R.B. Kitaj - Die Retrospektive
19. Juli bis 27. Oktober 2013
Galerie der Gegenwart, 2. Obergeschoss

R.B. Kitaj
R. B. Kitaj (1932-2007) © R. B. Kitaj Estate; UCLA Center for Jewish Studies, Los Angeles


Biographie

R. B. Kitaj

1932
Geboren am 29. Oktober in Chagrin Falls bei Cleveland, Ohio, als Ronald Brooks-Benway; seine Mutter Jeanne Brooks ist die Tochter russisch-jüdischer Emigranten, sein Vater Sigmund Benway verlässt die Familie kurz nach Kitajs Geburt

1941
Jeanne Brooks heiratet Walter Kitaj, einen Wiener Juden, der 1938 in die USA emigriert war; der junge Ronald Brooks übernimmt dessen Namen

1949 bis 1954
Kitaj arbeitet mit Unterbrechungen als Seemann auf Handelsschiffen und bereist die Karibik sowie viele Länder Südamerikas; Beginn eines Lebensstils mit häufigen Ortswechseln und Entdeckung seiner Liebe zur Literatur, die ihm eine ‚geistige Heimat' bietet

1950
Studium am Cooper Union Institute in New York, wo Kitaj bei Sydney Delevante Zeichenunterricht nimmt

1951
Erste Reise nach Europa und Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Fritz Wotruba und Albert Paris von Gütersloh; Bekanntschaft mit der Amerikanerin Elsi Roessler

1953
Heirat mit Elsi Roessler in New York; Rückkehr nach Wien und Reisen durch Europa, u.a. nach Katalonien / Spanien; dort entwickelt sich eine Freundschaft mit dem Aktivisten Josep Vicente Romà, die Kitaj zu mehreren Gemälden zum Thema Revolution und Widerstand inspiriert

1956/57
Als Soldat der US-Army in Darmstadt und Fontainebleau bei Paris stationiert

1957-59
Studium der Malerei an der Ruskin School of Drawing and Fine Art in Oxford; Besuch der Vorlesungen des Kunsthistorikers Edgar Wind und intensive Beschäftigung mit den Schriften des Hamburger Kunst- und Kulturwissen-schaftlers Aby Warburg, die ein collageartiges malerisches Verfahren anregen

1958
Geburt des Sohnes Lemuel (Lem)

1959-61
Umzug nach Dulwich Village im Süden Londons und Studium am Royal College of Art; Beginn einer lebenslangen Freundschaft mit dem Maler David Hockney und den Architekten Sandy Wilson und M. J. Long; Kitaj verfolgt den Eichmann-Prozess in Jerusalem, was die Auseinandersetzung mit seiner jüdischen Identität wachruft

1963
Erste Einzelausstellung in der Galerie Marlborough Fine Art in London

1964
Teilnahme an der documenta 3 und der Venedig Biennale; Adoption von Tochter Dominie, die indischer Herkunft ist

1965
Anlässlich einer Einzelausstellung in der Marlborough-Gerson Gallery in New York Rückkehr nach Amerika; Bekanntschaft mit Künstlern und Autoren wie Mark Rothko und Susan Sontag; Alfred Barr kauft das Gemälde The Ohio Gang, 1964, für die Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA); Kitaj beginnt sich mit Walter Benjamin zu beschäftigen, dessen Texte zu einer wichtigen Inspirationsquelle für seine Malerei werden

1967/68
Lehrtätigkeit am Art Department der University of California, Berkeley; enge Freundschaft mit dem Dichter Robert Creeley

1969
Freitod seiner Frau Elsi Roessler

1970/71
Erste umfassende Einzelausstellung in Deutschland in der Kestner-Gesellschaft, Hannover; Lehrtätigkeit an der University of California, Los Angeles; Bekanntschaft mit der amerikanischen Künstlerin Sandra Fisher, mit der Kitaj ein Jahr später in London zusammenzieht

1974
Besuch einer Ausstellung mit Werken von Edgar Degas im Petit Palais, Paris,
die Kitaj inspiriert, eine Reihe großer, farbintensiver Pastelle zu fertigen; seit Mitte der siebziger Jahre vertieftes Interesse am Thema jüdischer Identität verbunden mit dem Anliegen, eine neue jüdische Malerei zu begründen

1976
Kitaj kuratiert die Ausstellung The Human Clay für das Arts Council of Great Britain; im Vorwort zum Katalog verwendet er für die figürliche Malerei seiner Zeitgenossen erstmals den bis heute gängigen Begriff der ‚School of London'

1981/82
Retrospektive im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, im Cleveland Museum und in der Kunsthalle Düsseldorf; Verleihung der Ehrendoktorwürde der University of London

1983
Heirat mit Sandra Fisher in London in der sephardischen Synagoge Bevis Marks nach orthodoxem Ritus

1984
Geburt des Sohnes Max

1988
Publikation Erstes Manifest des Diasporismus; Übersetzung ins Englische 1989

1994
Retrospektive in der Londoner Tate Gallery, die ein Publikumserfolg ist, aber in der Presse auf negative Kritiken stößt; im Los Angeles County Museum of Art und im New Yorker Metropolitan Museum wird die Ausstellung positiver aufgenommen; Tod von Sandra Fisher

1995
Verleihung des Goldenen Löwen auf der Biennale Venedig

1997
Vierzig Jahre nach seiner Ankunft in England kehrt Kitaj mit seinem Sohn Max in die USA zurück und lässt sich in Westwood, Los Angeles, nieder

1998
Retrospektive im Astrup Fearnley Museum in Oslo, im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid, im Jüdischen Museum Wien und im Sprengel Museum in Hannover

2001
Kitaj beginnt seine bislang unveröffentlichte Biographie Confessions of an old Jewish Painter

2007

Publikation Second Diasporist Manifesto; nach Jahren der Erkrankung an Parkinson Freitod R. B. Kitajs am 21. Oktober