Die Mediensammlung der Hamburger
Kunsthalle umfasst Videos, Filme, Videoinstallationen, Schallplatten,
Audiokassetten und CDs von bildenden Künstlern. Bereits seit
1977 wurden Schallplatten und vereinzelt Videos gesammelt. Seit
1993 baute Frank Barth die Mediensammlung als Bestandteil der Galerie
der Gegenwart systematisch vor allem im Bereich der Videos und der
Videoinstallationen aus. Dabei war die Absicht, die Geschichte der
Videokunst exemplarisch zu vergegenwärtigen, aber ebenso die
Sammlungsschwerpunkte der Galerie der Gegenwart zu ergänzen
und schließlich neue Experimentalformen, auch solche aus Hamburger
Studios, ins Museum aufzunehmen.
Als 1965 die tragbare Videokamera mit Recorder in den Vereinigten
Staaten aufkam, stiegen die medienaktiven Künstler sogleich
von der 16mm-Kamera auf die neue Technik um, die leicht zu handhaben
und deren Bilder sogleich zu überprüfen waren. Zu den
Pionieren gehörten Bruce Nauman, Vito Acconci und Richard Serra.
Ihre frühen Werke sind in großer Zahl in unserer Mediensammlung
präsent. Einen gewissen Schwerpunkt bildet hier zudem die Körperkunst
mit Arbeiten von Abramovic/Ulay, Günter Brus, Chris Burden,
Valie Export, Hannah Wilke.
Die bereits in den späten achtziger Jahren von Bruce Nauman
eingesetzte Videoprojektion über einen Beamer eröffnete
dem elektronischen Bild ganz neue Möglichkeiten über den
kleinen Monitor hinaus, der den Bezug zum Fernsehen bis dahin immer
noch aufrechterhalten hatte. Das räumlich wirksame Großbild
trat nun in Videoinstallationen und Videoräumen mit einem ganz
anderen Werkanspruch auf – so etwa in Bruce Naumans Anthro/Socio
und – bei der jüngeren Generation - in Johan Grimonprez’
Dial H-I-S-T-O-R-Y, in Jane & Louise Wilsons Normapaths
und Stasi City oder in Shirin Neshats Fervor.
Dabei näherten sich die Künstler filmischen Techniken
und Methoden immer deutlicher an. In neueren Videos – etwa
von Walid Raad oder Korpys/Löffler, Jeanne Faust oder Pia Greschner,
Christian Jankowski oder John Pilson – zeigt sich die ganze
Breite zeitgenössischer Produktion von der politischen Dokumentation
über das formstrenge oder medienspezifische Experiment bis
zur dargestellten Groteske. Diese Breite spiegelt sich in unserer
Sammlung.
Als wir die Galerie der Gegenwart einrichteten, suchten wir nach
einer adäquaten Möglichkeit – die wir in anderen
Museen nicht fanden – zum permanenten Abspielen von Videos,
denn die Mediensammlung sollte in der Galerie der Gegenwart jedenfalls
mit einzelnen Werken in wechselnden Programmen ständig präsent
sein. Frank Barth stieß auf den Pavillon von Dan Graham, der
für genau diesen Zweck entworfen worden war und der sich damals
in einer Konkursmasse in Belgien befand. Der Erwerb gelang, und
seitdem laufen die Videoprogramme in der Galerie der Gegenwart in
einem, wie ich finde, idealen Rahmen, weil das Vorführambiente
selbst ein Kunstwerk ist.
Dass wir eine so gewichtige Mediensammlung zusammentragen konnten,
ist dem engagierten Mittun vieler zu verdanken. Die Bâloise-Versicherungsgruppe
hat uns wichtige internationale Werke junger Künstler geschenkt;
die F. u. W. Stiftung für zeitgenössische Kunst in der
Hamburger Kunsthalle hat auf unseren besonderen Wunsch Arbeiten
beispielsweise von Jane & Louise Wilson sowie von Shirin Neshat
erworben; das Bankhaus Sal. Oppenheim steuerte Werke von Dennis
Oppenheim bei; die HSH Nordbank ermöglichte den Ankauf etlicher
Arbeiten junger Hamburger Künstlerinnen und Künstler.
Nicht zu reden von den zahlreichen Geschenken, die uns Künstlerinnen
und Künstler machten. Ihnen allen sind wir zu großem
Dank verpflichtet. Mögen sie der Kunsthalle beim weiteren Ausbau
der Mediensammlung auch fortan zur Seite stehen!
Uwe M. Schneede
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