Müde Helden: Ferdinand Hodler –
Aleksandr Dejneka – Neo Rauch


Hamburger Kunsthalle, Galerie der Gegenwart
17. Februar bis 13. Mai 2012

Neo Rauch, Quecksilber, 2003
Neo Rauch, Quecksilber, 2003, courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin und David Zwirner, New York, Photo: Uwe Walter, VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Im Mittelpunkt der Ausstellung Müde Helden: Ferdinand Hodler - Aleksandr Dejneka - Neo Rauch steht die Entwicklung der Utopie des 'Neuen Menschen' im 20. Jahrhundert.

Am Anfang dieser historischen Entwicklung steht der Schweizer Maler Ferdinand Hodler. Als einer der künstlerischen Exponenten der Lebensreformbewegung gibt er dem um 1900 mit großem Pathos vorgetragenen Thema des 'Neuen Menschen' in seiner Malerei künstlerischen Ausdruck. Seine großfigurigen Gemälde weiblicher und männlicher Gestalten tragen jedoch ungeachtet ihrer monumentalen Gestalt bereits die Zeichen des Artifiziellen und Dekorativen an sich - und können von daher als 'müde Helden' betrachtet werden.

Der im Westen weniger bekannte, 1899 in Kursk geborene russische Maler Aleksandr Dejneka war zwischen 1918, dem Todesjahr Ferdinand Hodlers und der Verordnung des Sozialistischen Realismus in der Sowjetunion im Jahr 1932 ein Protagonist der postrevolutionären Malerei. Bisher völlig unbeachtet blieb, wie sehr sich Dejneka in seinen Bildmotiven, wie auch in der Körpersprache und der Modellierung seiner Personen an Hodlers eurythmisch bewegten Figuren orientiert. In seinen Gemälden ersetzt Dejneka die aufblühende Natur durch im Aufbau befindliche Industrielandschaften. Dejnekas Arbeiterinnen und Arbeiter erscheinen wie die Wiedergeburt der symbolistischen Malerei des Schweizers in proletarischem Gewand.

Im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts greift der in der DDR aufgewachsene und ausgebildete Neo Rauch den von Hodler und Dejneka geprägten Typus nach dem Ende des Kommunismus erneut auf. Mit bewusstem Rückgriff auf die Helden aus der Technik und Industrie der 1920er und 1930er Jahre lässt er die Figuren in Posen der Handlungshemmung erstarren und in absurden Zusammenhängen ins Leere laufen. Die Utopie des 'Neuen Menschen' verkehrt sich hier in eine Absage an die Fortschrittsgläubigkeit und an jegliche Ideologie.

In der Ausstellung Müde Helden wird das Werk des international anerkannten, führenden Malerstars der Leipziger Schule, Neo Rauch, erstmals in einen historischen und kunsthistorischen Zusammenhang präsentiert. Zudem bietet Müde Helden die Gelegenheit das Werk des in Russland hoch verehrten Malers Aleksandr Dejneka zu entdecken, der mit einer großen Anzahl wichtiger Gemälde vertreten sein wird, die noch nie in Deutschland zu sehen waren.

Die Ausstellung umfasst etwa 80 großformatige Gemälde sowie Graphik und Zeichnungen und wird in der ersten und zweiten Etage der Galerie der Gegenwart zu sehen sein.

 

  • Ferdinand Hodler (1853–1918)    Entzücktes Weib,
    Ferdinand Hodler (1853–1918), Entzücktes Weib
  • Aleksandr Dejneka (1899-1969), Beim Bau neuer Werkhallen, 1926
    Aleksandr Dejneka (1899-1969), Beim Bau neuer Werkhallen, 1926
  • Neo Rauch (*1960)   Weiche, 1999
    Neo Rauch (*1960), Weiche, 1999
  • Ferdinand Hodler (1853–1918)    Blick ins Unendliche II, 1903/04
    Ferdinand Hodler (1853–1918), Blick ins
    Unendliche II, 1903/04
  • Aleksandr Dejneka (1899-1969)    Junger Pionier, 1934
    Aleksandr Dejneka (1899-1969), Junger Pionier, 1934
  • Neo Rauch (*1960)    Der Auftrag, 1996
    Neo Rauch, Der Auftrag, 1996
  • Ferdinand Hodler (1853–1918)   Zwei Frauen in Blumen (Empfindung),  1901-1906
    Ferdinand Hodler (1853–1918)
    Zwei Frauen in Blumen (Empfindung 1a+b), 1901-1906
  • Aleksandr Dejneka (1899-1969)  Textilarbeiterinnen, 1927
    Aleksandr Dejneka (1899-1969)
    Textilarbeiterinnen, 1927
  • Neo Rauch (*1960)  Quelle, 1999
    Neo Rauch (*1960)
    Quelle, 1999

     

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