1994-2000 Herausgeberin „FAT Magazine" / editor of "FAT Magazine"
Studium / studies:
California Institute of the Arts, Valencia / Kalifornien
Hochschule der Künste,
Berlin / University of Arts, Berlin
Einzelausstellungen (Auswahl) / solo exhibitions (selection):
2009 Josephine Meckseper, Migros Museum für Gegenwartskunst, Zurich
2008 Josephine Meckseper, Arndt & Partner, Berlin
2008 Josephine Meckseper, Gesellschaft für Aktuelle Kunst, Bremen
2007 Josephine Mecksper,
Kunstmuseum Stuttgart, Stuttgart
Gruppenausstellungen (Auswahl) / group shows (selection):
2008 Prospect.1, New Orleans / Louisiana
2008 New Photography 2008: Josephine
Meckseper and Mikhael Subotzky, Museum of Modern Art, New York
2007 Just
Kick It Till It Breaks, The Kitchen, New York
2006 Media Burn, Tate Modern,
London
2006 Whitney Biennial: Day for Night, Whitney Museum of American
Art, New York
2006 Cooling Out - On the Paradox of Feminism, Lewis Glucksman
Gallery, University College, Cork, Ireland
2004 The Future Has a Silver
Lining: Genealogies of Glamour, Museum für
Gegenwartskunst, Zürich
1999 Criss Cross: Some Young New Yorkers III,
P.S.1 Contemporary Art Center, Long Island City, New York
Die Konzeptkünstlerin Josephine Meckseper arbeitet mit der Zeichensprache von Bildern aus der Welt der Mode und der Politik. In der hell erleuchteten Vitrine „Selling Out“ liegen Parfüm und Protest auf gleicher Augenhöhe nebeneinander wie zum Ausverkauf. Mittig in der Vitrine thront eine Chronologie der gesammelten Pamphlete zur Gegenkultur der so genannten Angry Brigade. Die anarchistische Stadtguerillagruppe agierte über Jahre im britischen Untergrund und fiel vor allem durch ihre Texte auf, die von der Ästhetik des Situationismus inspiriert waren. Sie verübte zwischen 1970 und 1972 eine Reihe von Anschlägen in London, dabei wurde eine Person verletzt. Abgesehen von Schock, Trauma und Schmerz der Betroffenen, wird der Name der Gruppe durch das Arrangement in der Vitrine zu einem Label im so genannten „Radical Chic“. Tom Wolfe erfand diesen Ausdruck bereits 1970 als kritischen Spott über das Gehabe gut betuchter Lehnstuhlrevoluzzer.
Meckseper treibt die Analyse der Doppelmoral jedoch einen Schritt weiter, indem sie nicht nur Bilder und Objekte, sondern das Ausstellen selbst ausstellt. Sie holt die Dinge und ihre beiläufigen Geschichten aus der Alltagswelt in die künstlerische Präsentation hinein. Ihre Kritik ist Komplizin des Schönen und ihre Vitrine wird zu einem modernen Vanitas-Stillleben. Die „Guten“ und die „Bösen“, Fetisch, Model und Künstlerin bewegen sich auf einer vergleichbaren Ebene: Sie kommunizieren miteinander im Feld der Kunst und gewinnen eine scheinbar verloren gegangene Bedeutung wieder zurück. Als Kunst betrachtet bleiben sie zugleich pures Anschauungsobjekt, unerreichbar hinter Glas.
Meckseper lässt ihre Ideen oft von professionellen Modefotografen und Models technisch umsetzen. So im Falle der Schwarz-Weiß Fotografie zweier Schönheiten, die das Zündholzpäckchen mit dem Symbol der RAF auf einem Silbertablett darreichen. Der ebenso hochwertige wie altmodische Silber-Gelatine-Print ist auch hier doppeldeutig arrangiert wie ein Memento-Mori-Bild als eitle Verführung. Die Künstlichkeit wirkt wirklicher als wirklich und die In-Chiffre „Prada-Meinhof“, die 2001 aus der Verbindung von Glamour und anstößiger Politik ein Markenzeichen für T-Shirts machte, wird von Meckseper mit sanftem Spott im Augenwinkel der Models vorgeführt: Das zündelnde Symbol der RAF wird zum Fashion-Product.
Im Video „Rest in Peace“ kehrt die Friedensprotestkultur der Hippies zurück in die Städte. Man wehrt sich 2004 gegen den Krieg im Irak auf der Straße ebenso wie über 30 Jahre zuvor gegen den Krieg in Vietnam. Die einstigen Provokationen durch Kleidung, Kollektivgedanke oder die Befreiung von sexuellen Tabus durch die Peace-and-Love-Generation werden von Meckseper heute wie die Konventionen eines volkstümlichen Lebensstils interpretiert. Die Szenenabfolge des Videos mit diskutierenden Studenten, Demonstrationen, psychedelischen Erlebnissen und vulgärer Sexorgie der Hippiezeit erinnert von Ferne wie in einem Zeitraffer an Michelangelo Antonionis Klassiker „Zabriskie Point“ (1970).