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OUT OF SPACE

Robert Morris (1931–2018) Untitled, 1968 Streck-Aluminium, 16 Teile, je 124 x 130 x 16 cm Hamburger Kunsthalle, Schenkung Susanne & Michael Liebelt, Hamburg © VG Bild-Kunst, Bonn 2021 Foto: Olaf Pascheit

Presseinformation

Mit OUT OF SPACE untersucht die Hamburger Kunsthalle, wie KĂŒnstler*innen seit den 1960er Jahren bis heute »Raum« definieren und konstruieren: Positionen der Minimal Art und der Konzeptkunst werden dazu in einen Dialog mit Arbeiten jun­ger zeitgenössischer KĂŒnstler*innen gebracht, die mit ihren Werken eine Ausein­an­dersetzung mit dem physischen Raum im Angesicht des Digitalen erfahrbar machen. Ausgangspunkt der Ausstellung ist die performative Arbeit Untitled (1968) von Robert Morris – einem der wichtigsten Vertreter des Minimalismus: 16 im Raum angeordnete Aluminiumgitter können wie ein Labyrinth begangen werden, was die Besucher*innen selbst zum Gegenstand der Betrachtung und damit zum Teil der Installation macht. Das zentrale Werk ist eine aktuelle Schen­kung von Susanne und Michael Liebelt, Hamburg, aus dem Jahr 2020 an die Ham­burger Kunsthalle. Neben ihr sind weitere neueste Schenkungen und AnkĂ€ufe erstmalig zu sehen. Insgesamt werden (Raum-)Installationen, Skulpturen und Videos von rund 20 internationalen KĂŒnstler*innen in vier Themenkomplexen prĂ€sentiert: Der eigene Körper als Medium der Raumwahrnehmung; Raum in seiner (multimedialen) Erweiterung; Raum als Sinneserfahrung; Raum als Me­dium der Architektur.

Prof. Dr. Alexander Klar, Direktor der Hamburger Kunsthalle: »Die Aus­stellung OUT OF SPACE wurde initiiert durch die Schenkung des Werkes Untitled (1968) von Robert Morris durch Susanne und Michael Liebelt. Wie gut diese zen­trale Arbeit von Morris in die Hamburger Kunsthalle passt, kann man an der Wir­kung nachvollziehen, die sie im Raum der Galerie der Gegenwart entfaltet. Die in dieses Werk eingeschriebene Beziehung zwischen Kunst, Raum und Betrachter*in ist ein wesentliches Anliegen der Hamburger Kunsthalle.«

Unter den ausgestellten Arbeiten sind sowohl Werke aus der Sammlung der Kunst­halle sowie Leihgaben von jungen KĂŒnstler*innen aus Hamburg, Köln und Berlin, die teils eigens fĂŒr OUT OF SPACE entstanden sind: Die digitalen Arbeiten von Armin Keplinger (*1982) und Manuel Rossner (*1989) ermöglichen den Be­sucher*innen, sich mit VR (Virtual Reality)-Brillen in virtuellen Erweiterungen der MuseumsrĂ€ume zu bewegen. Keplinger stellt seiner physisch im Ausstellungs­raum existierenden Skulptur einen digitalen Körper gegenĂŒber, der die bildhaue­rischen Möglichkeiten des virtuellen Raumes erkundet. Die ortsspezifische Virtual-Reality-Installation von Rossner – aktueller TrĂ€ger des Fellowships der Philipp Otto Runge Stiftung – lĂ€sst die Besucher*innen in eine aufwendig simulierte digitale Version der Galerie der Gegenwart eintauchen und erkunden. Hier wird deutlich: Der Raum scheint gleich – die Art und Weise, wie Kunst in ihm wahrgenommen und wie mit ihr interagiert wird, unmittelbar anders. Die PerformancekĂŒnstlerin Angela Anzi (*1981) lĂ€sst starre, turmartige Tongebilde in den Raum ragen, deren eingebaute Subwoofer (Lautsprecher) nicht wahrnehmbare Sinustöne pro-duzieren, die vibrie­rend im Raum Objekt und Klang verschmelzen lassen und Raum körperlich spĂŒr­bar machen. Jacqueline Hen (*1989) zeigt mit ihrer raum­greifenden Lichtin­stallation wie Wahrnehmungen in Grenzbereiche gefĂŒhrt und inwieweit rĂ€umliche Installationen Be­wusstseinszustĂ€nde beeinflussen können.

Noch bevor mit dem Spatial Turn Ende der 1980er Jahre RĂ€ume nicht nur in physischen und geographi­schen Kategorien begriffen, sondern auch als soziale Konstrukte und gesellschaftliche Ordnungen definiert wurden, untersuchten die amerikanischen Minimalisten mit reduzierten Formensprachen die Interaktion von Raum, Objekt und Akteur*innen. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Leben unaufhaltsam ins Digitale verlagert und den Raumbegriff drastisch verĂ€ndert und erweitert: Raum wird heute nicht nur zu­neh­mend medial, sondern vor allem digital konstruiert. Gleiches gilt fĂŒr die Kunst: Ob Installation, Perfor­mance oder selbst die Malerei – viele kĂŒnstlerische Felder setzen sich nicht nur seit Jahren mit der digita­len Welt auseinander, viele sind lĂ€ngst selbst digital und ĂŒber das eigene Smartphone erfahrbar – ĂŒberall und jederzeit. Das ist nicht nur fĂŒr Betrachter*innen und KĂŒnstler*innen gleichermaßen Chance und He­raus­forderung – auch fĂŒr Museen: Der KĂŒnstler Manuel Rossner schenkt der Hamburger Kunsthalle die Arbeit How did we get here? (2021). Erstmalig in der Sammlungsgeschichte geht damit ein NFT (Non-Fungible Token) in die Sammlung ĂŒber.

DarĂŒber hinaus gibt es auch fĂŒr Besucher*innen der Ausstellung die Mög­lich­keit, EigentĂŒmer*in eines NFTs von Manuel Ross­ner zu werden: Der KĂŒnstler vergibt 15 NFTs, versteckt in seiner digitalen Arbeit, die ĂŒber die App der Ham­burger Kunsthalle erlebt weden kann. Ebenso können sich die Besucher*innen mit der App beim Erkunden der Aus­stel­lung von einer rein audiovisuellen Tour begleiten lassen. Zudem werden – direkt ausgehend von OUT OF SPACE – gefĂŒhrte Touren zu ausgewĂ€hlten Kunstwerken im öffentlichen Raum angeboten, die sich in unmittelbarer NĂ€he zur Galerie der Gegenwart im Stadtraum befinden.

 

Beteiligte KĂŒnstler*innen: JĂŒrgen Albrecht, Angela Anzi, Cabrita, Dan Graham, Jacqueline Hen, Armin Keplinger, Hubert Kiecol, Jan Köchermann, Axel Loytved, Gordon Matta-Clark, Robert Morris, Bruce Nauman, Charlotte Posenenske, Manuel Rossner und Monika Sosnowska.


Gefördert von: Philipp Otto Runge Stiftung, Kunst- und Literaturstiftung Petra und K-H Zillmer, Hamburgische Kulturstiftung