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Anonym, 2. Drittel 16. Jahrhundert (italienisch)
Hl. Thomas,
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Anonym, 2. Drittel 16. Jahrhundert (italienisch)

Hl. Thomas,

Anonym, 2. Drittel 16. Jahrhundert (italienisch)

Hl. Thomas

Die Figur des Heiligen Thomas ist von einer starken körperlichen PrĂ€senz, die an DĂŒrers Darstellungen der Apostel Simon, BartholomĂ€us, Thomas und Paulus erinnert.(Anm.1) Gut vergleichbar ist vor allem die PlastizitĂ€t der GewĂ€nder. Noch stĂ€rkerer Einfluss geht von den von Raffael geprĂ€gten Aposteldarstellungen Marco Dentes bzw. Marc Antonio Raimondis aus. Ähnlichkeiten sind vor allem in Kopftypus und Haltung zu beobachten.(Anm.2)
Die Zeichnung dĂŒrfte demnach wohl im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts entstanden sein. Sie wurde aufgrund einer alten Inschrift und Harzens EinschĂ€tzung in Hamburg seit jeher Baldassare Peruzzi zugeschrieben. Diese Ansicht lĂ€sst sich jedoch – wie zuletzt Achim Gnann bestĂ€tigte – nicht aufrecht erhalten.(Anm.3) Die genaue Wiedergabe ohne erkennbare grĂ¶ĂŸere Pentimenti deutet auf eine Kopie vielleicht nach einem nicht nachweisbaren Vorbild hin.
Die Ikonographie des Blattes ist insofern bemerkenswert, als dass Thomas zumeist beim BerĂŒhren der Wundmale Christi oder mit seinem Marterwerkzeug, der Lanze, abgebildet wird. Das Winkelmaß deutet dagegen auf die legendĂ€re TĂ€tigkeit des Heiligen in Indien hin, wo er als Baumeister von König Gundaphar (Gundophor) tĂ€tig gewesen sein soll.

David Klemm

1 The Illustrated Bartsch 10 (7), 49 (66); ebd. 47 (65); ebd. 48 (66); ebd. 50-II (67).
2 The Illustrated Bartsch 26 (14), 64 (74) - 91 (82).
3 Mitteilung per E-Mail auf der Grundlage einer Digitalphotographie, 28.2.2007.

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Mit Rahmung versehen; unterhalb des Blattes auf dem Karton unten links bezeichnet: "Baldassare Peruzzi fec." (Bleistift, durchgestrichen); auf dem Verso oben links nummeriert: "N.1." (Feder in Dunkelbraun); bezeichnet: "T. R."[?] (Feder in Dunkelbraun); in der Mitte nummeriert: "N. 13" (Bleistift, unterstrichen); unterhalb davon: [drei Buchstaben, nicht eindeutig zu entziffern]; im unteren Bereich in der Mitte Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1328); unten links: Stempel eines anonymen Sammlers (L. dee

Provenienz

Anonyme Sammlung (s. Stempel verso unten links); von Georg Ernst Harzen (1790-1863), Hamburg (L. 1244) 1820 in Rom aus unbekannter Quelle erworben (NH Ad : 02 : 01, S. 217); NH Ad : 02 : 01, S. 217 (als Baldassare Peruzzi); NH Ad : 01 : 03, fol. 102 (als Baldassare Peruzzi): "St Thomas in einen weiten Mantel gehĂŒllt mit Buch und Winkelhaken in den HĂ€nden. Sehr edel und ganz in Rafaels Geiste sorgfĂ€ltig und bestimmt mit der Feder gezeichnet und in Bister beendigt. 6.9. 13.6"; Legat Harzen 1863 an die "StĂ€dtische Gallerie" Hamburg; 1868 der Stadt ĂŒbereignet fĂŒr die 1869 eröffnete Kunsthalle

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.398, Nr.604

Wilhelm Koopmann: Einige weniger bekannte Handzeichnungen Raffaels, in: Jahrbuch der Königlich Preußischen Kunstammlungen 12, 1891, S. 40-49, S.47