Ein Leben für Hamburg
Oscar Troplowitz

18. Januar bis 30. Juni 2013

Oscar Troplowitz
Franz Nölken, Der Unternehmer Oscar Troplowitz, 1916, Photo: Elke Walford, © Hamburger Kunsthalle/bpk

Biographie

Oscar Troplowitz (1863 – 1918)

1863
Oscar Troplowitz wird am 18. Januar im oberschlesischen Gleiwitz in eine jüdische Familie geboren. Der Vater führt eine Bauunternehmung. Umzug nach Breslau.

1878 – 1881
Auf Wunsch seines Vaters absolviert Troplowitz eine Apothekerlehre. Berufserfahrung in Berlin und Posen in der Apotheke seines Onkels Gustav Mankiewicz.

1884 – 1886
Studium der Pharmazie an der Universität Breslau (Staatsexamen).

1886 – 1888
Troplowitz holt das Abitur nach und promoviert bei Robert Bunsen in den Fächern Chemie, Physik und Allgemeine Botanik an der Universität Heidelberg.

1889 – 1890
Erneute Anstellung bei seinem Onkel. Verlobung mit dessen Tochter Gertrud Mankiewicz (1869 – 1920).

1890
Kauf der Forschungsapotheke von Paul Carl Beiersdorf (1836–1896) in Altona. Enge Zusammenarbeit mit dem international anerkannten Dermatologen Paul Gerson Unna. Troplowitz entwickelt die Produktpalette weiter. Erste Corporate Identity für die Firma.

1890
Heirat mit Gertrud. Einführung maschineller Herstellungsverfahren im Betrieb, Produktions- und Personalsteigerung. Umzug der Firma P. Beiersdorf & Co. nach Hamburg-Eimsbüttel.

1892
Neue Produktlinien führen zu Umsatzsteigerungen. Schrittweise Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 60 auf 48 Stunden (bis 1912) bei vollem Lohnausgleich.

1894
Erstes Patent aus eigener Forschung zur Herstellung trockener Salben, die die Einarbeitung unterschiedlichster Arzneistoffe ermöglichen. Mit Cito (1896) entwickelt Troplowitz den Vorläufer der Klebebänder. Wichtige Erfindungen wie Leukoplast (1901), Pebeco-Zahnpasta (1905), Nivea-Seife (1906), Labello (1909) sowie Nivea-Creme (1911) werden folgen. Eintritt in die Jüdische Gemeinde Hamburg.

1897
Einführung bedeutender Sozialleistungen bei Beiersdorf, darunter eine Unterstützungskasse für Arbeitsausfälle u. a. bei Geburt, Krankheit und Tod, eine Stillstube für ledige Mütter und bezahlter Urlaub.

1904
Troplowitz wird für das Linke Zentrum Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft (bis 1910).

1906
Erste internationale Geschäftsstelle in London. Beginn der Tätigkeit in der Baudeputation der Bürgerschaft (bis 1918).

1907
Der Messel-Schüler William Müller beginnt mit den Entwürfen für ein neues Wohnhaus des Ehepaars Troplowitz an der Nordseite der Hamburger Außenalster.

1909
Das Ehepaar Troplowitz bezieht die repräsentative Villa in der Agnesstraße 1, wo fortan Intellektuelle, Politiker und Künstler verkehren. Fritz Schumacher wird Stadtbaudirektor in Hamburg, Beginn einer tiefen Freundschaft. Der Hamburger Maler Friedrich Ahlers-Hestermann berät Troplowitz beim Aufbau einer Kunstsammlung mit Werken von Renoir, Sisley und Liebermann.

1912
Angebot eines kostenlosen Mittagessens für die Angestellten. Troplowitz engagiert die führende Berliner Werbeagentur Hollerbaum & Schmidt für die Reklame der Pebeco-Zahnpasta und der Nivea-Linie. Als Gründungsmitglied des Stadtpark-Vereins stiftet Troplowitz eine Skulpturen-Gruppe des Bildhauers Arthur Bock.

1914
Die Firma ist in 29 Ländern auf vier Kontinenten vertreten. Allein in Deutschland steigt die Zahl der Mitarbeiter von 11 (1890) auf etwa 500. Die Gesamtumsätze haben sich seit dem Jahr 1900 fast verzwölffacht, die Produktpalette ist um das Dreifache gewachsen. Troplowitz erwirbt Picassos Absinthtrinkerin.

1915
Werbefilm-Pionier Julius Pinschewer produziert in Zusammenarbeit mit dem Zeichner Harry Jäger den ersten Zeichentrick-Werbefilm überhaupt für die Pebeco-Zahnpasta.

1916
Trotz Kriegswirtschaft Gründung einer großzügig bemessenen betrieblichen Pensionskasse (TROMA). Wahl in die Hamburger Finanzdeputation.

1918
Am 27. April stirbt Troplowitz an einem Hirnschlag. Er wird am 1. Mai auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Anwesenheit von Bürgermeister Werner von Melle, Senatoren, Deputierten und Angestellten seiner Firma beigesetzt. Fritz Schumacher errichtet für den Freund ein Grabmal.

1920
Gertrud Troplowitz verstirbt. Sie hinterlässt der Kunsthalle 18 kostbare Gemälde als „Vermächtnis Oscar und Gertrud Troplowitz".

 

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