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Anonym (italienisch, 16. Jh.), Zeichner Giulio Romano (Umkreis), Zeichner, ehemals zugeschrieben
Das Pferd Bukephalos wird von Soldaten bestaunt,
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Anonym (italienisch, 16. Jh.), Zeichner Giulio Romano (Umkreis), Zeichner, ehemals zugeschrieben

Das Pferd Bukephalos wird von Soldaten bestaunt,

Anonym (italienisch, 16. Jh.), Zeichner Giulio Romano (Umkreis), Zeichner, ehemals zugeschrieben

Das Pferd Bukephalos wird von Soldaten bestaunt

Die Zeichnung wurde bislang als Darstellung des „Trojanischen Pferdes“ gedeutet. Die Soldaten mĂŒssten demnach als Trojaner identifiziert werden, die aus ihrer Stadt herausgekommen sind, um das von den Griechen zurĂŒckgelassene hölzerne Pferd zu bestaunen.
Vergleicht man die Szene mit Bildlösungen von Giulio Romano, NicolĂČ dell’Abate, Francesco Primaticcio oder Luca Penni, so fĂ€llt auf, dass auf dem Hamburger Blatt vor allem die fĂŒr das Gelingen der List der Griechen notwendige Schiebevorrichtung fehlt.(Anm.1) Zudem ist bei all diesen KĂŒnstlern das GrĂ¶ĂŸenverhĂ€ltnis zwischen Pferd und Kriegern realistischer wiedergegeben.
Generell ist das Thema des Trojanischen Pferdes in der italienischen Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts relativ selten dargestellt worden.(Anm.2) Dies mag mit dem wenig rĂŒhmlichen Verhalten der spĂ€teren GrĂŒnder des römischen Reiches zusammenhĂ€ngen. Vor diesem Hintergrund wĂ€re auch denkbar, dass das Hamburger Blatt keine Illustration der Ilias darstellt, sondern eine Begebenheit aus dem Leben Alexanders des Großen zeigt. Das Pferd wĂ€re demnach als das edle Ross Bukephalos zu interpretieren, das von vielen Griechen bestaunt wird, ohne dass sich einer von diesen traut, es zuzureiten. Diese Aufgabe bliebe Alexander, der möglicherweise in der im Hintergrund hervorgehobenen Reiterfigur zu erkennen ist. Die ZĂ€hmung des Tieres wĂ€re dann in einer zweiten Graphik, vgl. z. B. Leon Davents Bildlösung, dargestellt worden.(Anm.3)
Das Blatt wurde bislang der Schule Giulio Romanos zugeordnet, was vor allem auf die vermeintliche, weil falsch geschriebene Signatur an einem antiken Fragment am rechten Bildrand zurĂŒckzufĂŒhren sein dĂŒrfte. Zeichnungen aus dem Umkreis Giulios sind jedoch qualitĂ€tvoller.

David Klemm

1 Giulio Romano u. Mitarbeiter, „Die Errichtung des Trojanischen Pferdes“, Mantua, Palzzo del Te, Sala di Troia; vgl. Frederick Hartt: Giulio Romano, 2 Bde., New Haven 1958, II, o. S., Abb. 400; NicolĂČ dell’Abate, „Einzug des Trojanischen Pferdes“, Modena, Galleria Estense, Inv.-Nr. 601, vgl. NicolĂČ dell’Abate. Storie dipinte nella pittura del cinquecento tra Modena e Fontainebleau, hrsg. v. Sylvie BĂ©guin u. Francesca Piccinini, Ausst.-Kat. Modena, Foro Boario, Modena 2005, S. 268; Giulio Bonasone nach Francesco Primaticcio, „Der Einzug des hölzernen Pferdes“, The Illustrated Bartsch 28 (15), 85 (134); Anonym nach einem Luca Penni zugeschriebenen Entwurf, vgl. The Illustrated Bartsch 33 (16), 45 (394).
2 Vgl. Anton Pigler: Barockthemen. Eine Auswahl von Verziechnissen zur Ikonographie des 17. und 18. Jahrhunderts, 3 Bde., 2. erweiterte Aufl., Budapest 1974, II, S. 345–346.
3 Vgl. The Illustrated Bartsch 33 (16), 121-I (314).

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Unten rechts im Steinfragment bezeichnet: "M: D: GULIO[!]. F..[?]" (Feder in Braun); auf dem Verso Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1233)

Provenienz

Ludwig Hermann Philippi (1848-1908), Hamburg (L. 1335); Legat Philippi an die Hamburger Kunsthalle 1908

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.416, Nr.643