MAN SON > Katalog > George Grosz

Hamburger Kunsthalle • 30. Januar bis 26. April 2009

 

George Grosz

Berlin 1893 – 1859 Berlin

 

 

 

vergrößern

© 2009 VG Bild Kunst, Bonn

John, der Frauenmörder, 1918

Öl auf Leinwand,
86,5 x 81,2 cm (Bild ohne Rahmen)
© Hamburger Kunsthalle / bpk
Photo: Elke Walford

Das Gemälde führte Grosz nach einem Aquarell im November 1918 in Berlin aus. Mit dem Thema des Lustmordes bzw. Triebtäters setzte sich Grosz seit spätestens 1913 in mehreren Bleistift- und Federzeichnungen auseinander. Die Komposition ist aus einem Formenrepertoire gestaltet, das von Grosz in mehreren Bildschöpfungen verwendet wurde. So ist beispielsweise die leicht gebeugte Körperhaltung und der mechanisch wirkende Bewegungsablauf des Mörders ein häufig gebrauchtes Darstellungsschema des Künstlers. Als literarische Vorlage gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit der Groschenroman „Jack, der geheimnisvolle Mädchenmörder“ von Guido v. Fels, der 1897 in Berlin erschien. Grosz faszinierte die Gestalt des Frauenmörders derart, dass er sich 1917/1918 in dieser Rolle sogar fotografieren ließ.

Die Bildintention des Hamburger Gemälde wurde auf unterschiedliche Weise gedeutet: unter anderem als sozialkritische Studie mit grotesken Überzeichnungseffekten, als ein Ohnmachts- und Angstbekenntnis des Künstlers gegen die emanzipatorischen Bestrebungen der Frau in der Weimarer Republik, als Illustration zu Jack the Ripper mit dem Hinweis, dass Grosz sich in dieser Rolle darstellt sowie als ein avantgardistischer Beitrag zur Zerstörung der traditionellen Raum- und Körpervorstellung in der bildenden Kunst.

Joe Coleman, dessen Manson-Portrait in dieser Ausstellung Grosz gegenüber gestellt wird, erkannte in dessen scharfsinniger Malerei eine Art Seelenverwandtschaft und widmete ihm ein eigenes Portrait („Grosz“, 2006).