Malheimat Holland

  • Max Liebermann (1847-1935) Amsterdamer Waisenmädchen im Garten, 1885
    Max Liebermann (1847-1935)
    Amsterdamer Waisenmädchen im Garten, 1885
  • Max Liebermann,  Seilerbahn in Edam, 1904 © Photo: The Metropolitan Museum of Art, New York  Max Liebermann  Seilerbahn in Edam, 1904
    Max Liebermann, Seilerbahn in Edam, 1904
  • Max Liebermann (1847-1935) Flachsscheuer in Laren, 1887
    Max Liebermann (1847-1935)
    Flachsscheuer in Laren, 1887

In Liebermanns Werk erweist sich Holland bis in die Jahre nach 1900 als das entscheidende Motivreservoir. Über einen Zeitraum von über 40 Jahren – der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bildet die entscheidende Zäsur – zieht es ihn fast jeden Sommer in das Nachbarland. Mit seinen großformatigen Hauptwerken aus den späten 1880er Jahren, der Flachsscheuer in Laren und den Netzflickerinnen, knüpfte Liebermann im Großformat an die bereits zuvor dargestellten Arbeitsthemen an. Während er die mit dem Flicken der Fischernetze beschäftigten Frauen im landschaftlichen Tiefenraum voneinander wegrückte und damit deren Vereinzelung beförderte, ist es bei den Arbeiterinnen in der Flachsfabrik die Rhythmik der gleichförmigen gemeinsamen Tätigkeit, welche diese zusammenbindet.

Neben der Darstellung bestimmter Arbeitsvorgänge kommt nun auch die holländische Landschaft in einer Vielzahl ausnehmend frisch anmutender Ölbilder und -studien zum Tragen. Gattungsmäßig ist dabei auffällig, dass sich keine reinen Landschaftsgemälde darunter befinden. Stets erweist sich die charakteristische Flachlandschaft von Gehöften durchsetzt und von einzelnen Figuren belebt.
Liebermann stellt dadurch die gewachsene Einheit von Mensch, Architektur und Natur heraus. Darüber hinaus empfand er in Holland das gemeinschaftliche Leben und Arbeiten als geradezuidealtypisch verwirklicht.

Bei seinen Streifzügen durch Amsterdam war Liebermann im Jahre 1876 auch einen Blick in den Hof des Bürgerwaisenhauses, das im ehemaligen St. Lucienkloster, dem heutigen Amsterdam Museum, untergebracht war. Um jedoch seine Ölstudien mit den Waisenmädchen, die sich während der Mittagspause im Innenhof aufhalten und zum Teil mit Näharbeiten beschäftigt sind, vor Ort machen zu können, musste sich Liebermann erst eine Erlaubnis einholen. Dies betraf auch seine Studien im Speisesaal, die ihm als Grundlage für das Gemälde Nähschule – Arbeitssaal im Amsterdamer Waisenhaus dienten. 1885 schuf Liebermann sein hochformatiges Bild, das drei auf einer Bank im Innenhof sitzende Waisenmädchen zeigt. Während zwei von ihnen nähen, füttert das jüngste, in der Mitte sitzende Mädchen die am Boden sitzenden Spatzen. Dadurch wird das Gemälde narrativ aufgeladen – eine im Werk von Liebermann eher selten zu beobachtendes Vorgehen.

 

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