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Anonym (italienisch, 16. Jh.)
Reliefs von einem Sarkophag,
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Anonym (italienisch, 16. Jh.)

Reliefs von einem Sarkophag,

Anonym (italienisch, 16. Jh.)

Reliefs von einem Sarkophag

Das kĂŒnstlerisch wenig bedeutende Blatt wurde im Kabinett zunĂ€chst als Werk Luca Cambiasos (1527–1585) eingestuft. Da sich jedoch keinerlei zwingende Übereinstimmung mit dessen Zeichenstil nachweisen lĂ€sst, wurde es zu einem unbekannten Zeitpunkt den anonymen Italienern zugeordnet. NĂ€here Zuweisungen per anonymer Karteikartennotiz nach Florenz bzw. mĂŒndlich durch Antonio Morassi zu Perino del Vaga ĂŒberzeugen ebenfalls nicht.(Anm.1) Letzterer ist vor allem zeichentechnisch weitaus qualitĂ€tvoller. Verzeichnete RĂŒckenansichten wie bei der zweiten Figur oben links sind fĂŒr del Vaga kaum vorstellbar. Überzeugender erscheint eine anonyme Notiz in der Photothek des Kunsthistorischen Instituts in Florenz, die auf Marco Marchetti weist. Wenn auch ihm zugewiesene BlĂ€tter vor allem in der Darstellung der Figuren sicherer sind, so erinnert doch zumindest die Art der lockeren StrichfĂŒhrung und Lavierung an diesen KĂŒnstler.
Der dargestellte Sarkophag ist hinsichtlich des Aufbaus und der Ikonographie bemerkenswert. Ungewöhnlich fĂŒr römische Sarkophage ist die Aufteilung der LĂ€ngsseite wie sie auf der Hamburger Zeichnung zu sehen ist. Denn vorherrschend ist dort normalerweise der durchgehende ErzĂ€hlfries, der beim Hamburger Entwurf – auf der Deckplatte erscheint. Die Ikonographie ist eindeutig antikisch beeinflusst, worauf die zahlreichen Meerwesen (Anm.2), die Todesengel und die Einzelszene mit Jupiter und Ganymed hindeuten. Dennoch sind einige Details – wie das sehr dekorative Aufrollen der Schwanzenden der Meerwesen – offensichtlich neuzeitliche Zutat. Schwer zu deuten ist die an Christus erinnernde Halbfigur in der unteren Mitte des LĂ€ngsfeldes. Die unterhalb davon angebrachten Dreizack-Spieße wie auch die Meerwesen könnten Hinweise dafĂŒr sein, dass der Verstorbene beruflich der Seefahrt verbunden war.

David Klemm

1 MĂŒndliche Hinweis beim Besuch des Kabinetts in den 1920er Jahren. Notiz im Archiv des Kupferstichkabinetts.
2 Vgl. Andreas Rumpf: Die Meerwesen auf den antiken Sarkophagreliefs. Die antiken Sarkophagreliefs, hrsg. v. Gerhart Rodenwaldt. FĂŒnfter Band. Erste Abteilung, Berlin 1939.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

((Stempel der Kunsthalle fehlt noch))

Provenienz

Wahrscheinlich Julian Benjamin Williams (1831-1856 Vizekonsul, dann bis 1866 Konsul in Sevilla); Frederick William Cosens (1819-1889), Sevilla; auf dessen Nachlaßauktion bei Sotheby's London am 11.11.1889 erworben vom Londoner KunsthĂ€ndler Bernard Quaritch (1819-1899); 1891 von diesem von der Kunsthalle mit einem Konvolut mehrerer BlĂ€tter erworben.

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.421, Nr.656