Liebermann als Kunstsammler

  • Auguste Renoir, Blumen im Gewächshaus
    Auguste Renoir, Blumen im Gewächshaus, 1864

Bereits während seiner Pariser Zeit in den 1870er Jahren sammelte Liebermann Reproduktionen nach Werken seines großen Vorbildes, Jean-François Millet, den Hauptvertreter der Schule von Barbizon.
1876 glückte ihm mit einer Landschaft Theodore Rousseaus, ebenfalls dieser Schule zugehörig, die Erwerbung eines originalen Werks. Zu einem wirklich planmäßigen Aufbau einer Kunstsammlung kam es hingegen erst nach 1884, als Liebermann heiratete und sich in Berlin niederließ.
Als Impressionismus-Sammler der ersten Stunde erwarb er von den 1890er Jahre Werke von Edgar Degas, Edouard Manet, Claude Monet, Camille Pissarro und Auguste Renoir.
Obgleich sich Liebermann mit nachimpressionistischer Kunst zum Teil bereits etwas schwer tat, erwies er sich dieser Richtung gegenüber als Sammler durchaus offen. So erwarb Liebermann 1907 ein Kornfeld Vincent van Goghs und 1909 sowie 1916 zwei Gemälde Paul Cézannes, darunter auch dessen ungestümes Frühwerk Die Fischer – Ein Tag im Juli. Neben Vertretern der Schule von Barbizon waren in seiner Sammlung mit Arbeiten von Wilhelm Leibl, Fritz von Uhde und Max Slevogt auch deutsche Realisten und Impressionisten vertreten. Dass Teile der Sammlung auch lokal ausgerichtet waren, belegen die Werke Berliner Künstler. Hier hatte Liebermann Arbeiten von Johann Gottfried Schadow, Carl Blechen, Franz Krüger, Adolph Menzel und Carl Steffeck, seinem ersten Lehrer, zusammengetragen. An Altmeisterpositionen verdienen insbesondere die Zeichnungen und Radierungen Rembrandts Erwähnung. In späteren Jahren betrieb Liebermann auch den Ausbau seiner Graphiksammlung. Beispielsweise befanden sich von Honoré Daumier, den er erst ab 1910 als Sammler schätzte, neben einem Gemälde und einigen Zeichnungen eine beträchtliche Zahl an Lithographien in Liebermanns Kollektion.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden große Teile der Sammlung Liebermann zerstreut.
Allerdings gelang es dem Künstler 1933 noch, die Verwahrung von vierzehn Werken im Kunsthaus Zürich zu erwirken. Aufgrund der nationalsozialistischen Zwangsmaßnahmen gegen Vermögen und Eigentum von Juden sah sich Liebermanns Frau Martha nach dem Tod ihres Mannes (1935) gezwungen, einige Arbeiten zu veräußern. Ein Teil der Verkäufe diente der Finanzierung ihrer geplanten, aber nicht realisierten Ausreise. Die ehemals in Liebermanns Sammlung befindlichen Werke verteilen sich heute auf verschiedene Museen und Privatsammlungen in Europa und den USA. Zusammenhängende Sammlungskomplexe existieren nicht mehr.

 

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