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Hamburger Kunsthalle • 30. Januar bis 26. April 2009

 

Almut Linde

Lübeck 1965 - lebt in Hamburg / based in Hamburg

 

1988-1994 Künstlergruppe Linde Ludeña Sierra (Almut Linde, Manuel Ludeña, Santiago Sierra), Hamburg und Madrid / artist group Linde Ludeña Sierra, Hamburg and Madrid

Studium / studies:
Hochschule für Bildende Künste, Hamburg / Academy of Fine Arts, Hamburg
Facultad de Bellas Artes, Universidad Complutense, Madrid
Meisterschülerin / Advanced studies at the Academy of Fine Arts, Hamburg

Preise und Stipendien (Auswahl) / awards and grants (selection):
2008 Ayudas a la Creación Contemporánea Matadero Madrid
2008 HAP Grieshaber Preis der VG Bild-Kunst
2008 Artist in Residence, Irish Museum of Modern Art, Dublin
2004 Ditze Stiftung Hamburg, Ausstellung/exhibition

Einzelausstellungen (Auswahl) / solo exhibitions (selection):
2008 HAP Grieshaber Preis der VG Bild-Kunst, Projektraum Deutscher Künstlerbund, Berlin
2008 Matadero / Almut Linde, Abierto X Obras, Matadero Madrid
2008 Process Room. Imma Sculptures, Process Room, Irish Museum of Modern Art, Dublin
2008 Dirty Minimal, Haus am Lützowplatz, Berlin

Gruppenausstellungen (Auswahl) / group shows (selection):
2009 Deadlines, Kunsthalle Barmen, Von der Heydt-Museum, Wuppertal
2008 If You Could Change the World at Last 1968 — 2008, Goethe Institut Dublin
2008 Prague Triennale, Future Underground. Aesthetics of Similarities, Nationalgalerie, Prag
2007 Space and Violence. Almut Linde — Manuel Ludeña — Santiago Sierra, The Nunnery Gallery, London
2007 Active Constellation, Haus der Kunst, Brno

http://www.almutlinde.com

 

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Dirty Minimal #45.1 – Another World, 2008 – 2009

Tschechisch-deutsche Grenze / Czech-German border Soundinstallation
Farbfotographie und Text, 80 x 60 cm
Courtesy Künstlerin / artist

Eine neunjährige Kinderprostituierte singt Kinderlieder.
/ A nine year-old child prostitute sings children´s songs.

Almut Linde führt mit ihrer Arbeit die psychologischen Bedingungen der Ausgestoßenen vor. Sie sieht im Verstoßensein die Bezugsebene zwischen heutiger Kinderprostitution und der Lebenswirklichkeit von Charles Manson. Seit dem Alter von 14 hat der Sohn einer Gelegenheitsprostituierten fast ununterbrochen seine Zeit im Heim, in Erziehungsanstalten oder dem Gefängnis verbracht. Er hat bis heute überlebt und sieht sich „missbraucht, ausgenutzt, ohne Chance an einem gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ohne Wahl. Wie eine Straßenhure.“ (Almut Linde) Er wurde gewitzt und bildete ein ungeheures Charisma aus. Manson verstand es Musik, Mythen, Fiktionen, Lügenmärchen und Ausstrahlung erfolgreich für seine Ziele einzusetzen. Seine Songs klingen wie weiche Lagerfeuer-Folkmusik.

Almut Linde bringt mit ihrer Soundinstallation, für die eine Kinderprostituierte in ihrer eigenen Sprache ein tschechisches Kinderlied singt, den Schock über den Unterschied zwischen Wissen und Wirklichkeit zu Bewusstsein. Für das Mädchen bedeutete die kaum zu erfüllende Bitte, im Gesang eine unerreichbar heile Kinderwelt in ihrer konkreten Wirklichkeit vor ihrem Publikum sozusagen aufzuführen. Die Zuhörenden führt das unschuldige Lied zum Erschrecken über die brutale Ausnutzung der Ausgestoßenen.

Dank an Karo e.V., dem Verein, der in einer Zone von Zwangsprostitution und Menschenhandel grenzüberschreitende Sozialarbeit leistet.

 
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Dirty Minimal #45.3 - Another World, 2008-2009

Farbfotographie und Text, 80 x 60 cm
Courtesy Künstlerin / artist

Tschechisch-deutsche Grenze:
Brief eines an einen unbekannten Ort verkauften Mädchens / Czech-German border:
Letter of a girl, sold to an unknown place.

Eine Kinderprostituierte erstellt statt eines gemalten Bildes auf einer Briefrückseite eine Collage aus Deckeln verschiedener, gerade verspeister Kinderjogurts. Die Bilder zeigen die Sehnsucht nach einer heilen fröhlichen Welt, geschaffen von einer Industrie, die diese Träume ausnutzt, um Produkte zu verkaufen. Die bunten Fratzen der Warenwelt, die an Bilder von Jeff Koons erinnern, lassen die Diskrepanz zum Inhalt des Briefes nur umso deutlicher werden: Das Kind, in den Händen krimineller Organisationen, wurde an einen unbekannten Ort verkauft, und wird vermutlich die Adressaten des Briefes nie wiedersehen.