BIOGRAPHIE

GEGO (Gertrud Louise Goldschmidt)

1912
Am 1. August wird Gertrud Louise Goldschmidt als sechstes der sieben Kinder von Eduard Martin Goldschmidt und Elizabeth Hanne Adeline Goldschmidt, geb. Dehn, in Hamburg geboren. Die Familie lebt von etwa 1908 bis 1939 in der Heilwigstraße 40. Die Goldschmidts leiten seit 1815 das Bankhaus J. Goldschmidt Sohn. Ein Onkel von Gego ist der bekannte Kunsthistoriker Adolph Goldschmidt (1863-1944).

1918-1932
Neben dem Schulunterricht erhält Gego Privatunterricht zusammen mit der jüngsten Tochter des Bankiers Max Warburg.

1932-1938
Architekturstudium an der Technischen Hochschule Stuttgart bei Paul Bonatz. Im November 1938 erhält Gego ihr Diplom als Architektin. Aufgrund der immer bedrohlicher werdenden Situation wandert die jüdische Familie aus; das Bankhaus J. Goldschmidt wird geschlossen. Gego bleibt als letztes Familienmitglied in Deutschland und regelt die Auflösung der Besitztümer der Familie. Ein Freund einer Cousine beschafft ihr ein Visum für Venezuela. Gego emigriert am 1. Juni 1939 über Southampton nach Caracas.

1940
Gego arbeitet in einem Architekturbüro in Caracas. Sie heiratet den deutschen Unternehmer Ernst Gunz. Gemeinsam eröffnen sie einen Laden namens »Gunz«, für den Gego Holzmöbel und Lampen entwirft. Die Mitarbeiter bringen ihr Spanisch bei. Geburt ihrer Kinder Tomás (*1942) und Barbara (*1944).

1947
Gego reist durch die USA, um ihre dort lebenden Eltern und Geschwister zu besuchen.

1948
Freie Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros

1951
Trennung von ihrem Mann. Gego beantragt die venezolanische Staatsbürgerschaft.

1953
Gego zieht mit dem Designer und Graphiker Gerd Leufert (1914-1998) nach Tarma an der Nordküste Venezuelas. Sie beginnt künstlerisch zu arbeiten. Es entstehen expressionistische Aquarelle, Zeichnungen und Monotypien.

1954
Beim XV. Salón oficial anual de arte venezolano im Museo de Bellas Artes in Caracas zeigt Gego zwei Aquarelle. Es ist ihre erste Ausstellung in Venezuela.

1955
Gego reist erstmals wieder nach Europa. Erste Ausstellung im Ausland in der Galerie Wolfgang Gurlitt in München.

1956
Es entstehen erste dreidimensionale Objekte in unterschiedlichen Materialien. Gego beginnt mit einem System paralleler Linien zu arbeiten.

1958
Erste Einzelausstellung in der Buchhandlung Cruz del Sur in Caracas. Lehrtätigkeit an der Facultad de Arquitectura y Urbanismo, Universidad Central de Venezuela. Zudem unterrichtet sie Bildhauerei an der Escuela de Artes Plásticas Cristóbal Rojas.

1959
Carlos Cruz-Diez dreht den Kurzfilm Movement and Vibration in Space: Sculpture by Gego. Ein weiterer Film über sie entsteht unter der Regie von Richard Raynor. Gegos Werke werden zunehmend monochrom.

1960
Gego zieht für einige Monate nach New York. Das Museum of Modern Art, New York, kauft auf Anregung von Alfred Barr Jr. die Skulptur Esfera (Sphäre) an. Die New York Public Library erwirbt ein Konvolut von Graphiken.

1961
Eine Einzelausstellung im Museo de Bellas Artes in Caracas widmet sich den Zeichnungen der Künstlerin.

1962
Installation für den Innenhof der Banco Industrial de Venezuela. Es ist Gegos erste großformatige Skulptur im Außenraum und ihr erster öffentlicher Auftrag.

1963
Gego reist für zwei Jahre – finanziert durch ein venezolanisches Universitätsstipendium – nach Europa. Es folgen Aufenthalte in den USA.

1964
Gego lehrt weiterhin an der Facultad de Arquitectura y Urbanismo. Zudem übernimmt sie eine Professur am Instituto de Diseño, Fundación Neumann, welches sie mitbegründet.

1965
Das Museum of Modern Art in New York zeigt Gegos Esfera in der Ausstellung The Responsive Eye.

1968
Gego erhält mehrere Preise für ihre Skulpturen und Zeichnungen, u.a. den Nationalpreis des XXIX. Salón oficial anual de arte venezolano.

1969
Im Juni wird erstmals eine Reticulárea in einer Ausstellung im Museo de Bellas Artes in Caracas gezeigt. Im November wird eine weitere Reticulárea im Center for Inter-American Relations in New York präsentiert.

1970
Es folgen internationale Ausstellungen. Gego fertigt die Serie der Chorros (Ströme), die sie 1971 in einer Einzelausstellung in der Betty Parsons Gallery in New York zeigt.

1972
Installation Cuerdas (Seile) im Parque Central, Caracas

1974
Arbeit an der Werkgruppe der Troncos (Stämme)

1976
Gego beginnt ihre größte Serie dreidimensionaler Werke: Die Dibujos sin papel (Zeichnungen ohne Papier) beschäftigen sie die nächsten zwölf Jahre.

1979
Gego erhält den Preis »Premio Nacional de Artes Plásticas de Venezuela«.

1980
Reise nach Europa und Kolumbien. Zusammen mit anderen Künstlern gründet sie in Caracas die Vereinigung Taller de Artistas Gráficos Asociados.

1982
Gego beteiligt sich mit der letzten Fassung der Reticulárea an der Ausstellung Spielraum – Raumspiele in der Alten Oper in Frankfurt am Main.

1983
Das Werk Cuadriláteros (Vierecke) wird in der U-Bahn-Sation La Hoyada in Caracas installiert.

1987
Gego steht in Kontakt mit Professor Frithjof Trapp, dem Leiter der Arbeitsstelle für deutsche Exilliteratur an der Hamburger Universität, der Studien zu den Lebenswegen aus Hamburg vertriebener Juden durchführt. Die Werkserie der Bichitos (Kleine Viecher) entsteht – Gegos letzte dreidimensionale Werke.

1988
Gego beginnt die Serie der Tejeduras (Webereien).

1994
Am 17. September stirbt Gego in Caracas. Im Dezember gründet ihre Familie die Fundación Gego in Caracas, die seitdem ihren Nachlass verwaltet.