Vorschau

Max Beckmann

weiblich-mÀnnlich
Max Beckmann (1884–1950)  Odysseus und Kalypso, 1943  Öl auf Leinwand, 150 x 115,5 cm  Hamburger Kunsthalle / bpk  © VG Bild-Kunst, Bonn 2019  Foto: Elke Walford

Presseinformation

Max Beckmann. weiblich–mĂ€nnlich untersucht erstmals die zahlreichen, oft widersprĂŒchlichen Rollen von Weiblichkeit und MĂ€nnlichkeit in den Werken von Max Beckmann (1884–1950), einem großen KĂŒnstler der Moderne und kraftvollen Interpreten seiner Zeit. Mit rund 150 GemĂ€lden, Plastiken und Arbeiten auf Papier zeigt die Ausstellung die eindrucksvolle Breite des Themas und ermöglicht ein tieferes VerstĂ€ndnis von Beckmanns facettenreicher Kunst. Wichtige Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen im In- und Ausland – darunter der Nachlass Beckmann, das Saint Louis Art Museum, die Harvard Art Museums und das Stedelijk Museum in Amsterdam – ergĂ€nzen den umfangreichen Beckmann-Bestand der Hamburger Kunsthalle.

Die Ausstellung befragt Beckmanns Bilder sowohl auf ihre historische Bedeutung als auf ihre AktualitĂ€t fĂŒr unsere Zeit. Seine prĂ€gnanten Selbstdarstellungen, seine Doppelbildnisse mit den Ehefrauen, die reprĂ€sentativen PortrĂ€ts seiner Förderer und MĂ€zeninnen sowie mythologische und biblische Figurenbilder machen Grundkonstanten menschlichen Zusammenseins eindrucksvoll erfahrbar: Sie zeigen Begehren, Hingabe und Widerstreit, Macht und Ohnmacht, Freiheitsdrang und Verschmelzung.

Beckmann schrieb Geschlechterrollen fest und öffnete sie zugleich, er fand Zartheit in Frauen- und in MĂ€nnerfiguren, Schlagkraft in der Heldin wie im Helden. Fasziniert von den Mythen verschiedenster Kulturen, kannte er die uralte Vorstellung, dass Frau und Mann aus einem einzigen, androgynen Geschlecht hervorgingen, nach dessen Einheit man sich auf ewig zurĂŒcksehnt. DarĂŒber hinaus las und kommentierte er zeitgenössische, bis heute diskutierte Schriften von Carl Gustav Jung und Otto Weininger, die IndividualitĂ€t als Verbindung von weiblichen und mĂ€nnlichen Anteilen erklĂ€rten. Von sich selbst zeichnete Beckmann aber gern das Bild eines mannhaft entschlossenen Weltendeuters, das bis heute die Wahrnehmung seines Werks dominiert und sich einem offeneren VerstĂ€ndnis seiner vielschichtigen Kunst entgegenstellt.

Die Ausstellung wird von einem reich bebilderten wissenschaftlichen Katalog (Prestel Verlag, MĂŒnchen), von einem Audioguide und regelmĂ€ĂŸigen thematischen FĂŒhrungen (samstags um 15 Uhr) begleitet. Eine multiperspektivische Betrachtungsweise und der gemeinsame Dialog vor Ort in der Ausstellung zwischen der Kuratorin, weiteren Expert*innen (z. B. der Genderforschung) und den Besucher*innen stehen im Zentrum des Vermittlungsangebots. Seminare zur Verkostung von Champagner, dem LieblingsgetrĂ€nk Beckmanns, runden das Programm ab.

Die Ausstellung Max Beckmann. weiblich–mĂ€nnlich bildet im Jahr 2020 einen Höhepunkt im Programm der Hamburger Kunsthalle. Sie fĂŒhrt eine Reihe vielbeachteter PrĂ€sentationen zur Kunst Beckmanns fort, darunter Selbstbildnisse (1993), Landschaft als Fremde (1998) und Max Beckmann. Die Stillleben (2014).

 

Gefördert von: Behörde fĂŒr Kultur und Medien Hamburg, Freunde der Kunsthalle e. V., Martha Pulvermacher Stiftung