen eine Rede an die Versammlung. Am Fusse des HĂŒgels brennt reichlicher Weihrauch auf einem Altar. Der Zug ist in Bewegung. Ihn eröffnen die MunizipalitĂ€t und die Departements,davon jedem eine Art Standarte vorgetragen wird, welche seine Bestimmung anzeigt. Diesen folgt der Generalstab, die Staatsboten, die Minister, der GeneralsekretĂ€r, die Direktoren, und endlich die Leibwache des Direktoriums. Alle erwĂ€hnten
Staatsbeamten erscheinen in der feierlichen Kleidung ihres Berufs, deren Schnitt und VerhĂ€ltniß, aus vergangenen Jahrhunderten entlehnt, das Auge der Zeitgenossen wie eine fremde Erscheinung anspricht. Um diese bei
den Ministern und Direktoren der Ansicht deutlich zu machen, mußte der KĂŒnstler sich erlauben, die Leibwache im Bilde blos hinterher gehen zu lassen, welche in der Wirklichkeit die genannten Personen so von allen Seiten umgab, daß nur der Zuschauer von oben herab sie erblicken konnte; Zur Linken ist einer der vier Löwen angebracht, welche die Hauptstrasse des MĂ€rzfeldes schmĂŒcken. Im Hintergrunde verbreitet sich das Volk ĂŒber die stufenweise erhöhten Sitze.« (Anm.3) Der Stich nach der Zeichnung Catels wurde von BĂ©atrice de Andia 1989 als Einzelblatt zur KlĂ€rung der AblĂ€ufe dieser Siegesfeier in der französischen Literatur herangezogen,ohne den KĂŒnstler, den Zusammenhang des Blattes mit der Folge und das in Deutschland erschienene Taschenbuch mit den Beschreibungen zu kennen. (Anm.4)
Als ein weiteres Beispiel sei die ErlĂ€uterung zur Predigt am Dekadi vorgestellt (Inv.-Nr. 2017-15), wo neben den ErklĂ€rungen zur Ikonographie auch ĂŒber die Motivation der vom KĂŒnstler gewĂ€hlten Motive und die Gesamtstruktur der Bildfolge zu lesen ist: »Das eilfte Blatt wĂŒnschte der KĂŒnstler, wie er bisher gethan, zum Gegensatz der weltlichen Handlung,die auf dem vorhergehenden abgebildet ist, einer geistlichen zu widmen; doch bot ihm das ungeschaffene Frankreich,statt dieser, nur eine kirchliche dar. Hier schildert er daher die neue innere Beschaffenheit einer alten Kirche, am zehnten Wochentage, Dekadi genannt. Zu dessen BedĂŒrfnissen reicht eine kleine Abtheilung des weiten GebĂ€udes hin. Am Sonntage, wo dort noch im Stillen Messe gelesen wird, wĂŒrde man eine zahlreichere aufmerksamere Versammlung unter dem jetzt leerstehenden SĂ€ulengange, antreffen. Heute sind alle Sinnbilder und Erinnerungen des Christenthums mit dreifarbigen Decken behangen. Die, welche den gekreuzigten Erlöser unter der Kanzel verschleyern soll, hat nicht
anders befestiget werden können, als das seine durchborten HĂ€nde und FĂŒĂŸe, sein mit einer Dornenkrone verwundetes Haupt, sichtbar geblieben sind. Oft scheint das Vergangene ein Vorbild des Jetzigen. Man weiß, in welcher Gesellschaft der schlecht VerhĂŒllte den Opfertod litt. Nun steht ihm zur Linken die BĂŒste Voltaire’s, die man leicht erkennt; zur Rechten Rousseau, den der Kupferstecher, wie leicht geschieht, etwas jugendlich genommen hat. Auf der Kanzel, ĂŒber welcher die rothe MĂŒtze waltet, hĂ€lt ein Munizipalbeamter,so Gott will, eine Rede. Daneben wird die Freiheitsfahne
geschwenkt. Unter der steinernen Freiheitsgöttin, hinter einem mit Blumen bekrĂ€nzten und von Fahnen beschatteten Altar, ĂŒberlĂ€ĂŸt sich die gesammte MunizipalitĂ€t einem erquickenden Schlaf. Ihrem einladenden Beispiele folgen die alten Brautpaare, welche, um getraut zu werden, die Kirche besuchen mußten; der einzige junge BrĂ€utigam, dem es gelang, der Requisition zu entgehn, spricht mit seiner Verlobten, ohne sich um den Redner zu kĂŒmmern. Einige Invaliden hat die Neugier herbeigezogen, einen SacktrĂ€ger
vielleicht eine Bestellung, oder ein Mahnbrief an den, der auf der Kanzel steht. Der goldne Spruch: â€șDraußen sind die Hunde, und die Ehebrecher, und die UebelthĂ€ter.â€č wird auffallend LĂŒgen gestraft; denn sogar der ThĂŒrsteher, welcher Ordnung halten soll, gĂ€hnt ĂŒber dem Stabe, der ihn stĂŒtzt,
und versĂ€umt sein vorzĂŒglichstes GeschĂ€ft, den Hund zu entfernen, der hier Ruhe gesucht und gefunden hat. Nur die an einem Pfeiler des Vorgrundes gelehnte Schildwache, welche sich selbst nicht zu erklĂ€ren weiß, warum die gegenwĂ€rtige Tagesordnung in einem Heiligthume des Friedens Soldaten anstellt, bedient sich eines beliebten Hausmittelchens gegen den einzigen Widersacher, den sie hier zu fĂŒrchten hat, der sich aber freilich, weder durch das spitze noch durch das stumpfe Ende ihres Gewehrs zurĂŒcktreiben lĂ€ĂŸt.
Unbeachtete Gesetztafeln hÀngen an den WÀnden.« (Anm.5)

Amndreas Stolzenburg

1 Brief Franz Ludwig Catels (Berlin, 30. 1. 1800) an Friedrich Vieweg
in Braunschweig, UniversitÀtsbibliothek Braunschweig, Vieweg-Archive,
Sign. VIC:16. Vgl. Andreas Stolzenburg: Illustrationen zum "Taschenbuch von 1802" mit Darstellungen v0on antiken und zeitgenössischen Festen (Panem et Circensem), in: Franz Ludwoig catel. Italienbilder der Romantik, hrsg. v. Andreas Stolzenburg und HUbertus Gaßner, MĂŒnchen 2015, S. 142.
2 Vgl. Zeitung fĂŒr die elegante Welt 1801, S. 1061–1064; hier werden
ebenfalls alle elf Tafeln kurz beschrieben.
3 Anonym, in: Taschenbuch fĂŒr 1802, S. 24. Exemplar der Hamburger
Kunsthalle, Bibliothek im Kupferstichkabinett, Inv.-Nr. kb-2014.1148g
(Abb. 1) erworben vom Antiquariat BĂŒcherwurm, Kiel, aus Mitteln des
Fördervereins »Die Meisterzeichnung. Freunde des Hamburger Kupferstichkabinetts e.V.«
4 Exemplar in Paris, BibliothĂšque nationale de France, Inv.-Nr. M.
103359; vgl. De Andia 1989, Abb. S. 109.
5 Anonym, in: Taschenbuch fĂŒr 1802, S. 26–27.
Abb.

Details zu diesem Werk

Provenienz

England, Privatbesitz; 2007 erworben von Emanuel von Baeyer, London, aus Mitteln der Campe'schen Historischen Kunststiftung.

Bibliographie

Franz Ludwig Catel. Italienbilder der Romantik, hrsg. von Andreas Stolzenburg, Hubertus Gaßner, Ausst.-Kat. Hamburger Kunsthalle 2015, S.434, Nr.17.1, Abb.S. 143

Andreas Stolzenburg: Neuerwerbungen 2005 bis 2007, Kupferstichkabinett (Berichte aus der Hamburger Kunsthalle), in: IDEA. Jahrbuch der Hamburger Kunsthalle 2005 bis 2007 Bremen 2009, S. 194-208, S.196