Jürgen Klauke
Kliding bei Koblenz 1943 - lebt in Köln

          

Band I, 1977/1978
Farbe, Ton, U-Matic, PAL, 49:22 Min.
Video
V-1998-13
Erworben im deutschen Kunsthandel 1998

 

Performance
Jürgen Klauke
 

1. Aspekt - Die Wörter haben ihre Kraft verloren, 1977, Köln, 33 Min.
"Diese Performance fand 1977 anläßlich des Kunstmarktes in Köln statt. Klauke sitzt zunächst dem Publikum abgewandt vor einer weißen Wand auf einem Stuhl, dort hängen vor ihm unter der Überschrift ’Aspekt’ 5 Plastiktüten, die mit Tierherzen und etwas Blut gefüllt sind, nebeneinander. Die musikalische Untermalung bietet sämtliche Liedanfänge von alten Pop-, Rocksongs, Schlagern etc, die nach den ersten Takten wie bei der Suche nach dem richtigen Radiosender mit Rauschen abgebrochen werden und dann zum nächsten Liedversatzstück kommen. Der Künstler - ganz in weiß - erhebt sich und schreibt unter jedes Plastikpäckchen einen Begriff in der Reihenfolge Hoffnung - Liebe - Tod - Glück - Sehnsucht und setzt sich nun dem Betrachter zugewandt in einen Stuhl. Nach und nach geht er zu jeder Tüte, lehnt sich dort an die Wand, streichelt und bearbeitet die Tüte solange, bis das Blut herausspritzt und das Herz zu Boden fällt. Er wartet, dann geht er zum nächsten Begriff. Jedesmal, wenn er sich den Tüten zuwendet, um sie zu bewegen, brechen die Liedfragmente ab, die Szene wird in eine andere Lichtstimmung getaucht, und vernehmlich ist das Pochen eines Herzens zu hören. Nachdem alle Tüten zerstört sind, kommt Jürgen Klauke in schwarzer Kleidung mit einem Rottweiler zum Schauplatz zurück und läßt diesen alle Herzen auffressen. Klauke [stellt] fest:"... Obwohl sie (die Wörter) verschlissen sind, wenn man sie länger ansieht, anhört oder spricht, haben sie nichts von ihrer Tragweite eingebüßt, man muß sie nur aus dem Mief, in dem sie herumschaukeln, befreien" (Lilian Haberer, zit. nach http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig).

2. The Harder They Come, 1978, Melbourne, 16:30 Min.
"Diese Performance stellt die letzte Variante einer Aufführungs-Trilogie dar und fand 1978 in der National Gallery of New South Wales in Melbourne statt. In deren Innenhof hatte Klauke fünf verschieden hohe, doppelwandige Ziegelsteinmauern in 4 Meter Breite wie Hürden aufgebaut, um die er zur Endlosschleife von Jimmi Cliffs Titelsong ’The harder they come’ um die Mauern herumlief, sich drehte, tanzte, taumelte und dabei nach und nach mutwillig die Mauern einriß. Bei ’The harder they come, I und II’, die im gleichen Jahr anläßlich eines internationalen Performance-Meetings in Belgrad stattfanden, hatte der Künstler hingegen ein Ziegelsteinlabyrinth aufgebaut und mit Schnüren willkürlich verspannt, so dass das Bewegen und Umstürzen von Ziegeln hier eher einen zufälligen Charakter erhält.
In dieser dritten Performance war die erste Mauer sehr niedrig, mit 2 Ziegeln und im Abstand von 3 Metern folgt jeweils die nächste Hürde bis hin zur letzten, die höher als Jürgen Klauke war. Er beginnt konzentriert und langsam sich immer in Kreisen um die Mauern herumzubewegen und dreht sich selbst dabei, läuft zum Teil rückwärts. Im Laufe der Life-Aktion räumt er bewusst an Ecken mit seinem Körper Ziegel ab, läuft über die kleinen Mauern und zieht im Lauf Ziegel mit sich bis er schließlich gegen Ende mit ganzer Kraft seines Körpers die große Mauer umstürzt" (Lilian Haberer, zit. nach http://www.museenkoeln.de/museum-ludwig).

AUSTELLUNGEN (Auswahl)
Jürgen Klauke. Eine Ewigkeit ein Lächeln. Zeichnungen, Fotoarbeiten, Performances. Arbeiten 1970/1986, Badischer Kunstverein Karlsruhe u. a., 1985
Jürgen Klauke Das photographische Werk, Hamburger Kunsthalle, 2002

LIT: Jürgen Klauke. Eine Ewigkeit ein Lächeln. Zeichnungen, Fotoarbeiten, Performances. Arbeiten 1970/1986, hrsg. von Andreas Vowinckel, Ausst.-Kat. Badischer Kunstverein Karlsruhe u. a., Köln 1985, S. 242-243; 249, Abb. S. 242-243; 249; Dörte Zbikowski: Performance, in: Absolute Windstille. Jürgen Klauke - Das fotografische Werk, Ausst.-Kat. Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn 2001, S. 315; 317.

LINKS
http://www.khm.de/personen/staff/klauk_d.htm
http://www.klauke-in-hamburg.de/