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Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models

Mit der Ausstellung Feuerbachs Musen – Lagerfelds Models prĂ€sentiert die Hamburger Kunsthalle eine ungewöhnliche Doppelschau zu Anmut, Erotik und der Verehrung von Musen und Models, indem sie GemĂ€lde von Anselm Feuerbach mit noch nie gezeigten Photographien von Karl Lagerfeld zusammenfĂŒhrt. Auf Ă€hnliche Weise suchen Feuerbach und Lagerfeld nach einer Aktualisierung der in der Antike begrĂŒndeten idealen, zeitlosen Schönheit. In der Ausstellung wird der Kult um Schönheit, der das Modell zur Ikone stilisiert, thematisiert. Von Feuerbach sind ĂŒber vierzig Arbeiten vornehmlich aus den Jahren 1860-70 in der Ausstellung zu sehen. Die Werke sind Leihgaben aus dem Feuerbachhaus Speyer, sowie aus zahlreichen deutschen, schweizerischen und österreichischen Museen und Privatsammlungen. Karl Lagerfeld schuf speziell fĂŒr die Ausstellung eine Serie von rund sechzig schwarz-weiß-Photographien. Die prĂ€sentierten Werke sind ĂŒberwiegend großformatig und wurden in einem aufwĂ€ndigen Verfahren auf silber- und goldfarbenes Gewebe gedruckt.

Anselm Feuerbach (1829–1880), einer der bedeutenden deutschen Maler der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts, lebte ab 1856 in Rom. Die Stadt war mit ihrer Prachtarchitektur und der umliegenden heroischen Landschaft ein Sehnsuchtsort, der wie kein zweiter geeignet schien, die klassischen Ideale der Antike kĂŒnstlerisch wiederzubeleben. Feuerbach widmet sich antiken Sujets und fĂŒllt sie zugleich mit Phantasie und persönlichem Empfinden. Am spannungsreichsten zeigt sich dies in der 1860 begonnenen Serie von einzigartigen Bildnissen, welche die von Feuerbach als Modell und Muse verehrte Anna Risi, genannt Nanna, darstellen. Der KĂŒnstler malte Nanna in unterschiedlichsten Rollen und feinfĂŒhlig gestalteten Inszenierungen, die von einer nahezu kultischen Verehrung fĂŒr sein Modell zeugen. Nachdem Nanna Feuerbach 1865 verließ, folgte ihr das Modell Lucia Brunacci. Ähnlich wie Nanna entsprach sie mit ihrem griechischem Profil und dem vollen dunklen Haar dem klassischen Schönheitsideal der Zeit. Lucia inspirierte Feuerbach zu imposanten Darstellungen mythologischer Themen, die den Höhepunkt seines Oeuvres bilden.

„GlĂŒcklich ist derjenige, den die Musen lieben" schreibt der griechische Dichter Hesiod, und so stellen die Musen das Sinnbild jener höheren Kraft dar, derer es nach antiker Vorstellung bedarf, um schöpferisch tĂ€tig zu sein. Der Bilderzyklus Moderne Mythologie (2013) von Karl Lagerfeld widmet sich der antiken Liebesgeschichte von Daphnis und Chloe und zeigt Models wie Baptiste Giabiconi und Bianca Balti, die Lagerfeld ĂŒber mehrere Jahre bei der Arbeit begleiteten. Die Geschichte des Dichters Longus erzĂ€hlt von einem Jungen und einem MĂ€dchen, die elternlos bei Hirten aufwachsen und im Laufe der Jahre eine große Zuneigung fĂŒreinander entwickeln. Seit der Renaissance ist die ErzĂ€hlung vielfach kĂŒnstlerisch aufgegriffen worden. Lagerfelds Aufnahmen stehen in einer Reihe mit Werken von Pierre Bonnard, François Boucher oder Aristide Maillol, welche die antike Textquelle als Sinnbild idyllischen Lebens prĂ€sentieren. Die Inszenierungen Karl Lagerfelds sind vor der malerischen Naturkulisse SĂŒdfrankreichs entstanden und zeugen von einer Aktualisierung des antiken Themas.