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Philippe Vandenberg

Kamikaze
Philippe Vandenberg in seinem Atelier in Brüssel / in his studio in Brussels, 2008. © Estate Philippe Vandenberg. Foto: JP Stoop

Presseinformation

Philippe Vandenberg. Kamikaze
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Die Hamburger Kunsthalle zeigt die bisher größte Werkschau Philippe Vandenbergs (1952–2009) und die zugleich erste Museumsausstellung des flämischen Künstlers in Deutschland. In seinem Heimatland Belgien als einer der wichtigsten Künstler der letzten Jahrzehnte sehr geschätzt, gilt es sein radikales und schonungsloses Œuvre international noch zu entdecken. Die groß angelegte Schau präsentiert rund 80 Bilder und 120 Zeichnungen/Druckgraphiken aus den Jahren 1993 bis 2009. Viele Exponate stammen aus dem Nachlass des Künstlers und sind das erste Mal überhaupt ausgestellt.

Vandenbergs Kunst ist geprägt von einer großen Intensität, die verstörend und anregend zugleich ist. Der Ausstellungstitel Kamikaze verweist auf ein zentrales künstlerisches Prinzip des Künstlers. Kamikaze bedeutete für ihn kreative Zerstörung, d.h. ein Ermöglichen von Neuem auf der Grundlage der Vernichtung des Alten. Dieses Prinzip findet sich in Philippe Vandenbergs malerischem und zeichnerischen Werk in vielfältiger Weise: in zahlreichen stilistischen Brüchen, in den Prozessen des Übermalens und des Abschabens bestehender Bilder, in Kamikaze als geschriebenem Wort beziehungsweise in seiner rätselhaften Abkürzung »K.A.« oder »KA.M.« sowie in vielen Bildmotiven und wiederkehrenden Zeichen, die das Spannungsfeld von Zerstörung und Erschaffung/Neuanfang öffnen. Hierzu gehören beispielweise das Motiv der brennenden Mönche (des politischen Protestsuizids durch Selbstverbrennung) oder auch das Element der Swastika, das als antikes Sonnensymbol durch eine Kippbewegung zum Zeichen der Vernichtung – zum Hakenkreuz – wird. Es sind Themen des aktuellen Weltgeschehens, aus Literatur und Kunstgeschichte, Mythen und Sagen, die Vandenbergs Kunst durchziehen. Bezeichnend für Vandenbergs Werk sind jedoch immer die extremen Gegensätze, denen der Mensch ausgesetzt ist und denen Vandenberg sich widmet: der Gleichzeitigkeit von Liebe und Hass, Schönheit und Hässlichkeit, Unschuld und Schuld.

Der aus dem Japanischen stammende Begriff Kamikaze (auf Deutsch »göttlicher Wind«) steht für eine japanische Luftangriffstechnik im Zweiten Weltkrieg und auch für selbstschadende Handlungen. Voraussetzung für die Anwendung des Kamikaze-Prinzips war für Vandenberg ein radikaler Richtungswechsel, und vor allem die Beweglichkeit des Denkens, die er als Geisteshaltung vehement einforderte: »[...] to destroy your own thinking is equally important. You have to stay mobile, abso-lutely mobile! ([...] dein eigenes Denken zu zerstören, ist ebenso wichtig. Man muss beweglich bleiben, absolut beweglich!)«.


Mit Philippe Vandenberg. Kamikaze setzt die Kunsthalle ihre Reihe der monographischen Ausstellungen (wie zuletzt zu Eva Hesse, Gego 2013/14 und Geta Brătescu 2016) fort, mit der sie das Werk bisher wenig beachteter zeitgenössischer Künstler_innenpersönlichkeiten vorstellt.

Eine umfangreiche Publikation (dt./engl./franz., ca. 100 Abbildungen, 272 Seiten, Uitgeverij Kannibaal Verlag, Belgien, 2018) u.a. mit Texten von Harald Falckenberg, Josephine Karg, Brigitte Kölle, Felicity Lunn, Johannes Muselaers und Marek Wieczoreck begleitet die Ausstellung. Der Katalog ist im Museumsshop (29 Euro) erhältlich und kann online über www.freunde-der-kunsthalle.de bestellt werden.

In der Ausstellung ist erstmalig ein eigens für die Schau produzierter Film L’important c’est le kamikaze (Dauer ca. 18 Minuten) der Filmemacher Guillaume Vandenberghe (Sohn von Philippe Vandenberg) und Neel Cockx zu sehen.                                                                 

Die Ausstellung wird anschließend im Pasquart Kunsthaus in Biel/Bienne (Schweiz) gezeigt.

Die Ausstellung wird gefördert von der Regierung Flanderns und der Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg. Hinzu kommt die Förderung der Deutschen Bank, die seit 2015 jährlich zwei Ausstellungen im Bereich Sammlung Kunst der Gegenwart in der Hamburger Kunsthalle unterstützt.