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Anonym, 18. Jahrhundert (?), italienisch(?) Corrado Giaquinto, ehemals zugeschrieben
Alarichs Leichenzug,
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Anonym, 18. Jahrhundert (?), italienisch(?) Corrado Giaquinto, ehemals zugeschrieben

Alarichs Leichenzug,

Anonym, 18. Jahrhundert (?), italienisch(?) Corrado Giaquinto, ehemals zugeschrieben

Alarichs Leichenzug

Die Zeichnung zĂ€hlt zu den rĂ€tselhaftesten unter den italienischen BlĂ€ttern im Bestand des Kupferstichkabinetts. Sie weist eine alte Zuschreibung an den sĂŒditalienischen KĂŒnstler Corrado Giaquinto (ca. 1694–1765) auf. Diese ist jedoch wegen dessen gĂ€nzlich anderem Zeichenstil nicht haltbar. Eine italienische Herkunft ist aber aufgrund der sehr gekonnten Figurendarstellung und der effektvollen und geschickten Anordnung des langen Zuges sehr gut vorstellbar. Eine genauere Zuordnung ist bisher nicht gelungen.
Die dargestellte Szene kann anhand der alten Beschriftung plausibel gedeutet werden. Demnach handelt es sich um den Leichenzug des westgotischen Königs Alarich I. Dieser hatte 410 n. Chr. Rom erobert. UnverzĂŒglich brach er nach SĂŒditalien auf, um seinen Siegeszug in Sizilien und Afrika fortzusetzen. Doch schon in Cosenza in Kalabrien ereilte ihn der Tod. Seine Untertanen wollten seine Leiche vor einer SchĂ€ndung durch die Römer schĂŒtzen; dafĂŒr leiteten sie der Überlieferung nach den Fluss Busento um und ließen tief im Flussbett ein Grab errichten. SpĂ€ter wurde der Fluss wieder zurĂŒckgeleitet, sodass das Grab in den Fluten verschwand. Die Zeichnung zeigt den Leichenzug, der – wie die Fackeln andeuten – aus GrĂŒnden der Geheimhaltung nachts stattfand.
Eine andere Darstellung der Szene vor 1800 ließ sich nicht nachweisen. Im 19. Jahrhundert genoss das Sujet nicht zuletzt durch das Gedichts „Das Grab im Busento“ von August von Platen grĂ¶ĂŸere PopularitĂ€t. Es ist nicht auszuschließen, dass auch die vorliegende Zeichnung im 19. Jahrhundert entstanden ist. Hierauf deutet nicht zuletzt der theatralische Gesamteindruck der Komposition wie auch die Gestik der Einzelfiguren hin. Vor diesem Hintergrund ist auch eine Entstehung der Zeichnung in Nordeuropa denkbar.

David Klemm

Details zu diesem Werk

Beschriftung

Auf dem Verso am rechten Rand nummeriert: "77 3" (Feder in Braun); unten rechts bezeichnet: "La mort d'Alarich." (Bleistift); unterhalb davon bezeichnet: "Giaquinto Corrado" (Feder in Braun); unten rechts: Stempel der Hamburger Kunsthalle (L. 1233)

Provenienz

Ludwig Hermann Philippi (1848-1908), Hamburg (L. 1335); Legat Philippi an die Hamburger Kunsthalle 1908

Bibliographie

David Klemm: Italienische Zeichnungen 1450-1800. Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle, Die Sammlungen der Hamburger Kunsthalle Kupferstichkabinett, Bd. 2, Köln u. a. 2009, S.459, Nr.759