Biographie

Max Liebermann (1847–1935)

1847
Am 20. Juli 1847 wird Max Liebermann als drittes von vier Kindern des jüdischen Textilunternehmers Louis Liebermann und seiner Frau Philippine (geb. Haller) in Berlin geboren.

1857
Louis Liebermann erwirbt ein Palais am Pariser Platz, wohin die Familie umsiedelt. Nach Abschluss der Primarschule besucht Liebermann die Realschule.

1859
Die Mutter besucht in Begleitung ihres Sohns Max das Atelier von Antonie Volkmar (1827–1867), diese entdeckt Liebermanns Zeichentalent.

1862
Otto von Bismarck (1815–1898) wird preußischer Ministerpräsident.

1863
Liebermann erhält privaten Malunterricht bei Eduard Holbein (1807–1875) und Carl Steffeck (1818–1890). Liebermann besucht bis 1866 ein Gymnasium.

1864
Krieg Österreichs und Preußens gegen Dänemark

1866
Nach dem Deutschen Krieg wird der Deutsche Bund aufgelöst. Preußen übernimmt im neu gegründeten Norddeutschen Bund die Führung.
Nach der Abiturprüfung schreibt sich Liebermann an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin für das Fach Chemie ein.

1868
Liebermann wechselt zu einem Studium an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule in Weimar. Er wird dort Schüler von Ferdinand Pauwels (1830–1904), einem belgischen Historienmaler, und bleibt bis 1872 eingeschrieben. Liebermann lernt in dieser Zeit unter anderem auch Gemälde von Rembrandt van Rijn (1606–1669) kennen. Es entstehen erste naturalistische Arbeiten.

1869
Die Juden werden gesetzlich innerhalb des Norddeutschen Bundes gleichgestellt.

1870
Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs, der mit einer Niederlage Frankreichs endet.
Liebermann dient als Sanitäter in der Schlacht und Belagerung von Metz.

1871
Gründung des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm I. (1797–1888).
Im Mai geht Liebermann zu Studienzwecken nach Düsseldorf, wo er im Atelier von Mihály von Munkácsy (1844–1900) dessen Charpiezupferinnen sieht, eine realistische Alltagsszene Wolle zupfender Frauen, erzählerisch dargestellt, mit historischem Bezug. Im gleichen Jahr reist Liebermann zum ersten Mal nach Amsterdam und Scheveningen.

1872
Liebermann stellt sein erstes Hauptwerk, Die Gänserupferinnen, fertig, das im Frühjahr des gleichen Jahres zunächst in Hamburg und dann in Berlin gezeigt wird und ihm wegen des als hässlich empfundenen Bildthemas den Namen »Schmutzmaler« einhandelt.

1873
Liebermann mietet sich ein Atelier am Montmartre in Paris.

1874
Den Sommer verbringt Liebermann in Barbizon, der Wiege der Freilichtmalerei. Von Jean-François Millet (1814–1875) inspiriert, greift Liebermann ein Motiv aus Weimar auf, Kartoffeln erntende Bauern. Seine Kartoffelernte in Barbizon stellt die gemeinschaftliche Anstrengung der Bauern in den Vordergrund.

1875
Liebermann verbringt den ersten von vielen Sommern in Holland. In Haarlem studiert er Frans Hals (zwischen 1580 und 1585–1666) und dessen lockeren Farbauftrag, in Amsterdam die Werke Rembrandts. Wieder in Paris malt er erste Bilder in heiteren Farben.

1876
Liebermann beendet das monumentale Werk der Arbeiter im Rübenfeld, das noch in der Tradition Rembrandts und Munkácsys steht. In Deutschland wird er »Apostel der Hässlichkeit« genannt.

1877
Im Winter entsteht die zweite Fassung der Holländischen Nähschule, die eine weitaus impressionistischere Auffassung des Lichts zeigt.

1878
Liebermann kehrt Frankreich den Rücken. Auf einer Reise trifft er im Sommer in Venedig Franz Lenbach (1836–1904, seit 1882 Ritter von Lenbach) und andere naturalistisch malende Künstler, im Dezember zieht er nach München.

1879
Der zwölfjährige Jesus im Tempel ist Liebermanns erstes Historienbild, es vereinigt Einflüsse der Münchner Schule und der niederländischen Kunst. Das Bild wird Anlass heftigster Anfeindungen, da Jesus als schmutziger Straßenjunge dargestellt ist, was als gotteslästerlich empfunden wird – ein Skandal.

1880
In Amsterdam entdeckt er das Motiv der Bewohner eines Altmännerhauses, die im Garten unter einem Laubdach in der Sonne sitzen – ein Schlüsselerlebnis.

1881
Im Gemälde Altmännerhaus in Amsterdam verwendet Liebermann zum ersten Mal »Sonnenflecken« als malerisches Mittel, Lichtflecken, die teilweise eigenfarbig dargestellt werden. Das Licht schafft die Bewegung im Bild. Es werden außerdem zwei Betrachterstandpunkte vereint, die Linearperspektive wird zugunsten der subjektiven Bildaussage vernachlässigt. Diese Modernität wird im Salon de Paris und 1882 auch im Münchner Kunstverein gelobt. Liebermann tauscht sich in Den Haag mit Jozef Israëls (1827–1911), einem Vertreter der Haager Schule, aus, der Beginn einer langen Freundschaft.

1882
Liebermann bearbeitet die Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, ein Motiv das er 1876 entdeckt hat, mit der neuen Technik der Lichtdarstellung noch einmal. Dieses Bild sowie das Altmännerhaus begründen Liebermanns Ruhm.
1883
Liebermann beginnt den Münchner Biergarten (Garten des Augustinerkellers) der sich mit seinen kräftigen Farben an den französischen Impressionismus anlehnt, aber auch den holländischen Vorbildern verhaftet bleibt. Es wird in Deutschland kritisiert, erringt auf dem Salon de Paris den bisher größten Erfolg.

1884
Liebermann geht zurück nach Berlin und heiratet im September die Schwester seiner Schwägerin Martha Marckwald. Auf der Hochzeitsreise nach Holland begleitet ihn Israëls.

1885
Im August wird die erste und einzige Tochter Marianne Henriette Käthe (1885–1952), genannt Käthe, geboren. Obwohl Berlins Kunstszene von der akademischen Linie der Genre- und Historienmalerei dominiert wird, nimmt ihn die Berliner Künstlergemeinschaft auf. Er lernt Alfred Lichtwark (1852–1914) kennen, der ein Jahr später Direktor der Hamburger Kunsthalle wird und in dieser Funktion zu einem wichtigen Förderer avanciert. Liebermann verkehrt mit Max Klinger (1857–1920), Adolph Menzel (1815–1905) und vielen anderen.

1887
Liebermann stellt die Flachsscheuer in Laren fertig. Das monumentale Gemälde zeigt arbeitende Frauen und Kinder ohne Sentimentalität, nicht herablassend oder verklärend.

1888
Dreikaiserjahr: Nach Wilhelm I. regiert Friedrich III. (1831-1888) und wird nach 99 Tagen von seinem Wilhelm II. (1859–1941) abgelöst.

1889
Die Netzflickerinnen gilt als Programmbild der modernen naturalistischen Malerei in Deutschland, da es im Motiv und in der Darstellung Werte wie Einfachheit, Echtheit und Wahrheit verkörpert, ohne sachlich kühl zu bleiben.
Die Berliner Nationalgalerie kauft als erstes Museum ein Gemälde von Liebermann, die Flachsscheuer in Laren.

1890
Liebermann malt Alte Frau mit Ziegen und erhält 1894 dafür die Große Goldene Medaille der Internationalen Kunstausstellung in München.
Von Bismarck tritt als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident zurück.

1891
Lichtwark vermittelt Liebermann seinen ersten offiziellen Porträtauftrag: Das Bildnis Bürgermeister Petersen. Das im Stil von Frans Hals gemalte Ganzkörperporträt wird kritisiert, da es mehr den Menschen als die ehrwürdige Person zeigt.

1892
Liebermann wird Mitglied der neu gegründeten Vereinigung der XI, die aus elf Künstlern besteht, die sich gegen den Konservatismus der Kunstakademien wenden. Liebermann zählt zu dem führenden Vertreter der liberal-modernistischen Schule und bleibt bis 1899 ein führendes Mitglied. Er zieht ins elterliche Palais am Pariser Platz, das später in seinen Besitz übergeht.

1893
Liebermann malt in Rosenheim den Biergarten in Brannenburg, der seine Auseinandersetzung mit dem französischen Impressionismus widerspiegelt.

1894
Liebermann nimmt an einer Ausstellung auf der Pariser Weltausstellung teil.
Er wird Mitbegründer der Zeitschrift Pan. Mit dem Tod des Vaters, zwei Jahre nach der Mutter, ermöglicht ihm ein hohes Erbe einen unabhängigen Lebensstil. Er begründet mit einem Gemälde von Édouard Manet (1832–1883) seine eigene Kunstsammlung.

1895
Liebermann wendet sich der Porträtmalerei zu und erhält den ersten Preis für das Pastell von Gerhart Hauptmann auf der Internationalen Kunstausstellung in Venedig. In der Folge entstehen viele Bilder mit Motiven, die sich bewegende Körper im Licht zeigen oder Licht, das von Schatten durchbrochen wird.

1896
Das herausragende Gemälde Sitzender Bauer in den Dünen zeigt einen rastenden alten Mann, der ganz in die Natur eingebunden ist, es ist poetisch und vereinigt die impressionistische Landschaftsdarstellung mit realistischer Zeichnung. Auf einer Ausstellung der Akademie der Künste finden seine Bilder nun gefallen.

1897
Liebermanns Akzeptanz als führender Künstler findet in der Ernennung zum Professor der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin Ausdruck.

1898
Liebermann wird Mitglied der Königlichen Akademie. In Holland malt er den Schulgang in Laren, in dem die Lichtflecken die Tiefe des Bildraums organisieren.

1899
Liebermann ist Gründungsmitglied der Berliner Secession, eine Bewegung freier Künstler, und wird zu deren Präsidenten gewählt. Er bleibt es bis 1911.

1900
Die Secessionsausstellungen, bei denen auch Werke französischer und belgischer Künstler der Moderne zu sehen sind, werden sehr erfolgreich.

1901
Statt der Darstellung der holländischen Landbevölkerung treten nun vermehrt Themen auf, die eine unbeschwerte Welt zeigen, heiteres Strandleben oder Gartenszenen wie Landhaus in Hilversum. Die Darstellung des Lichts mit Farbe – ganz im Sinne des Impressionismus – wird zum zentralen Thema, dem das Motiv dient.

1902
Im Amsterdamer Zoo entdeckt er das Motiv der Papageienallee und des Papageienmanns. Auf Einladung Lichtwarks malt Liebermann Hamburger Motive.

1903
Er veröffentlicht den Aufsatz Die Phantasie in der Malerei, in dem er die Anschauung der Wirklichkeit als Voraussetzung der Malerei postuliert und die malerischen Mittel, mit denen die »Auffassung der Natur« am besten dargestellt werden kann, in den Vordergrund rückt.

1905
Liebermann knüpft engeren Kontakt zu Wilhelm von Bode (1830–1893), dem Direktor des Kaiser-Friedrich-Museums in Berlin. Im Sommer reist er nach Noordwijk aan Zee, in der Folge entstehen zahlreiche Strandbilder.

1907
Die retrospektive Ausstellung von Liebermanns Werken zum 60. Geburtstag in der Berlin Secession wird zu einem großen Erfolg.

1909
Theobald von Bethmann Hollweg (1856–1921) wird Reichskanzler und bleibt es bis 1917.

1910
Nach der Ablehnung expressionistischer Gemälde der Secession bricht ein offener Konflikt aus. Die Gegner, angeführt von Emil Nolde (1867–1956), werfen Liebermann eine diktatorische und neuen Strömungen gegenüber intolerante Haltung vor.
Liebermann verbringt den ersten Sommer in seiner neu errichteten Villa am Großen Wannsee, dessen Garten er zusammen mit Lichtwark gestaltet.

1911
Liebermann tritt aufgrund der Krise von seinem Amt des Präsidenten der Secession zurück.

1912
Liebermann malt ein Bildnis des Dichters Gerhart Hauptmann im Auftrag von Lichtwark für die Hamburger Kunsthalle. Zum 65. Geburtstag wird er, neben anderen Ehrungen, zum Ehrendoktor der Berliner Universität ernannt.

1913
Liebermann tritt wegen erneuter Konflikte, diesmal mit seinem Nachfolger Lovis Corinth (1858–1925), aus der Berliner Secession aus. International erfährt er jedoch zahlreiche Ehrungen.

1914
Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Liebermann schließt sich der neu gegründeten Freien Secession an, eine Abspaltung der alten Secession.

1915
Es entstehen erste Gartenbilder des Wannseegartens, denen viele folgen. Weiterhin erhält er zahlreiche Porträtaufträge des Großbürgertums.

1917
Die Königliche Akademie ehrt ihn mit einer retrospektiven Ausstellung zum 70. Geburtstag.

1918
Der Erste Weltkrieg endete mit der Niederlage Deutschlands.

1919
Deutschland wird zur parlamentarisch-demokratischen Republik, Friedrich Ebert (1871–1925) wird Reichspräsident.

1920
Liebermann wird zum Präsidenten der Akademie der Künste gerufen, deren Gegner er einst war. In seiner Führung zeigt er sich nun liberaler und fördert auch expressionistische Künstler wie etwa Max Pechstein (1881–1955).

1922
Ungeachtet der neuen Strömungen in der Kunstszene malt Liebermann stimmungsvolle Gartenbilder am Großen Wannsee, von lichter Farbigkeit und mit schwungvollem Farbauftrag. Sie bilden den Höhepunkt seiner Auseinandersetzung mit der Natur.

1925
Paul von Hindenburg (1847–1934) wird zum Reichspräsidenten gewählt.

1926
Deutschland bekommt einen ständigen Sitz im Völkerbund.
Liebermann zieht sich mehr und mehr ins Private zurück.

1927
Zum 80. Geburtstag erfährt Liebermann in Berlin höchste Ehrungen wie die persönliche Verleihung des Adlerschilds des Deutschen Reiches durch von Hindenburg, den Liebermann im gleichen Jahr im Auftrag der Stadt Hannover porträtiert. Es folgen viele Porträtaufträge.

1929
Beginn der Weltwirtschaftskrise.

1932
Aufgrund einer Erkrankung stellt Liebermann sein Amt als Akademiepräsident der Preußischen Akademie der Künste zur Verfügung, wird aber Ehrenpräsident. Liebermann porträtiert nach seiner Gesundung den Arzt Ferdinand Sauerbruch, der ihn behandelt hat.

1933
Am 30. Januar wird Hitler Reichskanzler. Liebermann legt im Mai alle seine Ämter nieder und zieht sich völlig aus der Öffentlichkeit zurück. Viele seiner Bilder werden aus öffentlichen Sammlungen entfernt.

1934
Liebermann malt sein letztes Selbstbildnis: Selbstbildnis im Malkittel mit Hut, Pinseln und Palette.

1935
Liebermann stirbt am 8. Februar 1935 in seinem Haus am Brandenburger Tor. Er wird ohne Ehren auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee beigesetzt. Am 15. September werden in Nürnberg die »Rassengesetze« verkündet.

Liebermanns Tochter emigriert mit ihrer Tochter und ihrem Mann 1939 in die USA.
Seine Frau Martha Liebermann nimmt sich am 10. März 1943 das Leben, um der drohenden Deportation zu entgehen.

 

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