Das Frühwerk

  • Max Liebermann, Holländische Klöpplerin
    Max Liebermann, Eine holländische Klöpplerin, 1881
  • Max Liebermann, die Näherin
    Max Liebermann (1847-1935)
    Die Näherin, 1875

Die Anfänge – Zwischen Genre und Historie

Mit den 1872 vollendeten Gänserupferinnen errang Liebermann die Aufmerksamkeit der Kunstwelt weit über Weimar hinaus. Gleichzeitig begann die hämische Kritik an seiner Malerei, die den Künstler als „Schmutzmaler" denunzierte. Das zielte auf Liebermanns ungeschönte Darstellungen aus dem Alltagsleben. In Frankreich erhoffte sich der Künstler größere Anerkennung. So zog er Ende 1873 nach Paris, 1874 verbrachte er den Sommer in Barbizon. Mihály Munkácsy und besonders Jean-François Millet waren seine Leitbilder in der zeitgenössischen, Frans Hals, Rembrandt und Velázquez in der alten Kunst.

Die 1870er Jahre werden in Liebermanns Werk vom Motiv der Arbeit in ihren unterschiedlichen Schattierungen bestimmt. Unter Verzicht auf anekdotische Details zielte der Künstler auf eine wirklichkeitsnahe Wiedergabe der einfachen, arbeitenden Bevölkerung ab. In dieser Phase seines Schaffens profitierte der Künstler nachhaltig von den unterschiedlichen Ländern, Orten und Regionen, in denen er sich aufhielt. So gehen die hier versammelten Werke auf Anregungen zurück, die er in Weimar, Paris, Holland und auf einer Reise in Tirol empfing. Jedoch konnte sich Liebermann in seinem Bemühen um eine Neuausrichtung der Genremalerei auch auf bestimmte Vorbilder stützen. So kam er bereits während seiner Studienzeit in Weimar mit einem Hauptwerk Mihály Munkácsy, dessen Charpiezupferinnen (1871) – Frauen, die durch Zupfen von Leinenstoffen Verbandsstoff herstellen – in Kontakt. Von diesem Künstler sollte Liebermann jedoch nicht nur in thematischer Hinsicht profitieren. So kehrt die effektvolle, von starken Helldunkel-Werten bestimmte Malerei des Ungarn auf einigen seiner Werke aus jener Zeit in Form von auffallend dunklen Bildgründen wieder.

Von 1874 an wird der Einfluss Jean-François Millets, eines Hauptvertreters der Schule von Barbizon, auf Liebermann immer deutlicher. Der Franzose hatte bereits von den 1850er Jahren an die arbeitende Landbevölkerung als Thema etabliert.

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