An ear alone is not a being

John Cage zum 100. Geburtstag

22. Juli bis 28. Oktober 2012

Saal der Meisterzeichnung 

Music Festival of Bologna, il treno di Cage, 1979
Music Festival of Bologna, il treno di Cage, 1979, Foto: Nino Monastra, © Grafis edizioni d' arte

In einer seiner zahlreichen Vorträge, 1958 in Darmstadt gehalten und 1961 unter dem Titel Silence veröffentlicht, sagte John Cage: "An ear alone is not a being... It becomes evident that music itself is an ideal situation, not a real one". Mit diesen Sätzen formuliert Cage das zentrale Anliegen seines Denkens und Arbeitens, das für die Entwicklung der Musik und der bildenden Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wegweisend werden sollte.

John Cage (1912-92) trägt neben Marcel Duchamp, mit dem er eng befreundet war, wesentlich zur Entgrenzung des Werkbegriffs bei. Die gattungsspezifischen Differenzen von Musik, Skulptur, Zeichnung und Performance werden von Cage ebenso überschritten, wie die Kluft zwischen Künstler, Werk und Publikum. Das Zufällige und Unvorhersehbare wird hierbei zur Methode, etwa wenn Cage in dem Musikstück 4'33'' (1952) den Pianisten 4 Minuten und 33 Sekunden konzentriert an einem geöffneten Flügel sitzen und keinen einzigen Ton spielen lässt. Die Geräusche und Klänge, die in diesem Moment im Konzertsaal entstehen, sind das Werk. Es ist komponierte Stille, eine künstlerische Setzung, die der Erkenntnis folgt, dass jedes Geräusch Musik sein kann. „Found sounds" sind ein wichtiges Element in Cages Arbeit. Sie verdeutlichen die Intention des Künstlers, sich selbst gegenüber dem Werk außen vor zu lassen. „Meine Einstellung ist die, dass das tägliche Leben, wenn wir es bewusst aufnehmen, interessanter ist als irgendwelche zelebrierten Ereignisse. Dieses ‚Wenn' ist gegeben, wenn wir keinerlei Absichten verfolgen" (Cage, 1989).

Um dem Moment der Absichtslosigkeit konsequent nachzugehen, entwickelt Cage komplexe Vorgehensweisen, wie zum Beispiel ab 1951 die Anwendung von Zufallsoperationen des I Ging (das chinesische Buch der Wandlungen), das er für seine Kompositionen ebenso wie für seine Texte und graphischen Arbeiten nutzt. So positioniert Cage beispielweise den Bleistift oder die zugeschnittene Kupferplatte durch den Einsatz des I Ging auf dem Papier. An die Stelle des Einfallsreichtums des Künstlers tritt der Zufall. Das Werk entsteht „von selbst", was in veränderter Form das Duchamp'sche Ready made in die Musik einführt, und es innerhalb der bildenden Kunst prozessualisiert. Mit diesem Ansatz, der das Erleben des Ästhetischen neu definiert, wurde Cage zu einem wichtigen Lehrer der Fluxus-Bewegung und gilt als Urheber des Happening.

Die Hamburger Kunsthalle besitzt eine ausgesuchte Sammlung von John Cages Werken – Graphiken, Objekte und Audioarbeiten – , die anlässlich seines 100. Geburtstags erstmals im Saal der Meisterzeichnung gezeigt werden.

Kuratiert von Luisa Pauline Fink

Biographie...

 

  • Music Festival of Bologna, il treno di Cage, 1979
    John Cage, Music Festival of Bologna, il treno di Cage, 1979
  • John Cage Where R = Ryoanji (2R)/9, Juli 1983
    John Cage, WhereR = Ryoanji (2R)/9, Juli 1983
  • John Cage Ryoku, 1985	 Blatt No. 13
    John Cage, Ryoku,1985, Blatt No. 13
  • Schallplatten-Cover: John Cage liest Empty Words Part IV, 1984-87
    Schallplatten-Cover: John Cage liest Empty Words Part IV, 1984-87
  • John Cage, Global Village 37-48, 1989,
    John Cage, Global Village 37-48, 1989
  • John Cage, Not wanting to say anything about Marcel, 1969
    John Cage, Not wanting to say anything about Marcel, 1969

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