Vorschau

TOYEN

Toyen (1902-1980) um 1919, Fotograf*in unbekannt

Presseinformation

Die Hamburger Kunsthalle konzipiert und prĂ€sentiert die erste Einzelausstellung der bedeutendsten und einflussreichsten tschechischen KĂŒnstlerin des 20. Jahrhunderts in Deutschland: Das faszinierende und vielschichtige ƒuvre von TOYEN (Marie ČermĂ­novĂĄ, *1902 in Prag, †1980 in Paris) nimmt eine einzigartige Stellung in der von MĂ€nnern dominierten Kunstszene der tschechischen Avantgarde ebenso wie im internationalen Surrealismus ein. Die KĂŒnstlerin wirkte bis in die 1970er Jahre innovativ. Ihre poetischen wie provokanten Bilder oszillieren zwischen RealitĂ€t und Imagination, VerfĂŒhrerischem und AbgrĂŒndigem und prĂ€gen sich tief in das GedĂ€chtnis ein.

FĂŒr die umfangreiche erste monografische Vorstellung des GrĂŒndungsmitglieds der Surrealist*innengruppe der ehemaligen Tschechoslowakei werden 300 Exponate aus allen Schaffensphasen zusammengetragen: Über 120 GemĂ€lde, 80 Zeichnungen, Collagen, Illustrationen, Druckgraphiken, illustrierte BĂŒcher sowie eine Vielzahl von bislang unbekannten Dokumenten – KĂŒnstler*innenbriefe, Gemeinschaftswerke und Fotografien – geben tiefe Einblicke in TOYENs außergewöhnliches Werk und Leben. Anhand dieser vielzĂ€hligen Medien werden auch ihre grenzenverschiebenden Kombinationen von Ausdrucksmitteln deutlich, von Malerei und Collage, Poesie und Illustration. Ihre neuartigen Verfahrensweisen und Motive bereichern den Surrealismus auf einzigartige Weise. Durch einzelne GegenĂŒberstellungen mit ausgewĂ€hlten Werken ihrer WeggefĂ€hrten des tschechischen wie internationalen Surrealismus wie Jindƙich Ć tyrskĂœ, Jindƙich Heisler, Salvador DalĂ­ oder Yves Tanguy macht die Ausstellung zudem TOYENs internationale Verortung und ihr Netzwerk anschaulich.

TOYEN wirkte schon frĂŒh als Pionierin in ihrer Heimatstadt Prag, schuf eindringliche Werke unter der deutschen Besatzungszeit der Tschechoslowakei und entwickelte ihr ƒuvre ab 1947 im Pariser Exil immer weiter. KĂŒnstlerisch und politisch engagiert, hinterfragte sie sĂ€mtliche Kategorisierungen. Um Geschlechterklischees zu umgehen wĂ€hlte Marie ČermĂ­novĂĄ mit 21 Jahren das Pseudonym TOYEN, welches sie vom Französischen »Ci-TOYEN« (BĂŒrger*in) ableitete. Vorgegebene Zuschreibungen, seien es solche gĂ€ngiger Geschlechterrollen, vorherrschender Stile, Themen oder Techniken, kĂŒndigte die lebenslange GrenzgĂ€ngerin in Kunst wie im Leben auf.

Die Hamburger Kunsthalle erkundet TOYEN aus heutiger Sicht, da die von ihr kĂŒnstlerisch thematisierten Fragen nach Freiheit, nach politischer, sexueller und kĂŒnstlerischer IdentitĂ€t und dem Ausloten von gesellschaftlich vorgegebenen Grenzen heute wieder besonders aktuell scheinen. Die Schau fĂ€chert das ƒuvre chronologisch auf, mit thematischen Schwerpunkten zu zentralen Themen wie Erotik, Revolte, Traum, Humor und Alchemie.

Die erstmalig in diesem Umfang zusammengetragenen Leihgaben stammen aus großen europĂ€ischen Museen, wie dem Moderna Museet Stockholm, dem Centre Georges Pompidou Paris, dem MusĂ©e d’Art Moderne de Paris, dem MusĂ©e d’Art et d’Histoire de Saint-Denis, der Nationalgalerie Prag und weiteren tschechischen Museen. Eine Vielzahl von Werken stammt aus verborgenen französischen und tschechischen Privatsammlungen, die sich teils erstmals von den Arbeiten trennen.

Die ĂŒber sechzig Jahre lang schöpferische KĂŒnstlerin, die in ihrer Jugend frĂŒhe Erfolge gefeiert hatte, geriet in den letzten 20 Jahren ihres Lebens in Vergessenheit. 2000 fand in ihrer Heimat die erste große monographische Ausstellung statt. Doch außerhalb Tschechiens und vor allem in Deutschland ist TOYEN selbst in Fachkreisen kaum bekannt. Die Ausstellung TOYEN ist ein von der Hamburger Kunsthalle initiiertes Kooperationsprojekt, das die KĂŒnstlerin in Zusammenarbeit mit der renomierten Nationalgalerie in Prag (8. April bis 15. August 2021) und dem MusĂ©e d'Art Moderne de Paris (25. MĂ€rz bis 24. Juli 2022) vor-stellt. Ziel ist es, TOYENs Platz in der Kunstgeschichte zu sichern sowie die internationale Entdeckung ihres ƒuvres durch ein breites Publikum zu ermöglichen. Damit setzt die Kunsthalle auch ihre lose Folge von (Wieder-)Entdeckungen von KĂŒnstlerinnen fort.

Begleitend zur Ausstellung erscheint der erste international erarbeitete, umfassende und reich illustrierte Katalog zur KĂŒnstlerin auf Deutsch (auch als englisch-, tschechisch- und französischsprachige Ausgabe) mit zahlreichen neuen Forschungsergebnissen von international renommierten Expert*innen.

 

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der tschechischen und der französischen Botschaft.

In Kooperation mit: MusĂ©e d’Art Moderne de Paris, Paris MusĂ©es, Nationalgalerie Prag 

Gefördert von: Freunde der Kunsthalle e. V. , Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds, Behörde fĂŒr Kultur und Medien Hamburg

Kulturpartner: NDR Kultur
Medienpartner: Hamburger Abendblatt