Paul Thek (1933-1988)

Die Hamburger Kunsthalle hat mit einer Schenkung von vier Werken des amerikanischen KĂŒnstlers Paul Thek (1933–1988) eine ihrer bedeutendsten Neuerwerbungen der letzten Jahre von einer Unternehmerfamilie erhalten. Das Hauptwerk darunter, A Station of the Cross [Kreuzwegstation] von 1972, ist die einzige vollstĂ€ndig erhaltene Rauminstallation des Malers und ObjektkĂŒnstlers. DafĂŒr wandelte er das BĂŒgelzimmer im Wohnhaus einer Sammlerin in eine Kapelle um. Zu der Neuerwerbung gehören auch die drei Skulpturen Dove – Procession [Taube – Prozession] von 1968, Chair – Procession (Chair with Meat Piece) [Stuhl – Prozession (Stuhl mit FleischstĂŒck)] von 1968 und Hand – Technological Reliquaries [Hand – Technologische Reliquare] von 1966/67. Die umfangreiche Schenkung, die durch Harald Falckenberg vermittelt wurde, erweitert den Bestand der Sammlung Kunst der Gegenwart der Hamburger Kunsthalle um eine wichtige Position zur raumgreifenden Kunst der 60er/70er Jahre. Mit den vier Arbeiten der Kunsthalle befindet sich heute das grĂ¶ĂŸte Konvolut von Werken Paul Theks in Hamburg.

Paul Thek hatte als »ArtistÂŽs Artist« einen großen Einfluss auf die nachfolgenden KĂŒnstlergenerationen. Er war 1972 mit zentralen Arbeiten auf der documenta 5 von Harald Szeemann vertreten, der Thek als einen der maßgebenden Vertreter 

»Individueller Mythologien« vorstellte, einem Begriff, der die kĂŒnstlerische Strategie der Schaffung von persönlichen und symboltrĂ€chtigen Environments beschreibt. Bei A Station of the Cross versammelt der KĂŒnstler unter Einbindung der vorgefundenen Gegebenheiten fragile Materialien zu einem raumgreifenden GefĂŒge. Neben Zweigen, BaumstĂ€mmen, Holz, Zeitungen, Farbe, Zeichnungen auf Papier, Steinen und einem Kassettenrecorder mit Kassetten gehören zu der Installation SchnappschĂŒsse der Familie, die in dem Haus wĂ€hrend der Enstehung des Kunstwerkes gelebt hat. Auf einem Kissen können die Betrachter_innen des Kunstwerkes niederknien und reflektieren. »Kunst ist Liturgie; und wenn das Publikum auf den heiligen Charakter der Sym­bole reagiert, dann hoffe ich, dass ich mein Ziel erreicht habe, wenigstens in jenem Moment.« So beschrieb Thek selbst sein Kunst-Schaffen.