Jens Röhm
Stuttgart 1967 - lebt in Hamburg
Ligna
Gegründet 1997 in Hamburg von Michael Hüners, Torsten Michaelsen und Ole Frahm

          

Radiokonzert für 144 Handys. "Wählt die Signale!", 2003
CD
A-2003-01
Audio

 

Radio, Experimentelle Musik
Jens Röhm
 
Klang-Komposition: Jens Röhm

Veranstaltung des VIDEO Club 99 am 26. und 27. April 2003, von 20 Uhr bis 8 Uhr. Live zu hören auf fsk 93,0 Mhz und http://www.fsk-hh.org.

transmediale 2004, Nominierung/INTERACTION - in Kombination mit Radioballett

“’Wählt die Signale’ war eine temporäre Installation, in deren Verlauf eine Radiostation, 144 Handys, zahllose Radiogeräte und die HörerInnen des freien Radios FSK zu Bestandteilen eines komplexen Instrumentes wurden. Der Sender, die Handys/Telefone (als Soundtools und Rückkanäle), die Radiogeräte der HörerInnen und die Räume der Hamburger Kunsthalle (als Knotenpunkt und Resonator) sind die technischen Bausteine einer Apparatur, welche als offenes System eine öffentlich-kollektive aleatorische Akustik entfaltete.
Das Radiokonzert hatte einen klaren Anfang und einen klaren Endpunkt. Das Publikum konnte per Telefon von jedem Ort aus an dem Konzert teilnehmen. Für zwölf Stunden, von Samstagabend 20 Uhr bis Sonntagmorgen 8 Uhr, waren 144 Mobiltelefone über 144 Rufnummern erreichbar. Die zeitliche Ausdehnung über 12 Stunden sollte die Verdichtung auf einen überschaubaren Zeitraum wie bei gewöhnlichen Konzerten vermeiden. Demgegenüber sollte sich das Konzert analog zur Rezeptionssituation seiner HörerInnen verändern. Über diese Koppelung wurde deutlich, dass das Radiokonzert nicht nur – wie jede Radiosendung – zerstreut rezipiert, sondern ebenso zerstreut gespielt wurde. Mit den Klingeltönen der Handys konnten die AnruferInnen eine spontane, komplexe Musik, die über Radio hörbar war, erzeugen: Wer anrief, komponierte mit. Die Rufnummern der Handys waren zuvor bekannt gegeben worden. Die HörerInnen sollten so die Handys direkt anwählen können und damit das Konzert überhaupt erst ermöglichen und seinen Verlauf über 12 Stunden steuern. Das Radiokonzert bestand ausschließlich aus den von den Anrufen hervorgerufenen Klingeltönen. Es gab keine weitere übergeordnete Instanz, die direkten Zugriff auf die Klangerzeugung hatte.

LIT: Frauke Behrendt: Handymusik. Klangkunst und 'mobile devices', hrsg. von Rolf Großmann u. Hartmuth Kinzler, Band 5 in der Reihe "Beiträge zur Medienästhetik der Musik", Osnabrück 2005

LINKS
http://www.epos.uos.de/music/templates/buchabstract.php?id=57
http://www.transmediale.de/04/page/detail/detail.1.projects.111.html
http://www.momenta.net.tf
http://www.republicart.net/disc/artsabotage/wieczorek01_en.htm
http://republicart.net/disc/aap/ligna01_en.htm