Einzelausstellungen (Auswahl) / solo exhibitions (selection):
2008 Working,
Kunsthalle Basel
2006 Work 1964–2006, MACBA, Museu d'Art Contemporani
de Barcelona
2004 Out of the Shadows, Witte de With, center for contemporary
art, Rotterdam
2002 Peter Friedl, Gesellschaft für aktuelle Kunst, Bremen
Gruppenausstellungen (Auswahl) / group shows (selection):
2007 documenta
12, Kassel
2000 ein|räumen. Arbeiten im Museum, Hamburger Kunsthalle
1999 48. Biennale
di Venezia, Venedig
1997 documenta X, Kassel
Ein Kinderspielplatz in Johannesburg, Südafrika. Ein Mann sitzt auf einer Parkbank und deklamiert die Zeilen eines Lieds. Kinder schauen neugierig herüber und hören zu. Der Sänger heißt Daniel Johnston, sein Song handelt von der Tragödie King Kongs: „They shot him down / They thought he was a monster / But he was the king.” Johnston wechselt die Ebenen und holt den Mythos in die Wirklichkeit.
Das im alten Fernsehformat (4:3) gedrehte Video von Peter Friedl ist auf einer frei im Raum hängenden Leinwand von beiden Seiten zu sehen. Es ruft verschiedene Bezugsgrößen in Erinnerung: Neben King Kong als Hollywood-Filmhelden vor allem Sophiatown in Johannesburg und die Geschichte der Apartheid. Sophiatown, einer der wenigen Orte in Transvaal, wo schwarze Südafrikaner Grundstücke hatten erwerben können, war das musikalische und kulturelle Zentrum der 1940er und 1950er Jahre in Südafrika. Ab 1955 wurden die Bewohner zwangsweise umgesiedelt und ihre Häuser zerstört. Unter dem Afrikaans-Namen Triomf (Triumph) wurde ein vollkommen neuer Stadtteil für Weiße errichtet. An die Zerstörung Sophiatowns erinnert auch die südafrikanische Jazz-Oper „King Kong“ (1959), die ein internationaler Erfolg wurde. Sie war dem Boxer Ezekiel Dhlamini, genannt King Kong, gewidmet, der sich mit 32 Jahren in Gefangenschaft umbrachte und zur Legende wurde. In Zusammenhang mit dieser Ausstellung spielt auch die Mondlandung, die 1969 in Südafrika nicht mitverfolgt werden konnte, eine Rolle: bis 1976 war das Fernsehen von der Apartheid-Regierung unter Bann gestellt.
Friedl verzichtet bei „King Kong“ auf Bildzitate. Er greift das Genre Musikvideo auf und lässt es sowohl durch die subtile inhaltliche Aufladung als auch durch die Schnitt- und Tondramaturgie ins Leere laufen. „King Kong“ bildet in dieser Ausstellung ein postkoloniales Gegenstück und eine Balance zum ausufernden Medienmythos um Manson.
In Form einer Lemniskate – als quer gelegte Acht das Symbol für Unendlichkeit – ist ein roter Neonschriftzug zu lesen: Neue Straßenverkehrsordnung. Unter diesem Tarnnamen kursierte eine frühe programmatische Schrift der RAF, die der ehemalige Rechtsanwalt Horst Mahler 1971 im Gefängnis als Grundsatzpapier zum bewaffneten Kampf in den westeuropäischen Metropolen verfasst hatte. An der Zensur- und Rezeptionsgeschichte dieser Schrift lassen sich die Revisionen des politischen Vermächtnisses der RAF nachzeichnen: von Andreas Baaders Denunziation der politischen Basisarbeit in Berliner Arbeitervierteln als „Indianerspiele” über die Abkehr von dem Versprechen, nur bei Notwehr die Waffe einzusetzen, bis zu Mahlers späterer Karriere als deutschnationaler Irrläufer.
Die Neon-Arbeit basiert auf einer kleinen Handzeichnung von 1995. Peter Friedl ließ die Buchstaben daraus vergrößern und als Leuchtschrift reproduzieren. In der ästhetischen Form werden zwei Konzepte miteinander konfrontiert, die sich in der gängigen Logik ausschließen: die Revolution als Dauerzustand und die Revolution als einzigartiges Ereignis.
Als 9-Jähriger zeichnete Peter Friedl 1969 eine Karte, auf der das Territorium der USA den Namen von Indianervölkern zugeordnet ist. 36 Jahre später ist daraus „Map, 1969–2005” geworden: Die Kinderzeichnung wird stark vergrößert und invertiert, das heißt in unschuldigem Weiß, auf malerischem Rot neu präsentiert. Sie ist ganz offensichtlich erwachsen geworden. Das Rot ist nicht nur eine ironische Reminiszenz an die mehr oder weniger rassistischen Bedeutungszuweisungen, es könnte auch mit der damaligen Wiederwahl von George W. Bush in Zusammenhang stehen. Rot ist die Farbe der Republikaner. Im Jahr 2005 wählten die meisten Staaten republikanisch.
Der Siebdruck „Map” verweist auch auf das gleichnamige bekannte Ölbild von Jasper Johns im Museum of Modern Art, New York. Dieses Bild wurde 1961 gemalt, als John F. Kennedy Präsident wurde. Die Karte der Vereinigten Staaten war darin nicht nur das Sujet, sie strukturierte auch die mit dem abstrakten Expressionismus sympathisierende Malerei.
Zu Friedls Selbstverständnis als Künstler gehört der Genre- und Rollenwechsel. Er erforscht die Bedingungen, unter denen Repräsentation stattfindet.